Ferrari hat seine Ausstiegsdrohungen aus der Formel 1 erneuert und wieder einmal mit dem Verlassen der Serie gedroht, wenn man in Zukunft einen Weg geht, der der Scuderia nicht passt. Der neue Formel-1-Eigentümer Liberty Media ist derzeit dabei, den Sport kostengünstiger und aufregender zu gestalten, doch Ferrari-Präsident Sergio Marchionne findet, dass es die Amerikaner damit nicht übertreiben sollten.

"Wir wollen, dass die DNS des Sportes beschützt wird. Wir wollen nicht, dass sie durch kommerzielle und unterhaltende Faktoren verwässert wird", sagt der Italiener auf dem Genfer Autosalon. Konkret geht es ihm um das Reglement ab 2021, bei dem eine weitere Vereinheitlichung der Formel-1-Boliden zu mehr Spannung und günstigerem Sport führen könnte. Doch darauf hat Ferrari keine Lust.

"Wenn ein Teilnehmer nicht mehr von dem anderen unterschieden werden kann - wenn sich Ferrari nicht mehr von Mercedes abheben kann -, dann werden wir etwas anderes machen", stellt Marchionne klar. Ginge es nach ihm, dann sollte Liberty Media überhaupt nicht in die technischen Belange eingreifen. "Wir sind in die Technik involviert, und ich glaube, dass Liberty kein Bisschen davon versteht", sagt er. "Also lasst uns arbeiten."

Marchionne wünscht sich komplette Freiheit

In einer idealen Welt sieht Marchionne lediglich Reifen und ein paar Motorenspezifikationen vorgegeben - alles andere würde er den Teams überlassen. "Ich würde lieber alle Regeln aus dem Fenster schmeißen und alles freigeben, dann würden wir sehen, wozu die Techniker in der Lage wären", so der Italiener, der im aktuellen Reglement keine Kreativität mehr sieht, weil vieles bis auf den Millimeter vorgegeben ist.

Der drohende Ausstieg von Ferrari ist im Übrigen kein neues Szenario. In aller Regelmäßigkeit wird ein Abgang des Traditionsteam angedroht, sollte etwas kommen, das dem Team nicht passt. So kokettierte man bereits im vergangenen Jahr nach Veröffentlichung des neuen Motorenreglements ab 2021 mit einem Ausstieg, 2009 kündigte man sogar mit Konkurrenten eine Piratenserie an, als unter anderem eine Budgetgrenze eingeführt werden sollte.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn weiß, wie er mit der Scuderia umgehen muss, schließlich hat er zehn Jahre lang für die Roten aus Maranello gearbeitet. "Wir wollen nicht, dass Ferrari die Formel 1 verlässt", sagt er gegenüber 'auto motor und sport' und kündigt einen Diskurs an: "Ferrari ist eine Ikone, und wir hoffen, dass wir eine Lösung finden werden, die allen gerecht wird."

"... dann steigt Ferrari in drei Sekunden aus!"

Natürlich stellt Ferrari mit seiner langjährigen Zugehörigkeit das Zugpferd der Serie dar, doch die Frage ist, wie sehr der Sport Zugeständnisse an Ferrari machen darf, ohne sich selbst damit zu schaden. Ferrari bekommt beispielsweise jährlich 103 Millionen US-Dollar Bonuszahlungen, ohne einen Finger dafür zu rühren, und hat somit einen immensen Vorteil gegenüber den Konkurrenten, den man nicht aufgeben möchte.

Doch McLaren-Geschäftsführer Zak Brown ist der Meinung, dass der Sport bei Entscheidungen über neue Regeln an erster Stelle stehen muss: "Ich denke nicht, dass man alle zehn Teams glücklich machen kann", sagt der Amerikaner. "Man muss also etwas hervorbringen, was das Beste für den Sport ist", fordert er, sieht sich aber im Groben mit Marchionne und Mercedes-Sportchef Toto Wolff in Einklang, was die zukünftigen Regeln der Formel 1 angeht.

Marchionne betont, dass Ferrari nicht aus der Formel 1 aussteigen möchte und dass man sich in Gesprächen mit Liberty Media befinde, die hoffentlich ertragreich sein werden. "Es ist schwer, sich eine Formel 1 ohne Ferrari vorzustellen", sagt er. Doch genau mit diesem Wissensstand spielt man auch bei der Scuderia und sieht die Trümpfe in der eigenen Hand.

Der Italiener warnt daher noch einmal: "Es gibt Vorschläge, dass die Fahrzeuge früher oder später gleich sein werden. Am Ende unterscheiden sie sich nur noch in der Farbe. Wenn das die Zukunft der Formel 1 ist, dann steigt Ferrari in drei Sekunden aus!"© Motorsport-Total.com GmbH