Günter Perl pfeift wie Flasche Ketchup, Kevin Großkreutz ist ein Torjäger wie Thomas Müller und die Meisterschaft ist endlich wieder spannend. Außerdem muss sich Ingolstadt eingestehen, nicht Leicester zu sein. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Lehre: Günter Perl hat nicht gepfiffen wie Flasche leer, sondern wie Flasche Ketchup

Auf Fußball-Schiedsrichtern sollte man eigentlich nicht rumhacken. Denn wer will diesen Job heutzutage schon machen? Ein Job, bei dem man häufiger bepöbelt wird als Politessen, die gerade den Knöllchen-Block zücken. Doch leider müssen wir trotz allem ein paar kritische Worte über Günter Perl verlieren. Denn der hatte sich zusammen mit seinen Assistenten in der klassischen "Tomaten-auf-den-Augen-Bewertungsskala" gleich eine ganze Ketchup-Flasche verdient.

In der Partie des FC Schalke 04 gegen den Hamburger SV gab das Unparteiischen-Trio gleich drei klare Elfmeter nicht (zwei für Schalke, einen für den HSV). Dafür wurde Klaas-Jan Huntelaars Tor zum 2:1 trotz Abseits nicht abgepfiffen, um dann wiederum einen regulären Treffer von Schalkes Alessandro Schöpf die Anerkennung zu verweigern.

Ex-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, auf Schalke in etwa so beliebt wie Fußpilz, Tofu-Currywurst, alkoholfreies Bier und Kevin Großkreutz zusammen, plädierte bei Sky für die Einführung eines Videoschiedsrichters.

Wer diese Partie gesehen hat, muss eigentlich dafür sein. Allerdings: Schalke gewann das Match trotz der Fehlentscheidungen hochverdient mit 3:2. Und der FC Bayern und Borussia Dortmund führen die Liga auch nicht nur durch Patzer der Schiedsrichter an. Am Ende setzt sich halt doch die Klasse durch.

2. Lehre: Eeeeeeendlich ist die Meisterschaft wieder spannend!

Apropos Bayern und Dortmund. Nach der überraschenden 1:2-Heimpleite der Münchner gegen den FSV Mainz 05 und dem Dortmunder Sieg in Darmstadt ist der BVB auf fünf Punkte an die Münchner herangerückt. Und das nur wenige Tage vor dem Gigantenduell der beiden Rivalen im Dortmunder Signal Iduna Park.

Endlich! Eeeeeeendlich gibt es wieder so etwas wie Spannung im Rennen um die Meisterschaft! Und das nicht nach dem 4. Spieltag, sondern nach dem 24. (!) Spieltag.

So weh es tut, diesen Gedanken als starker Sympathisant für den BVB-Rivalen Schalke niederzuschreiben, muss ich doch sagen: Bitte, lieber Fußballgott, lass Dortmund den Gipfel am Samstag gewinnen. Damit auch die Bayern mal wieder etwas zittern müssen. Und der Blick auf die Tabellenspitze eeeeeeendlich nicht mehr die gleiche Wirkung hat wie eine Packung Valium.

3. Lehre: Ingolstadt ist nicht Leicester

Es soll ja den einen oder anderen Briten geben, der vor der Saison einige Pfund auf Leicester City als englischen Meister gesetzt hat. Das war im Vorfeld so erfolgsversprechend wie ein Tipp auf den FC Ingolstadt als kommenden Meister. Tja, und nun führt Leicester die Premier League weiterhin sensationell an. Und so manch ein verrückter Tippspieler, der Geld auf einen Meistertitel der "Foxes" gesetzt hat, könnte den ganz großen Reibach machen.

Wer hier in Deutschland ähnlich risikofreudig sein wollte und Ingolstadt als Meister auserkor, hat leider Pech. Rechnerisch kann der FCI - trotz einer wahnsinnigen Trefferquote von 18 Toren in 24 Spielen - seit diesem Spieltag nicht mehr Meister werden.

Ich setze nachher dafür dann mal 'nen Zehner auf meine Schalker. Und im Erfolgsfall kauf ich mir was Schönes. Ein Haus vielleicht. Mal sehen.

