Bayern München wird 1969 mit nur 13 eingesetzten Spielern Deutscher Meister

Heute unvorstellbar: Nach seiner ersten Meisterschaft im Jahre 1932 wartet der FC Bayern München 37 Jahre lang auf die zweite. Vier Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga gelingt dem neuen Trainer Branko Zebec der Coup mit einem Mini-Kader. Lernen Sie die Spieler von einer ganz persönlichen Seite kennen.

1968 geht der FC Bayern München in seine vierte Saison in der Bundesliga. 17 Spieler stehen im Kader des Europapokalsiegers der Pokalsieger von 1967. Nur 13 von ihnen werden in der Saison 1968/69 zum Einsatz kommen.
Trainer Branko Zebec, Mitte, ist neu an der Säbener Straße. Die Bayern holen ihn von Dinamo Zabreb. Der 39-Jährige ersetzt Aufstiegstrainer Zlatko Cajkovski, rechts, mit dem er beispielsweise bei der WM 1954 gemeinsam in der jugoslawischen Nationalmannschaft gespielt hat. Bayerns Manager Robert Schwan, links, verfolgt den Austausch der beiden Trainer-Größen.
Im Tor der Bayern sorgt die "Katze von Anzing" für Sicherheit. Im Saisonrückblick der "Bild" gibt Maier damals zu, "manchmal unkonzentriert" zu sein und am liebsten Mittelstürmer zu spielen. Er wohnt damals im Birkenweg 5 in Anzing, zaubert gerne und mag - neben den Bayern - vor allem Real Madrid.
Der "Kaiser", Franz Beckenbauer, residiert damals in der Hofbrunnstraße 93 in München und isst nach eigener Auskunft im Fragebogen der "Bild" am liebsten "Eisbein, Kraut und Kartoffelpüree". Sein Geld legt der gelernte Versicherungskaufmann in "Haus und Grundstück" an, mag den AC Mailand und überlässt die Beurteilung seiner Stärken genauso "dem Gegner" wie die seiner Schwächen.
Beim Spitznamen von Hans-Georg Schwarzenbeck ("Katsche") verschreibt sich die "Bild"-Redaktion seinerzeit und nennt den Ur-Bayern "Katschi". Der damals 21-Jährige gibt als Schwäche ganz offen seine "Technik" zu, doch als Manndecker braucht er auch kein Rastelli zu sein. Als Gegenspieler in der Bundesliga mag Schwarzenbeck damals Schalkes Horst Blechinger nicht. Daheim ist "Katsche" in der Steingadener Straße 26 in München.
Als Anlageberater sollte Werner Olk im Frühjahr 1969 eigentlich an der New Yorker Wallstreet arbeiten, doch sein Geldgeber lässt dem FC Bayern im Kampf um das Double dessen Kapitän. Olk stammt aus Osterode im Harz, wird aber "Adler von Giesing" genannt. Der Nationalverteidiger wohnt in der Otkerstraße 2 und hat nach eigener Auskunft im "Bild"-Band ursprünglich Ingenieur für Wirtschafts- und Betriebstechnik gelernt.
Peter Pumm hat eigentlich schon beim Lokalrivalen TSV 1860 München unterschrieben. Doch dort wird der Platz für den zweiten Ausländer - und nur zwei im Kader sind damals erlaubt - wider Erwarten nicht frei. Die Bayern greifen zu, und beide Seiten bereuen es nicht. Der Österreicher Pumm wird in der Albert-Roßhaupter-Straße 2 in München ansässig, liebt Palatschinken und sagt von sich selbst, "zu weich im Kampf Mann gegen Mann" zu sein.
Pumms Landsmann Gustl Starek kommt als Meister nach München: Er hat 1968 den Titel mit dem 1. FC Nürnberg gewonnen, dem damaligen Rekordmeister, der seitdem nie mehr so weit oben stand. Starek ist beim FC Bayern der einzige Porsche-Fahrer im Team und als gelernter Kfz-Mechaniker Mann vom Fach. Es kann sehr gut sein, dass Starek mit dem Porsche die Schwäche kompensiert, die er sich selbst attestiert: "Antritt". Er wohnt damals in der Schlierseestraße 2 in München.
Im serbischen Filipovo geboren, kommt Peter Kupferschmidt erst als 14-Jähriger nach Deutschland. Wie Beckenbauer ist auch Kupferschmidt Anhänger des AC Mailand. Er sagt von sich selbst, er sei auf dem Platz "etwas zu langsam" und fürchtet als Gegenspieler den Kölner Nationalspieler Heinz Hornig. Interessant: Kupferschmidt ist gelernter "Mechaniker von Strickmaschinen", träumt davon, "noch fünf Jahre in der Bundesliga" zu spielen und wohnt seinerzeit in der Halleinerstraße 25 in München.
