Die Fifa wird rund um ihren Weltkongress von einem Skandal erschüttert. Präsident Blatter will sich unbeirrt davon im Amt bestätigen lassen. Die aktuellen Ereignisse von Tag drei in unserem Live-Blog.

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19:18 Uhr: Joseph Blatter bleibt FIFA-Präsident - Herausforderer gibt auf

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zur Fifa in unserer Infografik.

Joseph Blatter kann seine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa antreten. Der 79-Jährige erhielt beim Fifa-Kongress mit 133:73 Stimmen im ersten Wahlgang gegen seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein zwar nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Jordanier zog jedoch vor einem möglichen zweiten Wahlgang seine Kandidatur zurück. Anschließend kündigte Blatter seinen Rückzug als Fifa-Präsident im Jahr 2019 nach seiner fünften Amtszeit an: "Am Ende meiner Amtszeit werde ich die Fifa meinem Nachfolger übergeben, eine robuste Fifa", sagte der Schweizer am Freitag in Zürich.

19:01 Uhr: Joseph Blatter verpasst im ersten Anlauf Wiederwahl als FIFA-Chef

Joseph Blatter hat im ersten Wahlgang die Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA verpasst. Der umstrittene Schweizer erhielt am Freitag auf dem FIFA-Kongress nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein.

17:23 Uhr: Blatter verspricht bei Wiederwahl eine Kommission für Profifußball

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat für den Fall einer Wiederwahl beim Kongress am Freitag in Zürich die Einrichtung einer Abteilung für Profifußball im Weltverband versprochen. "Vertreter der Clubs, Spieler und Schiedsrichter sollen darin sein", sagte der Schweizer kurz vor der Abstimmung der 209 Fifa-Mitgliedsverbände. Einziger Herausforderer des Amtsinhabers ist dabei Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien. "Ich möchte gerne hier bleiben, ich möchte mit ihnen weitermachen", sagte Blatter und erhielt im Gegensatz zu seinem Gegenkandidaten schon während seiner Rede Applaus der Funktionäre. "Es ist eine Frage des Vertrauens."

Al-Hussein versuchte, sich als den besseren Mann zur Bewältigung des Korruptionsskandals zu präsentieren. "Ich verspreche ihnen, dass ich mich nicht hinter euch verstecken werden, wenn die Dinge schlecht laufen", sagte er. Ein Seitenhieb gegen Blatter. Dieser hatte nach der Festnahme von sieben Funktionären zwar erklärt, verantwortlich gemacht werden zu können, aber diese Verantwortung müsse mit dem Exekutivkomitee geteilt werden. "Die Augen der Welt liegen auf uns, nicht für das erste Mal und dieses Mal geht es um alles", erklärte al-Hussein. "Für das Spiel und die Welt."

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17:02 Uhr: Blatter überrascht in Bewerbungsrede

Sepp Blatter spricht zur Stunde zu den Delegierten des Weltverbands. Der amtierende Fifa-Chef übernimmt "die Verantwortung für die jüngsten Ereignisse". Gleichzeitig macht er aber deutlich, dass seine Aufgabe noch nicht beendet ist. "Ich möchte die Fifa neu gestalten."

Es ist der dritte Auftritt von Blatter am heutigen Tag - er verspricht eine "robuste Fifa". "Ich kann diese Arbeit nicht alleine machen. Ich brauche Euch alle."

16:59 Uhr: Steinmeier gegen Boykott von Fußball-WM 2018 in Russland

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich klar gegen einen Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland ausgesprochen. "Ich halte davon gar nichts, jetzt auf die Nebenkriegsschauplätze zu gehen", sagte Steinmeier am Freitag bei einem Besuch in der Ukraine. "Ganz offensichtlich liegt das Problem in den Strukturen der Fifa. Das Entscheidende ist ein Neuanfang in der Fifa, der sicherstellt, dass zukünftige Entscheidungen nicht mehr durch Geldzahlungen beeinflusst werden wie das offenbar in der Vergangenheit der Fall wahr", sagte Steinmeier unter dem Eindruck des jüngsten Korruptionsskandals beim Fußball-Weltverband Fifa.

