Der FC Bayern hat sich den ersten Titel des neuen Jahres gesichert. Ohne ein aus dem Spiel heraus geschossenes Tor gewann der FCB am Sonntag den Telekom-Cup in Düsseldorf. Beginnt jetzt wirklich die Jagd auf Herbstmeister Borussia Dortmund? Wir nehmen den Rekordmeister unter die Lupe.

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Zwei Spiele über je 45 Minuten und zwei verschiedene Startaufstellungen: Bayern-Trainer Niko Kovac rotierte beim Telekom-Cup in Düsseldorf, dem ersten und letzten Test für den FC Bayern vor dem Bundesliga-Rückrundenauftakt, kräftig durch. Er setzte gegen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach (jeweils 0:0) 22 Profis ein.

Erst im Elfmeterschießen konnten die Bayern ihre Bundesliga-Konkurrenten bezwingen. Abwehrspieler Mats Hummels schoss den deutschen Rekordmeister im Finale gegen Gladbach (4:2) mit einem schönen Heber zum Titel.

Als einziger der 22 Bayern-Profis stand Renato Sanches sowohl gegen Düsseldorf als auch gegen Gladbach in der Startelf. Anscheinend stand der junge Portugiese unter besonderer Beobachtung.

Nach einem persönlich guten Saisonstart und einer sehr guten Partie bei Benfica Lissabon verschwand Sanches mehr und mehr in der Versenkung. Der Durchbruch gelang ihm beim deutschen Rekordmeister bisher einfach nicht.

Und auch am Sonntag beim Telekom-Cup konnte der 21-Jährige nicht auf sich aufmerksam machen. Der zentrale Mittelfeldspieler setzte die Bayern-Offensive nicht in Szene.

FC Bayern ohne Tor zum Titel

Offensiv gab es bei den Bayern Licht und Schatten. Ein Tor sollte in den insgesamt 90 Minuten aus dem Spiel heraus nicht fallen.

Druck erzeugten die Bayern-Profis vor allem über die Flügel. Schönen Hereingaben von David Alaba und Thomas Müller und dem auffälligen Kingsley Coman folgten aber keine Tore. Kovac sagte anschließend dazu: "Wir müssen durchschlagskräftiger werden.“

Dem schloss sich Thomas Müller an. Er bilanzierte: "Es war ok. Aber es gibt sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Leider haben wir aus unseren Chancen kein Tor gemacht."

Winter-Zugang Davies zündet den Turbo

Alphonso Davies, im November aus der amerikanischen Liga MLS nach München gewechselt, feierte sein Debüt im Bayern-Trikot, und wusste zu überzeugen. Über die rechte Außenbahn kommend im Spiel gegen Gladbach machte der 18-jährige Kanadier mächtig Wirbel.

Gladbachs Verteidiger Poulsen war mit Davies völlig überfordert, holte das Nachwuchs-Talent kurz vor Ende der Partie im Strafraum von den Beinen. Der Elfmeterpfiff blieb dennoch aus.

Davies deutete an, was er kann: hohes Tempo, Tempo-Dribblings, gefährlich in Eins-gegen-Eins-Situationen. Eine Option für die Startelf beim Bundesliga-Rückrundenauftakt in Hoffenheim (18. Januar, 20:30 Uhr) dürfte Davies trotzdem nicht sein.

Ein Platz im Kader ist aber vor allem aufgrund der Verletzungen von Arjen Robben und Franck Ribéry möglich.

Abwehr noch nicht in Top-Form

Joshua Kimmich und David Alaba machten nach vorne viel Betrieb und präsentierten sich insgesamt in einer guten Form. Weniger gut lief es dagegen bei den Innenverteidigern.

Niklas Süle und Nachwuchsprofi Lars Lukas Mai bildeten die Innenverteidigung im Spiel gegen Düsseldorf. Sie wirkten teilweise anfällig. Schnell kamen Erinnerungen an das 3:3 gegen den Aufsteiger Ende November hoch.

Und auch das Duo Hummels/Boateng war im Spiel gegen Gladbach nicht immer auf der Höhe.

Nach acht Minuten entwischte Borussen-Angreifer Josip Drmic den Nationalspielern nach einem Einwurf von der Mittellinie. Der Fehler blieb aber folgenlos: Drmic scheiterte an Bayerns Torwart Sven Ulreich.

Auf Lewandowski ist Verlass

Eine wichtige Eigenschaft im Rennen um den Bundesliga-Meistertitel haben die Bayern am Sonntag bewiesen. Sie zeigten Nervenstärke, entschieden zwei Elfmeterschießen für sich.

Zumindest im Kopf sind sie bereitet für die Aufholjagd auf Herbstmeister Borussia Dortmund.

Und auch wenn der FCB über 90 Minuten das Tor nicht traf, ist in der Bundesliga auf Robert Lewandowski Verlass. Der Stürmer könnte zur Schlüsselfigur im Bayern-Spiel werden und die Schwächen in der eigenen Hintermannschaft wettmachen.

Ab dem 8. Spieltag lief es beim Polen, sammelte in der Liga elf Scorerpunkte. Im Winter-Trainingslager in Doha präsentierte er sich in absoluter Top-Form.

Fragezeichen in der Innenverteidigung

Wer im Sturm spielt, ist klar. Wer aber in der Innenverteidigung? Für Mats Hummels und Jérome Boateng war es eine Hinserie zum Vergessen. Beide blieben hinter ihren Erwartungen zurück.

Beide auszutauschen, erlaubt das Personal nicht. Einer der beiden Nationalspieler sollte aber für Süle Platz machen.

Und auch bei Manuel Neuer bedarf es einer Leistungssteigerung, um bei seinen Vordermännern die nötige Sicherheit auszustrahlen. Einen Torwart-Wechsel? Nicht denkbar. Auch wenn Ulreich in der vergangenen Saison als Neuer-Vertreter einen guten Job machte.

Fest steht: Die Bayern-Profis müssen eine Schippe drauflegen, um den Rückrundenauftakt nicht zu vergeigen. Mit 1899 Hoffenheim wartet ein echter Gradmesser.

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