Der FC St. Pauli nimmt an der Bundesliga-Aktion der "Bild"-Zeitung für Flüchtlinge nicht teil. Das erzürnt Kai Diekmann. Der "Bild"-Chef attackiert deshalb den Fußballklub auf Twitter. Doch der Schuss ging wohl nach hinten los. Denn statt Shitstorm gegen den Fußballklub hagelt es mächtig Kritik an dem Blatt und seinen Machern. Fußballfans fordern sogar den Boykott der Aktion.

Am kommenden Wochenende soll bei allen Mannschaften auf dem linken Trikotärmel statt des sonst üblichen großen Sponsorenlogos des Versandunternehmens Hermes der Aufdruck der "Bild"-Aktion "Wir helfen - "#refugeeswelcome" zu sehen sein. Klein sind dabei auch die Logos der Zeitung und von Hermes abgebildet. Der FC St. Pauli will da allerdings nicht mitmachen. Beim Thema Flüchtlingshilfe wolle sich der linksalternative Kiez-Klub lieber auf eigene Aktionen konzentrieren.

Eine Provokation für "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, der die Absage des Vereins öffentlich machte. Eigentlich sollte die Angelegenheit vertraulich bleiben. Die Entscheidung des Klubs ging in einem "vertraulichen Schreiben" an die Zeitung. Das erklärt der Verein in einer Stellungnahme.

Auf Twitter unterstellt Diekmann St. Pauli derweil, "kein Herz für Flüchtlinge" zu haben.

Daraufhin ist viel Kritik laut geworden - aber nicht gegen St. Pauli, sondern gegen die "Bild" und Diekmann. Unter dem Hashtag "#BILDnotwelcome" verleihen User auf Twitter ihren Unmut Ausdruck; darunter auch Journalisten.

Während einige der "Bild" unterstellen, vom Leid anderer profitieren zu wollen, finden wieder andere das Verhalten der Zeitung scheinheilig. Das Fußball-Magazin "11 Freunde" hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Aktion der Liga auch eine Werbemaßnahme für die "Bild" darstelle.

Zahlreiche Fans zeugen dem Zweitligaklub Respekt und fordern ihre Bundesligavereine auf, es dem FC St. Pauli gleichzutun und zu boykottieren.

Auch von der Fan-Organisation "Unsere Kurve" gibt es Lob. "Der FC St. Pauli hat richtig reagiert, die Rückmeldungen der Fans bestätigen diesen Schritt", schrieb Sprecher Robert Pohl auf der Internetseite der Interessengemeinschaft. "Alle anderen 35 Proficlubs sind aufgerufen, sich dem Weg von St. Pauli anzuschließen und der Bild-Zeitung keine Plattform zu bieten, die ihr nicht zusteht."

(far/dpa)