Die Mercedes-Mannschaft scheint die Set-up-Probleme, die sie beim Monaco-Grand-Prix plagten, ad acta gelegt zu haben. Im Freien Training zum Rennen in Kanada präsentierten sich die Silberpfeile am Freitag formverbessert, blieben jedoch hinter der Tagesbestzeit des Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen zurück. Lewis Hamilton, der noch am Vormittag von der Spitze grüßte, landete im Gesamtergebnis auf dem zweiten Rang (+0,215 Sekunden) und Valtteri Bottas wurde Dritter (+0,375).

Der Brite ist dennoch zufrieden und spricht von einem "ziemlich guten Tag" für ihn und die Truppe: "Nach einem schwierigen Monaco-Wochenende ist es die Hauptsache, dass sich unser Auto in Montreal viel besser anfühlt. Der Fehdehandschuh ist geworfen", so Hamilton mit Blick auf den Kampf gegen Ferrari. Räikkönen und Sebastian Vettel schätzt er stark ein, die Verhältnisse an der Spitze "super eng". Er habe das Gefühl, Mercedes sei hinter den Roten "nur ein kleines bisschen zurück".

Angesichts der jüngsten Probleme ist die Aussage als Kompliment an das Team zu verstehen. Technikchef James Allison überrascht die Wiederauferstehung nicht - er begreift Monaco als Ausnahme. "Unser Auto hat viele Stärken, nur das Handling ist schwierig", meint er über den als Diva verschrieenen W08, der sein Potenzial nur in seinem kleinen Fenster - was etwa die Reifentemperaturen betrifft - ausschöpft. "Und das bereitet dann Probleme bei der Set-up-Findung", weiß Allison.

Es könne kurz-, mittel- und langfristig vieles unternommen werden, so Allison. Es scheint im Fall Kanada gelungen zu sein, was für eine fruchtbare Analyse des Debakels vor zwei Wochen spricht. "Er spürte fehlenden Grip", erinnert der Technikchef an Hamiltons Wehklagen. "Wir haben nachher herausgefunden, dass Grip vorhanden war, aber sich das Auto sehr schnell überfahren lässt. Die Strafe folgte bei der nächsten Rundenzeit." War also doch der Pilot der Übeltäter? Mitnichten.

Dass Bottas besser klarkam und der stärkere Teamkollege war, hält Allison weder für ungewöhnlich noch für Hamiltons Fehler. "Valtteri hatte es auch schon, aber in eine andere Richtung und auf einer anderen Strecke", winkt er ab. Dazu rückte der dreimalige Weltmeister die Verhältnisse im Freien Training von Montreal gerade, denn der Finne erwischte am Freitag alles andere als einen Sahnetag.

Bottas leistete sich am Vormittag einen heftigen Verbremser in der Boxeneinfahrt und handelte sich einen Bremsplatten ein, weshalb Mercedes das geplante Programm abbrach. Am Nachmittag drehte er sich in der zweiten Kurve, woraufhin Sportchef Toto Wolff und Team-Aufsichtsrat Niki Lauda in der Box das Gesicht verzogen. "Die Strecke ist immer ziemlich dreckig. Heute lag besonders viel Schmutz und es gab wenig Grip", nimmt Allison Bottas nach dem Malheur in Schutz, zumal auch Hamilton durch die Auslaufzone segelte.

Unzufrieden ist der Nico-Rosberg-Nachfolger deshalb nicht. Er beschreibt Mercedes als "konkurrenzfähig", auch wenn den Silberpfeilen der Ultrasoft-Reifen Probleme bereitet, was dazu geführt haben könnte, dass Ferrari die zweite Session bestimmte. "Wir müssen noch Arbeit investieren, um mehr Rundenzeit aus ihnen herauszuholen. Mit dem Soft-Pneu fühlte sich der Wagen aber schon gut an", meint Bottas.© Motorsport-Total.com GmbH