Seit dem jüngsten Fifa-Skandal um angebliche Korruption und Bestechung gilt er plötzlich als Heilsbringer: Ali bin Al-Hussein. Der Jordanier will Sepp Blatter als Präsident des Fußballverbandes ablösen. Al-Hussein verspricht Reformen und einen Wandel. Doch wofür steht Al-Hussein überhaupt? Kann er die Fifa tatsächlich erneuern?

16:45 Uhr: Handschlag statt Fifa-Ausschluss: Palästina und Israel nähern sich an

Am Ende einer emotionalen Debatte reichen sich die Verbandschefs aus Israel und Palästina sogar die Hand. Kurz vor der Abstimmung zieht Palästina den Antrag auf einen Fifa-Ausschluss Israels zurück. Das Thema wird den Fußball aber noch weiter beschäftigen.

Die pikante Abstimmung über den Antrag von Palästinas Fußball-Verband für einen Ausschluss Israels ist Fifa-Präsident Joseph Blatter in letzter Sekunde erspart geblieben. Und am Ende einer intensiven und emotionalen Diskussion reichten sich die Verbandspräsidenten beider Länder beim Kongress des Weltverbands am Freitag in Zürich sogar die Hand. "Es liegt an Israel zu helfen und etwas mehr mit Palästina zu teilen", sagte Blatter zum Abschluss der mehr als halbstündigen Debatte.

Schweizer Unternehmen nutzt offenbar Fifa-Skandal für seine Werbung.

Der palästinensische Verband hatte kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Stattdessen soll nun eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in Palästina überwachen. Die Fifa-Mitgliedsverbände stimmten am Freitag in Zürich mit 165:18 Stimmen für einen entsprechend kurzfristig geänderten Antrag Palästinas.

Zahlreiche andere Verbandsvertreter hätten ihn darum gebeten, den ursprünglichen Antrag zur Suspendierung zurückzuziehen, sagte Palästinas Verbandspräsident Dschibril Radschub. "Das heißt aber nicht, dass ich meinen Widerstand aufgeben werde. Das ist für mich keine emotionale Frage, es geht für mich um Leben und Tod."

16:31 Uhr: Eine zehnminütige Pause ist anberaumt, bevor es mit der Wahl des Präsidenten weitergeht.

16:26 Uhr: Niersbach in Fifa-Exekutivkomitee aufgenommen

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist in das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes aufgenommen worden. Der Einzug in das umstrittene Gremium beim Fifa-Kongress in Zürich als Nachfolger von Theo Zwanziger stand durch die Wahl beim Uefa-Kongress im März quasi fest. Von Fifa-Präsident Joseph Blatter bekam Niersbach eine Nadel als Auszeichnung. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke begrüßte ihn bei der Ernennung mit den Worten: "Er ist Weltmeister."

Ob der 64-Jährige das Amt auch tatsächlich ausüben wird, war aber weiterhin unklar. Angesichts des jüngsten Korruptionsskandals hatte sich der DFB-Chef dies offen gehalten, sollte Fifa-Präsident Joseph Blatter im Amt bleiben. An der konstituierenden Sitzung des Gremiums am Samstag in Zürich wird Niersbach aber wohl teilnehmen.

Schon vor der Aufnahme Niersbachs hatten sich Ligapräsident Reinhard Rauball, Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock dafür ausgesprochen, dass Niersbach sein Mandat nicht verfallen lässt. Uefa-Präsident Michel Platini hatte angekündigt, dass sich der europäische Dachverband in der kommenden Woche beraten werde, ob es sogar einen kollektiven Austritt der Uefa-Delegierten aus dem Fifa-Gremium geben könnte. Der Engländer David Gill will sein gerade übernommenes Amt unter Blatter auf keinen Fall ausüben.

