Die Corona-Botschaft in vielen Bundesliga-Stadien klingt unmissverständlich: Rein kommt nur, wer geimpft oder genesen ist. Die 2G-Regelung schließt auf den Rängen jene aus, die das Hygienekonzept mit der Momentaufnahme eines negativen Test-Ergebnisses hinreichend erfüllt sehen. Daraus entsteht weitreichendes Konfliktpotenzial, weil Impfgegner aus dem Schnelltest eine höhere Sicherheit vor Covid-19 ableiten als aus der Impfung mit Moderna, Biontech oder Astrazeneca.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Die Bundesliga-Klubs könnten ihnen ruckartig die Argumentationsgrundlage entziehen, wenn man zu 2G zusätzlich ein negatives Test-Ergebnis verlangte. Stabiler könnte das Sicherheitsgefühl an Spieltagen nicht sein. Macht aber keiner. Stattdessen müssen wir sogar lesen: Nicht alle Profifußballer sind geimpft. Vereine fühlen sich nämlich nicht in der Lage, ihrem hochbezahlten Personal, den Millionären in kurzen Hosen, die notwendige Schutz-Impfung anzuweisen.

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Verpflichtungen der Fußballprofis

Verstehe das, wer will. Vor Vertragsunterschrift wird jeder einzelne Bundesliga-Profi einem umfangreichen Medizin-Check unterworfen, jede Sehne und Blutader wird kontrolliert. Ausdrücklich untersagen Verträge Skiferien, damit die Gesundheit, sprich: Knochen und Muskeln, keinen Risiken ausgesetzt sind. Niemand äußert sein Problem mit diesen Maßnahmen. Und diesen Profis kann man keinen Schutz gegen die Gefäßerkrankung Covid-19 auferlegen?

Die Herren Fußballprofis waren und sind in der privilegierten Situation, dass sie ihrem Beruf fast durchgehend und ohne Kurzarbeitergeld in der Pandemie nachgehen konnten. Die meisten von ihnen verstehen das und tun alles Notwendige, um Familie, Freunde, Kollegen und berufliches Umfeld vor einer Ansteckung zu schützen. Die Impfquote in der Bundesliga liegt angeblich über Bundesschnitt. Aber warum nicht bei 100 Prozent?

Sich impfen lassen als Vorbildfunktion

Spieler sind für Vereine Vermögenswerte. Der Zirkus Maximus bezahlt den Männern, die in der Manege auftreten, abstruse Gagen, damit sie ihre beste Leistung abrufen. 55.000 Arbeitsplätze hängen davon ab, dass der Unterhaltungsbetrieb reibungslos funktioniert. Es ist nicht zu viel verlangt, dass die größten Profiteure des Profifußballs, die Spieler, ihrer Verpflichtung gegenüber Verein und Gesellschaft nachkommen und sich impfen lassen. Stichwort: Vorbildfunktion.

Dazu müssten die Bundesliga-Klubs die indirekte Impfpflicht für Fußballprofis so begründen, wie sie’s ja auch beim Medizin-Check machen: ohne geht nicht. Die Forderung mag in der aufgeheizten Stimmung zur Impffrage überhöht erscheinen. Aber Profis können nicht ständig Rechte beanspruchen und dann Pflichten klein reden. 2G bei Stadionzuschauern und gleichzeitig Impfgegner auf dem Rasen: Das passt jedenfalls nicht zusammen.

Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier.
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Klopp vergleicht Impfverweigerer mit betrunkenen Autofahrern

Für Jürgen Klopp ist die Verweigerung einer Corona-Impfung wie Alkohol am Steuer. Er habe sich nicht nur impfen lassen, um sich gegen das Virus abzusichern, sondern auch die Menschen um ihn herum, fügte Klopp hinzu.