4. Lehre: Der FC Augsburg ist zur falschen Zeit am falschen Ort

Der FC Augsburg hat nicht nur den für Schiedsrichter nervigsten Trainer, sondern in diesen Tagen auch wahnsinniges Pech. Vor einer Woche das bittere Aus in der Europa League beim FC Liverpool durch einen fragwürdigen Strafstoß, nun auch noch die 1:2-Pleite bei 1899 Hoffenheim, die durchaus vermeidbar war.

Und wie so oft im Leben, fehlte einfach das richtige Timing. Zugegeben, in diesem Fall war dafür nicht der FCA, sondern die böse DFL verantwortlich, der man praktisch für alles die Schuld geben könnte, wenn man will.

Denn hätte der FCA noch vor wenigen Wochen in Hoffenheim gespielt, wäre der Sieg nur Formsache gewesen. Irgendwie dreckig 1:0 gewinnen, Abstiegskampf adé, alles super, olé olé.

Blöderweise spielt Hoffenheim aber dank seines neuen Trainer-Bubis Julian Nagelsmann derzeit mit jugendlichem Schwung – und gegen den FCA auch mit ein bisschen Wut darüber, in Dortmund trotz Führung nicht gepunktet zu haben.

Jetzt steckt Augsburg wieder drin im Abstiegskampf-Schlamassel und hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Gut, dass auf diesem gerade die Frankfurter Eintracht steht, deren Offensivspiel noch unerträglicher anzuschauen ist als eine komplette Folge "Sarah & Pietro bekommen ein Baby".

5. Lehre: Der Fußballgott kann nicht auch noch coachen

Wo wir gerade bei Frankfurt sind: Wollen Sie mal sehen, wie man Fußball NICHT spielen sollte? Wie eine Mannschaft völlig destruktiv vor sich hinstolpert, ohne Plan und Ziel? Dann gönnen Sie sich eine Partie der Eintracht. Nicht in der Konferenz, sondern über volle 90 Minuten.

Nichts, aber wirklich gar nichts deutet darauf hin, dass diese Mannschaft den Klassenerhalt noch schaffen könnte. Erst recht, weil Fußballgott Alex Meier auch noch verletzt ist. Die 0:2-Niederlage in Berlin war allen Ernstes das dritte Spiel in Folge ohne eigenen Torerfolg.

Die Frankfurter Presse diskutiert daher gar nicht mehr darüber, ob Trainer Armin Veh gehen muss, sondern wann: Jetzt, um vielleicht doch noch irgendwie drin zu bleiben, oder im Sommer nach dem Abstieg.

Größtes Problem bei einer sofortigen Entlassung Vehs wäre, dass der optimale Nachfolger wohl nicht bereit steht: Alex Meier kann sich Gerüchten zufolge nicht vorstellen, Spielertrainer zu werden.

Der alternative Wunschkandidat heißt Ralph Hasenhüttl und ist passenderweise am Samstag mit dem FC Ingolstadt in Frankfurt zu Gast. Der Trainer kann sich also schon mal persönlich davon überzeugen, wie viel Arbeit ihm ab Sommer ins Haus steht.

6. Lehre: Kevin Großkreutz ist ein Torjäger wie Thomas Müller

Ähnlich bescheiden wie der Frankfurter Auftritt in Berlin war die Leistung der Stuttgarter in Mönchengladbach. Nach fünf Bundesliga-Siegen in Serie wähnten sich die Schwaben vor kurzer Zeit noch auf dem Weg in Richtung Europapokal-Plätze. Doch nach der 0:4-Niederlage bei der Borussia und lediglich einem Punkt aus den vergangenen drei Spielen heißt es nun wieder: nach unten schauen.

Wenigstens sorgte der VfB in Gladbach - anders als die Kellerkonkurrenz Frankfurt oder Hannover 96 - für gute Unterhaltung. Um sicherzustellen, dass man in Gladbach verdientermaßen definitiv keinen Punkt mitnimmt, halfen die Schwaben sicherheitshalber kräftig mit.

Erst staubte Raffael eine Gentner-Tyton-Slapstickeinlage zum 2:0 ab und in der Schlussminute zeigte Kevin Großkreutz seinen Teamkollegen, wie Eigentore richtig gehen.

Eine Flanke von Patrick Herrmann stolperte der Ex-Dortmunder in bester Thomas-Müller-Manier aus kurzer Distanz über die Linie.

Einfach ein klasse Torjäger, der Kevin!