15:34 Uhr: Ermittlungen gegen Fifa auch in Großbritannien

Den britischen Strafverfolgungsbehörden liegt belastendes Material gegen Offizielle des Fußball-Weltverbandes Fifa vor. "Das Serious Fraud Office untersucht aktiv ihm vorliegendes Material und hat deutlich gemacht, dass es bereit ist, laufende internationale Ermittlungen zu unterstützen", sagte eine Sprecherin am Freitag in London. Im Rahmen der US-Ermittlungen war deutlich geworden, dass Fifa-Gelder über Konten bei den britischen Großbanken Barclays, HSBC und Standard Chartered geleitet worden waren. Die US-Behörden haben insgesamt 14 Personen der Korruption in einem Umfang von mehr als 150 Millionen US-Dollar angeklagt.

Sepp Blatter muss der Fifa endlich einen Neuanfang ermöglichen.

15:31 Uhr: Cornel Borbély zum Chefermittler der Fifa-Ethikkommission gewählt

Der Schweizer Cornel Borbély ist vom Fifa-Kongress zum Chef der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes gewählt worden. Der Topjurist bekam am Freitag in Zürich 199 von 201 abgegebenen Stimmen. Borbély hatte das Kontrollgremium bereits seit Dezember 2014 kommissarisch geführt.

Zuvor war der Amerikaner Michael Garcia zurückgetreten, weil seine Untersuchungsergebnisse zur skandalumwitterten WM-Vergabe 2018 und 2022 nicht zu einer Anklage in seinem Sinne geführt hatten. Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer der Ethikkommission bleibt der deutsche Strafrechtler Hans-Joachim Eckert.

Borbély ist ein hochangesehener Jurist in der Schweiz. Neben seinem Fifa-Amt ist er auch stellvertretender Chef der Militärjustiz der Luftwaffe und Dozent für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht. Zuvor hatte er als Gruppenleiter der Staatsanwalt Zürich in Wirtschafsdelikten ermittelt.

14:33 Uhr: ZDF: WM-Übertragungen durch Fifa-Skandal nicht gefährdet

Das ZDF sieht trotz des neuen Fifa-Skandals die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaften in Russland (2018) und Katar (2022) nicht gefährdet. Die Rechte an den Übertragungen seien bereits erworben, Vertragsverhandlungen stünden nicht an, sagte Intendant Thomas Bellut am Freitag nach einer Sitzung des ZDF-Fernsehrats in Berlin.

Obwohl es die schweren Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa gibt, muss der Sender laut Bellut im Gespräch mit dem Weltverband bleiben. "Wir wollen das Ereignis haben", das ZDF komme an der Fifa nicht vorbei. Eine Aufklärung der Vorwürfe sei dringend nötig. Das ZDF besitzt gemeinsam mit der ARD die WM-Rechte für Deutschland.

Chuck Blazer hat das System Fifa aufgebaut - jetzt könnte er als Kronzeuge für dessen spektakulären Sturz sorgen. Der Amerikaner war einst Sepp Blatters rechte Hand, ehe er dem FBI ins Netz ging und für die Bundespolizei sogar dutzende ehemalige Weggefährten ausspionierte.

Er sei sich bewusst, dass das ZDF als Rechteerwerber und journalistisches Medium zugleich in einer Zwickmühle sei. "Dieser Widerspruch muss im Programm ausgetragen werden", sagte Bellut. Das ZDF informiere ausführlich über den Skandal. Der Fernsehrats-Vorsitzende Ruprecht Polenz sagte, die Zuschauer wollten Fußball sehen, seien aber auch an einer "sauberen Fifa" interessiert.

14:29 Uhr: Cameron will Blatter-Abgang - Merkel: Fifa-Korruption bekämpfen

Der britische Premierminister David Cameron fordert Fifa-Präsident Joseph Blatter zum Rückzug auf. "Nach meiner Meinung sollte er gehen", sagte Cameron am Freitag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

Blatter sollte seinen Posten aufgeben, und zwar möglichst rasch, meinte Cameron, der sich um das Ansehen des Weltfußballs sorgt. "Wir erleben die hässliche Seite eines schönen Spiels." Die Fifa könne Korruptionsvorwürfe gegen Spitzenfunktionäre nicht einfach beiseite wischen.

