Die Formel-1-Saison 2018 könnte für Daniel Ricciardo entscheidend werden. Der Australier verfügt nur noch über einen Red-Bull-Vertrag bis Ende des Jahres. Bereits in wenigen Monaten muss er eine essentielle Entscheidung über seine Karriere treffen: Möchte er weiterhin bei den Österreichern neben Überflieger Max Verstappen Platz nehmen oder orientiert er sich hin zu einem anderen Topteam? Bei Mercedes und wohl auch Ferrari wird jeweils ein Platz für kommendes Jahr frei. Landsmann Mark Webber rät Ricciardo, sich erst auf sein internes Teamduell zu konzentrieren. Schlägt er Verstappen erneut, sei das wohl die beste Bewerbung auf ein Spitzencockpit.

"Das Beste wäre, Max zu schlagen. Das weiß er auch und er wird in den nächsten fünf, sechs Monaten alles versuchen", so Webber am Rande des 12-Stunden-Rennens von Bathurst. Danach kann sich Ricciardo all seine Optionen ansehen. Webber erwartet nicht, dass die Topteams, wie Mercedes, bereits im ersten Saisondrittel Verträge unterbreiten werden. "Sie werden keine überstürzte Entscheidung treffen. Sie werden sich Valtteri genau ansehen, womöglich bis zum Rennen in Kanada." Der Grand Prix von Montreal ist das siebte Saisonrennen und wird am 10. Juni ausgetragen.

Sowohl Bottas als auch Ricciardo stehen an einem kritischen Punkt in ihren Karrieren. Beide verfügen über keinen Vertrag für die kommende Saison, beide konnten mit Topteams bereits Grands Prix gewinnen und beide zählen mit 28 Jahren nicht mehr zu den jungen Wilden. Die Frage wird sein: "Sollte er Max schlagen und Red Bull fährt wieder vorne mit, würde er das Team dann verlassen?"

Der Ex-Formel-1-Pilot glaubt nicht, dass Ricciardo erpicht darauf ist, in einem roten oder silbernen Boliden zu sitzen. "Letzten Endes wird es Dan relativ egal sein, welche Farbe das Auto hat. Er möchte einfach nur gewinnen." Webber, der in seiner Karriere neun Grands Prix mit Red Bull gewinnen konnte, weiß, wie schwierig es ist, sich konstant an der Spitze zu etablieren. "Das wird einem nicht geschenkt." Ricciardo sei "fähig", er müsse sich nur in einer guten Position befinden, um seine Chance wahrzunehmen.

Im Gegensatz zu Webber ist Ricciardo innerhalb des Red-Bull-Gefüges unumstritten. Bereits seit zehn Jahren wird der Australier von dem Getränkekonzern unterstützt. Red Bull werde auf denjenigen im Team setzen, der die Meisterschaft anführt, so Webber. "Sollte das Daniel sein, dann wird er sich in einer guten Position wiederfinden - weil er ein Red-Bull-Produkt ist." Mit Red-Bull-Berater Helmut Marko hat Ricciardo ein gutes Verhältnis, der Grazer wäre "sicherlich nicht enttäuscht" über einen Weltmeister Ricciardo. "Er hält aber auch sehr viel von Max, beide sind seine Favoriten."

Im Vorjahr holte Ricciardo bei einem Ausfall weniger als Verstappen 200 Punkte in der Gesamtwertung (Platz fünf), der Holländer kam auf 168 Punkte. Allerdings sicherte sich der 20-Jährige einen Sieg mehr. Auch im Qualifying ergab sich ein deutliches Bild: Verstappen konnte Ricciardo 12:7 ausqualifizieren. 2018 fahren die beiden die zweite volle Saison gemeinsam für Red Bull.© Motorsport-Total.com GmbH