Sebastian Vettel (Ferrari) geht als Favorit in das Qualifying zum Grand Prix von Kanada in Montreal . Der WM-Leader erzielte im dritten Freien Training eine Bestzeit von 1:12.572 Minuten und setzte sich damit 0,292 Sekunden vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen an die Spitze.

Ferrari wirkte in der letzten Stunde Fahrzeit vor dem Qualifying zwar nicht überlegen, aber doch eine Spur souveräner als Mercedes. Während Lewis Hamilton (3./+0,354) und Valtteri Bottas (5./+0,638) mit einem unruhigen Fahrverhalten und kleineren Verbremsern zu kämpfen hatten, lag der Ferrari fast wie auf Schienen. Spannend bleibt's trotzdem, weil Mercedes im Qualifying bekanntermaßen stets ein paar Extra-PS drauflegen kann.

Dabei erwischte Räikkönen keinen optimalen Start in die Session. Als Vettel längst in Führung lag, krebste er noch um Platz sieben, acht herum - und forderte, man möge sein Set-up auf den Stand "von morgen" zurückbauen. "Sorry, auf gestern natürlich!" Wie dem auch sei: Als Räikkönen nach dem Umbau wieder auf die Strecke ging, war er auf Augenhöhe mit Vettel. Interessant auch: Vettel war im ersten und dritten Sektor schneller, Räikkönen im zweiten.

"Ferrari", sagt Formel-1-Experte Damon Hill, "sieht sehr stark aus. Ich traue ihnen die erste Reihe zu." Red Bull spielt im Kampf um die Pole-Position hingegen keine Rolle, auch wenn Teamchef Christian Horner sagt: "Wir bewegen uns in die richtige Richtung. Vor allem Max ist konkurrenzfähig. Uns fehlt nur ein halbes Zehntel auf Lewis. Natürlich können die im Qualifying immer noch mehr abrufen, aber es geht voran."

Max Verstappen (+0,393) wurde heute Vierter, Daniel Ricciardo (+0,973) Achter. "Daniel musste Kilometer von gestern aufholen", sagt Horner. Im Finish fuhr er daher 18 Runden mit einem Satz Ultrasoft-Pirellis - de facto ein Longrun. Horner ist optimistisch: "Wenn Ferrari und Mercedes einen Fehler machen und keine perfekte Quali-Runde hinbekommen, hoffen wir, davon profitieren zu können."

Die große Überraschung des Abschlusstrainings war Nico Hülkenberg (Renault/+0,921), der nach bis dahin unauffälliger Vorstellung mit der Quali-Simulation plötzlich auf Platz sechs auftauchte. Vor Felipe Massa (Williams/+0,955), Ricciardo, Esteban Ocon (Force India/+1,063) und Carlos Sainz (Toro Rosso/+1,095). Pascal Wehrlein (Sauber) belegte mit 2,393 Sekunden Rückstand den 20. und letzten Platz - mit 2016er-Ferrari-Motor wenig verwunderlich.

Insgesamt rückte das Feld im Vergleich zum Freitagstraining enger zusammen. So lagen zwischen den jeweils schnellsten Fahrern der drei Topteams weniger als vier Zehntelsekunden, und zwischen P6 und P14 passte nur eine halbe Sekunde. Das verspricht sowohl einen spannenden Kampf um die Pole-Position als auch um den Einzug ins Top-10-Finale. Und das zur besten Sendezeit in der deutschen Primetime ...© Motorsport-Total.com GmbH