Auch Merkel verlangte einen Neuanfang bei der Fifa. "Was für mich im Zentrum steht, ist das, dass mit der Korruption dort gebrochen wird, dass dort Transparenz einkehrt. Das ist absolut notwendig." Die Kanzlerin schloss sich Cameron an und betonte, die schmutzige Seite bei der Fifa müsse aufgeräumt werden. Das sei im Sinne von Milliarden Fans auf der ganzen Welt.

14:09 Uhr: Katar setzt WM-Vorbereitungen wie geplant fort

Katar setzt seine Vorbereitungen für die Ausrichtung der WM-Endrunde 2022 ungeachtet der Ermittlungen durch die Schweizer Justiz bei der Fifa wie geplant fort. Das zuständige Gremium erklärte, in vollem Umfang bei den Untersuchungen zu kooperieren und dies auch weiterhin zu tun. In der Schweiz laufen Ermittlungen zu den Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und vier Jahre später an Katar.

13:52 Uhr: Trotz Bombendrohung: Fifa setzt Kongress in Zürich fort

Nach einer Bombendrohung ist der Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa in Zürich fortgesetzt worden. Wie geplant, arbeiteten die Delegierten am Freitag im Hallenstadion nach ihrer Mittagspause die Agenda weiter ab. "Alles ist geklärt", sagte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke vor der Fortsetzung der Tagesordnung.

Zuvor hatte die Stadtpolizei Zürich den Eingang einer Bombendrohung gegen den Fifa-Kongress bestätigt und auf eine weitere Stellungnahme zu einem späteren Zeitpunkt verwiesen. "Eine anonyme Drohung ist eingegangen. Wir haben uns entschieden, die Räume zu evakuieren", erklärte Valcke dazu. Fifa-Mitarbeiter hatten Medienvertretern die Räumung der Halle zunächst damit erklärt, dass der Kongressort gereinigt werden müsse.

13:06 Uhr: Polizei bestätigt: Bombendrohung gegen Fifa-Kongress

Gegen den Fifa-Kongress in Zürich ist am Freitag eine Bombendrohung eingegangen. Ein Sprecher der Stadtpolizei von Zürich bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Drohung gegen die Veranstaltung des Fußball-Weltverbandes. Weitere Angaben machte er nicht und verwies auf eine Stellungnahme zu einem späteren Zeitpunkt. Die Drohung ging demnach zur Mittagszeit ein, als ohnehin Mittagspause bei dem Kongress war.

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke hatte die Delegierten zum sogenannten Lunch-Break bis 13.30 Uhr gebeten. Anschließend mussten entgegen sonstiger Gewohnheiten bei einem Fifa-Kongress auch alle Medienvertreter ihren Arbeitsbereich in der Halle verlassen. Fifa-Mitarbeiter begründeten die Maßnahme damit, dass der Kongressort gereinigt werde.

Anschließend verwehrte ein Feuerwehrmann zunächst den Eintritt in die Halle über den Medieneingang, ehe dieser wieder freigegeben wurde. Der Eingang für die Funktionäre war nicht blockiert. Ob der Kongress wie vorgesehen nach der Pause um 13.30 Uhr fortgesetzt werden kann, blieb zunächst unklar. Die Fifa kündigte eine Stellungnahme an.

11:56 Uhr: Fifa steigert finanzielle Reserven auf 1,523 Milliarden US-Dollar

Der Fußball-Weltverband Fifa hat seine immensen Finanzrücklagen weiter gesteigert. Die Reserven hätten sich zum Dezember 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 91 Millionen US-Dollar auf 1,523 Milliarden erhöht, sagte Fifa-Finanzdirektor Markus Kattner beim Wahlkongress am Freitag in Zürich und bestätigte den bereits im März veröffentlichten Bericht. Im Finanz-Zyklus 2011-2014 wurden 5,718 Milliarden Dollar eingenommen, im vorherigen Zyklus 2007-2010 waren es noch 4,189 Milliarden gewesen. Als Gewinn verblieben 2011-2014 338 Millionen Dollar, damit sank der Gewinn im Vergleich zu 2007-2010 um 293 Millionen.

