Aus dem Kart ins Formel-1-Cockpit: "Schumi"-Rivale Jacques Villeneuve wird 50

Formel-1-Ikone Michael Schumacher hatte viele Rivalen. Einer, der am 9. April seinen 50. Geburtstag feiert, hat es ihm besonders schwergemacht. Der Kanadier Jacques Joseph Charles Villeneuve fiel abseits der Strecke besonders durch seine abwechslungsreiche Haarpracht auf. Sein Markenzeichen: ein deutlich zu großer Rennanzug. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Jacques Villeneuve wollte schon früh bei den Großen mitspielen, legte seine ersten Rennkilometer allerdings im Kart zurück.
Die Fußstapfen, die er zu füllen gedachte, waren groß: Sein Vater, die Motorsportlegende Gilles Villeneuve (Foto), brachte es leider nur bis zum Formel-1-Vizeweltmeister (1979), bevor er 1982 tödlich verunglückte.
Seine ersten Erfolge feierte Sohn Jacques gleich in seinem Debüt-Jahr 1994. Er wurde "Rookie of the Year" (bester Neuling der Serie). Ein Jahr später holte er vier Siege, einen davon im Indy 500.
Sein Talent blieb nicht lange unbemerkt und so verpflichtete ihn schon bald Frank Williams. 1996 wurde Villeneuve Ersatz von David Coulthard – der erste Schritt in die Formel 1 war gemacht.
In seinem ersten Grand Prix holte er auch gleich die Pole Position und fast den Sieg. Aufgrund eines Defekts musste er Platz eins jedoch seinem Teamkollegen Damon Hill (re.) überlassen.
Nicht lange und Villeneuve stand ganz oben auf dem Treppchen (hier zwischen Michael Schumacher und David Coulthard): Beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring gelang ihm sein erster Sieg.
Nur ein Jahr später, 1997, kämpfte der damals 26-Jährige bereits mit Ferrari-Legende Michael Schumacher um den Weltmeistertitel. Mit neun Punkten Vorsprung ging Villeneuve in die letzten beiden Rennen – eigentlich alles in trockenen Tüchern, oder?
Es sollte anders kommen: Aufgrund einer nicht beachteten gelben Flagge im Freien Training des Großen Preises von Japan wurde Villeneuve für das Rennen gesperrt. Williams protestierte, Villeneuve durfte starten, patzte und Schumacher gewann.
"Schumi" ging also als WM-Führender mit einem Punkt Vorsprung vor Villeneuve ins letzte Rennen der Saison auf dem Circuito de Jerez. Dort sollte es heiß hergehen.
Als Villeneuve den in Führung liegenden Schumacher überholen wollte, kam es zu einer Kollision zwischen beiden. Schumacher war Villeneuve absichtlich in die Seite gefahren und bekam prompt die Quittung: Der Ferrari-Pilot fiel aus und der Kanadier holte als Dritter im Ziel den Weltmeister-Titel.
Das Kuriose: Villeneuve ließ kurz vor Schluss die beiden Silberpfeile von Häkkinen und Coulthard passieren, da ihm ein dritter Platz zum Titel reichte.
Später bezeichnete Schumacher seine Ramm-Aktion als größten Fehler seines Lebens.
Doch von diesem Punkt an ging es abwärts für Villeneuve: Regeländerungen und der Weggang des Chefdesigners Adrian Newey machten Williams zu schaffen – die Erfolge blieben aus.
Auch der Wechsel zum Team BAR-Supertec brachte für Jacques Villeneuve keine Besserung. 2001 kam es zu einem tragischen Unfall zwischen ihm und Ralf Schumacher, bei dem ein Streckenposten ums Leben kam.
Es sollte nicht besser werden: 2002 bedeutete für Villeneuve viel Streit. Der neue Teamchef David Richards (li.) war der Meinung, der Kanadier verdiene zu viel.
Richards wollte ihn loswerden, aber Villeneuve pochte auf seinen Vertrag und setzte sich durch. Auch sportlich lief es weiter unrund: Am Ende der Saison war BAR nur Achter.
Die Trennung war abzusehen, doch als es 2004 so weit war, hing Villeneuve in der Luft: Kein Team, kein Cockpit! Als er es doch noch auf die Rennstrecke brachte, sprang am Ende der Saison nur ein enttäuschender 21. Platz in der Fahrerwertung heraus. Auch im Rennstall von Sauber kam er auf keinen grünen Zweig.
2007 gab es für Villeneuve einen Tapetenwechsel: Zusammen mit Marc Gené und Nicolas Minassian trat er beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans für das Team Peugeot Total an. In der Qualifikation noch gut platziert, schied er im Rennen aus.
Letztendlich zog es ihn wieder zurück in die Formel 1, wo er einmal mehr seinen Kopf durchsetzen wollte. Da ihn kein Rennstall verpflichtete, gründete er kurzerhand seinen eigenen. Mit einer Teilnahme wurde es allerdings nichts: Die FIA entschied, für die Saison 2011 kein neues Team zuzulassen.
Obwohl die letzten aktiven Jahre eher von Misserfolgen geprägt waren, sammelte Villeneuve insgesamt während seiner Formel-1-Karriere beeindruckende Erfolge: 13 Poles, elf Siege, fünf zweite und sieben dritte Plätze bei 162 Rennen – und natürlich der Weltmeistertitel!