Die spektakulärsten Rennen der Formel 1 auf dem Hockenheimring

Hans-Joachim Stuck belegte 1977 beim Heim-Grand-Prix auf dem Hockenheimring den dritten Platz, um die Strecke anschließend als "stinklangweilig" zu bezeichnen. Dies sei sie im Gegensatz zum Nürburgring. Der indes war über viele Jahre zu unsicher, um Gastgeber der Formel 1 zu sein. Auch 2019 rast die Formel 1 durchs ohrenbetäubend laute Hockenheimer Motodrom. Unser Rückblick beweist, dass es dort alles andere als langweilig zugeht.

Der spätere Weltmeister Jochen Rindt feiert am 2. August 1970 auf dem Hockenheimring den letzten Grand-Prix-Sieg seiner Formel-1-Karriere, die ein tragischer Trainingsunfall in Monza fünf Wochen später jäh beendet.
Rindt wird posthum Weltmeister, weil ihm im Sommer 1970 eine beeindruckende Siegesserie gelingt, die über vier Rennen andauert. Den fünften Sieg der Saison verteidigt der gebürtige Deutsche, der für Österreich fährt, in Hockenheim vor dem starken starken Ferrari-Paar Jacky Ickx und Clay Regazzoni.
Erst sieben Jahre später kehrt die Formel 1 nach Hockenheim zurück, und wieder gewinnt das Rennen ein Österreicher. Niki Lauda feiert ein Jahr nach seinem Feuerunfall auf dem Nürburgring, der die Strecke für neun Jahre aus dem Formel-1-Kalender entfernt, ein grandioses Comeback.
Der erste Sieg Laudas in Deutschland ist einer von dreien in jener Saison. Sie endet mit dem zweiten Weltmeistertitel Laudas nach 1975. 1984, als er zum dritten und letzten Mal in der Gesamtwertung triumphiert, landet er in Hockenheim hinter Alain Prost auf Rang zwei.
Am 30. Juli 1978 werden die Erwartungen der deutschen Formel-1-Fans auf dem Hockenheimring schwer enttäuscht. Das beginnt schon mit der Startaufstellung: Hans-Joachim Stuck, im Vorjahr noch überraschender Dritter, steht auf dem letzten Platz, direkt vor ihm Jochen Maas und Harald Ertl. Rolf Stommelen (Bild) ist 17. im Feld der 24 Piloten. Stommelen kollidiert am Start mit Patrick Depailler, Maas mit Stuck, die sofort raus sind.
Stommelen fährt weiter, wird aber nach Rennende disqualifiziert. Kämpfernatur Ertl stoppt in der 41. von 45 Runden ein Motorschaden. Es gewinnt der spätere Weltmeister Mario Andretti.
1982 läuft auf dem Hockenheimring die 19. Rennrunde. Der erstplatzierte Brasilianer Nelson Piquet will in seinem Brabham in der Schikane den unterlegenen Chilenen Eliseo Salazar im ATS überrunden und ist bereits fast vorbei, als Salazar das linke Hinterrad des Brabham trifft. Beide Boliden knallen in die Reifenstapel. Wutenbrannt springt Piquet aus seinem Wagen und prügelt vor laufender Kamera auf Salazar ein. Ein einzigartiges TV-Dokument. Das Rennen gewinnt Villeneuve-Nachfolger Patrick Tambay im Ferrari.
Am 27. Juli 1986 winkt Alain Prost sein zweiter Sieg beim Grand Prix von Deutschland auf dem Hockenheimring nach 1984. Dem Franzosen, seines Zeichens Weltmeister, geht aber wenige Meter vor der Ziellinie der Sprit aus. Verzweifelt und von den Fans angefeuert, versucht es Prost mit Muskelkraft.
Letzten Endes wird der McLaren-Pilot mit einer Runde Rückstand als Sechster gewertet - einen Platz hinter seinem Teamkollegen Keke Rosberg. Auch der Finne hat seinen Tank zu früh leer gefahren. Brasilien bejubelt durch Nelson Piquet und Ayrton Senna einen Doppelsieg.
Ein Jahr später, wieder stehen McLaren und Prost im Mittelpunkt, und wieder verliert Prost einen Sieg. Diesmal stoppt den Weltmeister eine defekte Lichtmaschine, vier Runden vor Schluss. Dass es nicht erneut heißt, Piquet vor Senna, dafür sorgt mit letzter Kraft Prosts schwedischer Stallgefährte. Stefan Johansson schleppt seinen Boliden nach einem Reifenplatzer in der letzten Rennrunde auf drei Rädern über die Ziellinie und wird Zweiter.