11:36 Uhr: Blatter: Zeitpunkt der Festnahmen offenbar kein Zufall

Fifa-Präsident Joseph Blatter wittert einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Festnahmen im neuen Skandal um den Fußball-Weltverband und dem Wahlkongress. "Ich spreche da nicht von einem Zufall, ich stelle zumindest die Frage, ob es Zufall war", sagte der Schweizer in seiner 20-minütigen Ansprache am Freitag in Zürich vor Vertretern der 209 Fifa-Mitgliedsländer. Es gebe Beweise, dass etwas Negatives passiert sei. "Das ist nicht gut. Und es ist nicht gut, dass es zwei Tage vor dem Wahlkongress passiert."

Wie bereits am Vortag zur Kongress-Eröffnung stellte Blatter den jüngsten Skandal mit Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären nicht als Vergehen der Fifa dar. "Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation", erklärte der Schweizer.

"Die Ereignisse von Mittwoch haben einen langen Schatten auf den Fußball und den Kongress geworfen. Versuchen wir, den Schatten zum Verschwinden zu bringen." Blatter darf bei der Präsidentenwahl am Freitag auf seine fünfte Amtszeit hoffen.

11:27 Uhr: Proteste gegen Israel

Kurz vor dem Beginn des Fifa-Kongresses haben vor dem Hallenstadion mehrere Dutzend Menschen lautstark für einen Ausschluss Israels aus dem Fußball-Weltverband demonstriert. Der palästinensische Verband hat für die Vollversammlung der 209 Fifa-Mitgliedsländer einen entsprechenden Antrag gestellt. Im Kongresssaal wurden zwei Frauen rasch abgeführt, die Parolen riefen und eine Palästina-Fahne schwenkten.

11:14 Uhr: Scheidendes Exko-Mitglied Zwanziger nicht bei Fifa-Kongress

Theo Zwanziger nimmt nicht am Fifa-Kongress teil. Der deutsche Funktionär, der bei der Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes aus dem Exekutivkomitee ausscheidet, verzichtete nach dpa-Informationen auf die Reise nach Zürich. Er hatte am Montag auch nicht an der Exko-Sitzung teilgenommen. Zwanziger hatte die Entwicklungen im Weltverband zuletzt kritisch betrachtet. Nach Bekanntwerden des jüngsten Korruptionsskandals hatte er am Mittwoch von einem "Sumpf" gesprochen.

Zwanziger gehörte dem Fifa-Exekutivkomitee seit 2011 als Nachfolger von Franz Beckenbauer an. Mit dem Deutschen Fußball-Bund und der Uefa, die er in der Fifa vertreten sollte, hatte sich der 69-Jährige zuletzt überworfen. Als sein Nachfolger rückt am Freitag DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins Exekutivkomitee auf. Auf der Fifa-Homepage wurde Zwanziger bereits am Freitagvormittag nicht mehr als Exko-Mitglied geführt.

Von Fifa-Präsident Joseph Blatter war er mit der Organisation des letztlich nur rudimentär umgesetzten Fifa-Demokratisierungsprozesses beauftragt worden. Zwanziger ist auch ein großer Kritiker der WM in Katar 2022.

11:08 Uhr: Blatter eröffnet Fifa-Kongress

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat den mit Spannung erwarteten Kongress des Fußball-Weltverbandes eröffnet. Der Schweizer forderte die 209 Mitglieder im Hallenstadion von Zürich angesichts des jüngsten Korruptionsskandals zur aktiven Mitarbeit auf.

"Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken", sagte der Schweizer in seiner Begrüßungsansprache.