Der "Floh" in Bayerns Meistermannschaft, nur 1,72 Meter groß und 65 Kilogramm schwer: Gustav Jung hat hat dementsprechend seine Stärke in der Schnelligkeit, ist aber eigener Einschätzung nach "nicht hart genug". Der gebürtige Engelsberger (Landkreis Traunstein) rennt einem Stammplatz folgerichtig hinterher und kommt auch später nicht bei seinem Lieblingsverein unter: Hertha BSC. Jung wohnt damals in der Hochalmstr. 6 in München.
Er trägt den Namen des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, ist im Gegensatz zu dem SPD-Politiker aus Hamburg aber ein waschechter Münchner. "Helle" rufen ihn seine Mitspieler, und wie bei Franz Beckenbauer steht auch bei Dauerläufer Schmidt Englands Weltmeister Bobby Charlton ganz hoch im Kurs. Schmidt hat Feinmechaniker gelernt, würde aber gerne Sportlehrer werden und lebt in der Freisinger Straße 8.
Die Bayern haben 1968/69 nicht nur einen "Floh" im Team, sondern auch einen "Bullen". Bürgerlich heißt er Franz Xaver, Nachname Roth. Er hat 1967 in Nürnberg gegen Glasgow für den ersten Europapokal-Triumph der Roten gesorgt, bemängelt an sich selbst aber, beim Torschuss "unkonzentriert" zu sein. Auf dem Bild ist er im Duell mit seinem zweiten Lieblingsklub zu sehen, dem 1. FC Nürnberg. Roth lebt damals in der Lenzfriederstraße 14 in München.
Von wegen Porsche: Der VW Käfer ist zwar eine Schöpfung aus dem Hause Porsche, doch mit Gustl Starek wird sich Rainer Ohlhauser auf der Straße kein Wettrennen liefern. Aber auch Ohlhausers Wagen passt zur Selbstbeschreibung von dessen Besitzer im "Bild"-Fragebogen: "Laufvermögen" gibt Ohlhauser an. Wie Pumm und Jung aber auch, sieht sich Ohlhauser als "nicht hart genug". Der passionierte Fischer lebt seinerzeit in Neufahrn.
Der "Dicke", wie die Kollegen Gerd Müller hinsichtlich seiner gedrungenen Gestalt nennen, würde gerne Libero spielen. Doch auf dem Posten des Mittelstürmers ist der Mann mit den mächtigen Oberschenkeln und den strammen Waden aufgrund seines Torriechers besser aufgehoben. Er hätte nach eigener Auskunft gerne mehr "technische Feinheiten". Doch wie er trifft, ist unerheblich. Hauptsache, dass: 30-mal Richtung Meisterschaft, Müller wird Torschützenkönig. Er lebt damals in der Ludwig-Thoma-Straße 12 in Strasslach.
Dieter Brenninger bastelt gerne und mag, wie Gustl Jung, die Hertha aus Berlin. Der Erdinger, der damals auch in Altenerding lebt, sorgt im entscheidenden Meisterschaftsspiel gegen Offenbach (im Bild) für den 5:1-Endstand. Es ist Brenningers achtes von neun Bundesliga-Saisontoren. Brenninger kommt als Zehnjähriger zu den Bayern, geht, als er 27 ist, und möchte nach eigenem Bekunden noch eines lernen: Flanken aus vollem Lauf.
Blumen vom "Kaiser": Franz Beckenbauer stimmt die erwartungsfrohen Fans am 24. Mai 1969 im Grünwalder Stadion auf die bevorstehende Meisterfeier ein. Bereits am 32. Spieltag sichert ein 5:1 über die Kickers aus Offenbach dem FC Bayern München dessen ersten Bundesliga-Titel, die insgesamt erst zweite Meisterschaft seit 1932.
Am 14. Juni 1969, eine Woche nach dem 34. und letzten Bundesliga-Spieltag, bringen die Bayern durch ein 2:1 über den FC Schalke 04 im Finale des DFB-Pokals ihr erstes Double unter Dach und Fach. So etwas hatte bisher nur Schalke geschafft, 1937. Da jetzt beide nationale Trophäen Beute der Bayern geworden sind, muss auch ein neues Foto geschossen werden - ohne Regen, vor allen Dingen.