Immer wieder hinten links: Lewis Hamilton, Felipe Massa, Jean-Eric Vergne und Sergio Perez flogen beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone die Reifen um die Ohren. Hamilton platzte im Anschluss an das Rennen der Kragen. Der Brite hat endgültig genug von den Pirelli-Reifen, die in diesem Jahr schon mehrfach Anlass für Diskussionen gaben. Die große Sorge, nicht nur des Mercedes-Piloten: Irgendwann könnte ein Formel-1-Pilot aufgrund der Reifenproblematik sterben.

"Verdammte Reifen! Dafür setzen wir unser Leben aufs Spiel", fluchte Hamilton nach dem Rennen. In Führung liegend platzte bereits in der achten Runde sein linker Hinterreifen. Auch danach hatte der Brite, der am Ende nach einer starken Aufholjagd noch auf Platz vier landete, große Sorgen wegen der Reifen. "Ich dachte: 'Ich will nicht mein Leben riskieren für diesen verdammten Reifen.'"

Nun fordert Hamilton Pirelli auf, schnellstmöglich etwas für die Sicherheit der Reifen - und damit der Fahrer zu tun: "Wir haben die Reifen getestet, um sie zu verbessern, damit genau das nicht mehr passiert. Und nach dem Reifentest haben sie nichts mehr gemacht. Jemand hätte crashen können."

"Wir riskieren unser Leben"

In Runde 14 platzte auch der Reifen von Vergne. Anschließend blieb das Safety-Car eine Viertelstunde draußen: FIA-Rennleiter Charlie Whiting bekannte später, er sei "ziemlich dicht" vor einem Abbruch des Grand Prix gewesen. Nach dem Rennen bat Weltverbandschef Jean Todt den Reifenhersteller Pirelli dann zum sofortigen Krisengespräch und forderte die Italiener auf, "umgehende Lösungsvorschläge" zu präsentieren. "Die Sicherheit der Fahrer ist unsere Priorität", sagte Todt.

Auch bei Massa und Perez platzten die Reifen. Vor allem der explodierte Pneu des McLaren-Piloten Perez in Runde 45 hätte dabei beinahe für einen schlimmen Unfall gesorgt. Auf der Hangar-Gerade bei fast 290 km/h lag Ferrari-Pilot Fernando Alonso nur knapp hinter Perez, als sich dessen linker Hinterreifen auflöste. Die Lauffläche sowie Teile des Stahlmantels flogen durch die Luft und verfehlten den Spanier nur knapp.

"Das ist inakzeptabel. Wir riskieren unser Leben und sollten nicht warten, bis uns allen etwas passiert ist", sagte Perez im Anschluss. "Wenn das bei 250 km/h passiert, ist das eine Schande. Pirelli muss etwas tun."

Pirelli hat noch keine Erklärung für Reifenplatzer

Pirelli konnte die Reifenschäden zunächst nicht erklären. "Wir haben etwas gesehen, dass wir nicht verstehen", sagte Motorsportdirektor Paul Hembery. Wegen des Ärgers um hohen Reifenverschleiß zu Saisonanfang hatte der Hersteller in Silverstone mehr Klebemittel für die Pneus verwendet. Dies könnte eine Ursache für die Vorfälle gewesen sein. Zunächst war spekuliert worden, ob einzelne Randsteine auf der Strecke in Silverstone die Reifen aufgeschlitzt haben, da alle Reifenplatzer in einem ähnlichen Bereich der Strecke passiert waren.

Pirelli wurde zu einer Dringlichkeitssitzung der Sport-Arbeitsgruppe der Formel 1 am Mittwoch auf dem Nürburgring geladen. Dort sollen endlich haltbare Reifen präsentiert werden. Offen ist, ob die Änderungen aber bereits beim Deutschland-Rennen am Sonntag greifen werden. (cai/dpa)