Kongress-Höhepunkt ist die Wahl des Präsidenten, bei der Blatter gegen Prinz Ali bin al-Hussein weiterhin als Favorit gilt. Allerdings zeichnet sich die wohl knappste Entscheidung bei einer Fifa-Wahl ab, seitdem Blatter 1998 die Regentschaft übernahm. "Es war gestern auf der Dinner-Veranstaltung vielfach zu spüren, wenn man mit den Leuten gesprochen hat, dass bei dem einen oder anderen Land eine Umkehr in der Meinung eingetreten ist", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Offenbar wird es erstmals keine Fifa-Konföderation geben, die en bloc für einen Kandidaten stimmt. Neuseeland, Australien und die USA hatten kurzfristig bekanntgegeben, dass sie für Al-Hussein stimmen wollen. Auch Tunesien scheint in diese Richtung zu tendieren.

Zumindest die 54 Stimmen Afrikas galten als sicher für Blatter. Uefa-Chef Michel Platini, der Blatter noch am Donnerstag in einem persönlichen Gespräch zum Rücktritt aufgefordert hatte, rechnet mit 45 oder 46 der 53 europäischen Stimmen für Al-Hussein, darunter sicher die des Deutschen Fußball-Bundes. Schon ein zweiter Wahlgang, der nötig wäre, wenn Blatter im ersten Anlauf keine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, wäre zumindest ein symbolischer Erfolg für die Blatter-Gegner, die erst am Donnerstag auf einen kurzzeitig erwogenen Boykott verzichteten.

Auf Antrag der USA wurde beschlossen, dass die Wahl nicht mit dem elektronischen Wahlsystem, sondern per Stimmzettel erfolgen soll. Die Fifa rechnet mit einem ungewöhnlich langen Kongress. Die traditionelle Pressekonferenz mit dem Präsidenten wurde schon vorab auf Samstag verlegt, im Anschluss an die anberaumte Sondersitzung des Fifa-Exekutivkomitees, bei der über die künftigen WM-Startplatzquoten entschieden werden soll.

10:59 Uhr: Chronologie der Ereignisse

Die Woche fing zumindest relativ ruhig an für den Weltfußballverband Fifa. Am Montag konnte noch keiner um Präsident Joseph Blatter ahnen, was vor den Chef-Wahlen heute passieren würde. An Dramatik und Turbulenz sind diese Tage letztlich kaum mehr zu übertreffen. Ein Überblick:

Montag, 25. Mai 2015

- Das Fifa-Exekutivkomitee lehnt eine Änderung der sogenannten Dreifachbestrafung* ab. Es folgt dem Vorschlag von Blatter.

- Uefa-Präsident Michel Platini wirft Blatter in einem Interview vor, der Fifa mit seiner erneuten Kandidatur zu schaden.

- Blatters Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein dankt Platini für dessen Hilfe im Wahlkampf. Er sei außerordentlich geehrt.

- Palästinas Verband will den Antrag auf Ausschluss Israels aus der Fifa nicht zurückziehen und beharrt auf der Abstimmung beim Kongress.

Dienstag, 26. Mai 2015

- Erster öffentlicher Auftritt Blatters in der Kongresswoche. "Sie kennen mich, ich bin immer optimistisch", sagt er in Zürich vor dem Besuch der Sitzung der Verbände aus Nord- und Mittelamerika.

- Concacaf-Chef Jeffrey Webb vertritt die Blatter-Position, die Zahl der WM-Teilnehmer nicht zu erhöhen. Er gehört noch zum engen Machtzirkel um den Präsidenten.

Mittwoch, 27. Mai 2015

- Am frühen Morgen nimmt die Schweizer Polizei mehre hochrangige Funktionäre fest. Szenen wie aus einem Krimi vor einen Nobelhotel.

- Wenige Stunden später: Das Fifa-Hauptquartier wird durchsucht, Material beschlagnahmt.

- Die Schweizer Bundesanwaltschaft erklärt: Es geht um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar.

- Blatter-Gegenkandidat Al-Hussein reagiert mit als Erster und spricht von einem "traurigen Tag für den Fußball".

- Die Fifa beruft eine Pressekonferenz ein. Medienchef Walter de Gregorio will sich den Fragen stellen.

- Pressekonferenz I: De Gregorio erklärt, dass Blatter nicht zu den verdächtigten Personen gehört.

- Pressekonferenz II: De Gregorio erklärt, dass der Kongress mit den Wahlen wie geplant durchgeführt wird.