Zum dritten Mal in Folge gewinnt 1988 auf dem Hockenheimring ein Brasilianer. Für Polesetter Ayrton Senna ist es nach den Plätzen drei (1987) und zwei (1986) in den Jahren davor die logische Fortsetzung seines Aufstiegs und sein fünfter Triumph der Saison. Prost komplettiert in Hockenheim mit Platz zwei den sechsten McLaren-Doppelschlag im neunten Rennen 1988.
Mit dem Österreicher Gerhard Berger hat Ayrton Senna im McLaren 1990 einen neuen Teamkollegen. Alain Prost, ganz rechts im Bild, ist zu Ferrari gewechselt. In Hockenheim behauptet Senna, Mitte, vor Berger seine Pole Position und schafft nach 45 Runden den Sieg-Hattrick nach seinen Erfolgen 1988 und 1989.
Am Start spielt sich im Hinterfeld eine Beinahe-Katastrophe ab. Bei einem Auffahrunfall wird an Emanuele Pirros Dallara das Hinterrad abgerissen, prallt an die Boxenmauer und von dort beinahe ins Cockpit des Franzosen Philippe Alliot im Ligier.
Michael Bartels erlangt als Lebensabschnittsgefährte der Tennis-Königin Steffi Graf mehr Berühmtheit als als Formel-1-Pilot. Vier Versuche des damals 23-Jährigen, sich für einen Grand Prix zu qualifizieren, scheitern. Einer davon geht am 27. Juli 1991 auf dem Hockenheimring daneben. Bartels' Teamkollege, Mika Häkkinen, scheidet nach 19 Rennrunden mit einem Motorschaden aus, wird aber trotzdem sieben Jahre später erstmals Weltmeister.
Im Juli 1992 taucht eine der größten Fahrerpersönlichkeiten der Formel 1 erstmals auf dem Hockenheimring auf: Der spätere Rekordweltmeister Michael Schumacher rast in seinem Benetton-Ford von Startplatz sechs aus auf das Podest, nur geschlagen von Vorjahressieger Nigel Mansell und von Weltmeister Ayron Senna. Seit Stuck 1977 hat kein deutscher Fahrer mehr daheim auf dem Podium gestanden. Es ist Schumis 16. Grand-Prix-Einsatz.
Das Nachtanken ist in der Formel 1 in der Saison 1994 wieder erlaubt. Am 31. Juli 1994 sorgt diese Regeländerung für einen spektakulären Zwischenfall in der Benetton-Box. Jos Verstappen, Vater des heutigen Red-Bull-Talents Max und damals Teamkollege Michael Schumachers, entgeht in der 15. Runde mit Verbrennungen einer schlimmeren Katastrophe nur knapp, als sich Benzin entzündet.
Für den Niederländer ist der Grand Prix vorbei. Fünf Runden später krönt Schumachers Motorschaden den gebrauchten Tag des Teams. Der vormalige und spätere Benetton-Fahrer Gerhard Berger gewinnt das Rennen von der Startposition eins aus vor dem Franzosen Olivier Panis. Weltmeister aber wird 1994 erstmals Schumacher.
120.000 Zuschauer brüllen Michael Schumacher auf dem Hockenheimring am 30. Juli 1995 zum ersten Sieg eines deutschen Fahrers in der Geschichte der Formel 1. Schumacher hält dem Druck stand und profitiert - von Platz zwei startend - vom frühen Ausfall seines Hauptrivalen Damon Hill. Nur neun von 24 Fahrzeugen kommen ins Ziel - und am Ende des Jahres heißt der Weltmeister zum zweiten Mal in Folge Schumacher.
1996 haben Gerhard Berger, hier nach seinem Sieg auf dem Hockenheimring 1997 im Plausch mit Boris Becker, und Michael Schumacher die Cockpits getauscht. Berger fährt wieder für das Weltmeister-Team Benetton, Schumi müht sich darum, der Scuderia Ferrari deren Sehnsucht nach altem WM-Ruhm zu stillen.
In Hockenheim hat am 25. Juli 1997 Berger die Nase vorn, schlägt den älteren der beiden Schumacher-Brüder. Seitdem hat kein Österreicher mehr ein Formel-1-Rennen gewonnen. Der jüngere, Ralf, überrascht im Sprungbrett-Team Jordan mit Rang fünf.