- Pressekonferenz III: De Gregorio betont, dass die WM in Russland ebenso wie in Katar ebenfalls wie geplant laufen sollen.

- Ein weiterer Funktionär wird im Laufe des Vormittags in Zürich festgenommen.

- In den USA teilt das Justizministerium mit: Zu den Festgenommenen gehören die Fifa-Vizepräsidenten Webb und Eugenio Figueredo. Insgesamt 14 Beschuldigte.

- Die Schweizer Justiz teilt mit, dass wegen des Verdachts auf Korruption mehrere Konten gesperrt wurden.

- Die Tragweite wird endgültig deutlich: US-Justizministerin Loretta Lynch und FBI-Direktor James Comey geben eine gemeinsame Pk in New York.

- Lynch spricht von Korruption seit mindestens 24 Jahren. "Sie haben es immer und immer wieder gemacht."

- Laut Lynch flossen allein im Zusammenhang mit der Copa America 2016 in den USA rund 110 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern.

- Laut US-Justizministerium soll Südafrika für die Vergabe der WM 2010 die Fifa mit zehn Millionen US-Dollar bestochen haben.

- Den Verdächtigten drohen bis zu 20 Jahre Haft. Lynch: Das ist die Höchststrafe in solchen Fällen von organisierter Kriminalität.

- Der Chef der US-Steuerfahndung, Richard Weber, spricht von der WM des Betrugs, "und heute zeigen wir der Fifa die Rote Karte".

- Russland sieht sich als Gastgeber der Fußball-WM 2018 durch die Festnahmen und Ermittlungen beim Weltverband Fifa nicht belastet.

- Russland Außenministerium bezeichnet die Festnahmen als "illegale Anwendung von US-Recht" außerhalb des US-Staatsgebiet.

- Die Uefa fordert die Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentenwahl.

- Die Weltverband sperrt am Abend insgesamt elf Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußball-Aktivitäten.

- Erste Stellungnahme von Blatter: "Dies ist eine schwierige Zeit für den Fußball."

- In seiner Heimat Trinidad und Tobago stellt sich der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner der Polizei.

Donnerstag, 28. Mai 2015

- Das Medienecho ist verheerend. "New York Times": "Ein erster Schritt wäre, sofort Herrn Blatter zu schassen."

- Blatter lässt seinen Auftritt beim Medizin-Kongress der Fifa am Morgen kurzfristig absagen.

- Kremlchef Wladimir Putin stellt sich hinter Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor.

- Südafrikas Verband weist die Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der WM 2010 entschieden zurück.

- Blatter beruft die Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich zusammen.

- Die Topsponsoren der Fifa üben zunehmend Druck auf den Weltverband aus.

- Außenminister Frank-Walter Steinmeier verlangt volle Aufklärung: "Korruption vergiftet die Politik und vergiftet den Sport."

- Die Uefa beschließt nach einem außerordentlichen Treffen: Der Fifa-Kongress wird nicht boykottiert.

- Die Uefa beschließt zudem: Bei der Präsidentschaftswahl wird zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votiert.

- Die Fifa-Ethikkommission suspendiert Marketingmanager Aaron Davidson für alle nationalen und internationalen Tätigkeiten im Fußball.

- Platini schließt bei Wiederwahl Blatters einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht aus.

- Blatter eröffnet den Kongress: "Sie werden mir zustimmen, dass dies beispiellose und schwierige Zeiten für die Fifa sind."

Freitag, 29. Mai 2015

- Demonstration kurz vor Beginn des Fifa-Kongresses für einen Ausschluss Israels aus dem Fußball-Weltverband.

- Die Fifa verlegt die Pressekonferenz mit dem Präsidenten von Freitagabend auf Samstagvormittag (11.30 Uhr).

- Blatter ruft in seiner Begrüßungsansprache zum gemeinsamen Kampf auf: "Machen wir uns an die Arbeit, bleiben wir konzentriert, keine langwierigen Diskussionen, gehen wir nach vorne, suchen wir die Lösung."

Mit Material von dpa und AFP