Bundesliga-Meister - und was aus ihnen wurde

Seit Einführung der Bundesliga mit der Saison 1963/1964 wurden 57 Meistertitel vergeben. Mehr als die Hälfte davon ging an den FC Bayern, doch es gibt auch Vereine, bei denen man fast vergessen hat, dass sie am Saisonende an der Tabellenspitze standen. Was wurde aus den Bundesliga-Siegern?

Viel zu feiern hatte der VfB Stuttgart in den vergangenen Jahren nicht. In der abgelaufenen Saison aber immerhin den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Nach dem letzten Stuttgarter Meistertitel in der Saison 2006/07 geht es für den Verein derzeit nur noch um den Klassenerhalt im Oberhaus. Ob dieser 2020/21 gelingt?
Der TSV 1860 München ist der etwas andere Klub: Entgegen hoher Erwartungen reicht es derzeit nur für die 3. Liga. Mitte Mai 2011 stieg ein Investor bei den Münchnern ein - für einen Bundesliga-Titel reichte es dennoch nicht: Die Meisterschaft von 1966 bleibt vorerst die einzige der Löwen.
Der FC Bayern macht nach wie vor das, was er am besten kann: Titel gewinnen. 2020 gewann der deutsche Rekordmeister seinen achten Bundesliga-Titel in Folge und seinen 30. insgesamt. Die Münchner haben seit der Gründung der Bundesliga 1963 damit mehr Meisterschaften geholt (29) als alle anderen Vereine zusammen (28).
Die zweitmeisten Meister-Titel hat der 1. FC Nürnberg inne (neun, acht davon vor der Bundesliga-Gründung). Von der Erfolgszeit ist bei den Franken 2020 aber nichts mehr zu merken: Der Club kämpft um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. In der Vorsaison spielte Nürnberg noch erstklassig, nun stehen zwei Relegationsspiele an und es droht der Gang in die Drittklassigkeit.
Borussia Dortmund ist dem 1. FC Nürnberg - zumindest in Sachen Deutschen Meisterschaften - dicht auf den Fersen. Der BVB gewann bislang achtmal die 1. Liga. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der BVB zur zweiten Macht in Fußball-Deutschland hinter dem FC Bayern - und zu einer Talentschmiede, so wie im Fall von Jadon Sancho (Bild).
Die Nummer zwei in Deutschland war vor dem BVB Werder Bremen. Doch davon ist der Klub aus dem Norden derzeit weit entfernt. Den bislang letzten Meistertitel feierte Werder 2004 - 2020 gehts's um den Klassenerhalt. Geht die Relegation nach hinten los, geht's nach 40 Jahren im Oberhaus wieder in die 2. Bundesliga. Es wäre der zweite Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte.
Im Falle des Abstiegs treffen die Bremer auf die Eintracht aus Braunschweig: Der Bundesliga-Meister von 1967 ist frisch in die 2. Bundesliga aufgestiegen - mit Unterstützung des FC Bayern. Die Amateure des Rekordmeisters stehen nach 37 Spieltagen an der Tabellenspitze, aber dürfen nicht aufsteigen, da die 3. Liga für zweite Mannschaften von Erst- oder Zweitligisten gemäß einer DFB-Spielordnung die höchstmögliche Spielklasse ist. Braunschweig - als Zweitplatzierter - hat nicht einholbaren Vorsprung auf den Viertplatzierten.
Bei Borussia Mönchengladbach bejubeln sie ein neues Zeitalter: Der zuletzt abstiegsbedrohte Erstligist nach den Erfolgsjahren in den 70ern (fünf Meister-Titel) hat ausgedient, mittlerweile peilt die Borussia – mit einer jungen, talentierten Mannschaft – wieder die internationalen Plätze an. Nach der Europa-League-Teilnahme in der abgelaufenen Saison, spielt die Borussia 2020/21 in der Champions League.
Der 1. FC Köln holte den ersten Bundesliga-Titel überhaupt (1964). 1978 feierte der FC seine zweite und bislang letzte Meisterschaft. Titel-Ambitionen haben die Vereinsbosse derzeit nicht mehr, für die Kölner geht's ausschließlich um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga, was mit Ausnahme der Saison 2018/19 in der jüngeren Vergangenheit auch gelang.
Geldsorgen hat auch der 1. FC Kaiserslautern. Beim Überraschungs-Meister von 1998 erinnert derzeit nichts mehr an einen Erfolgsverein. Spielend in der 3. Liga, stellte Kaiserslautern Mitte Juni einen Antrag auf Insolvenz. Schulden in Höhe von rund 24 Millionen Euro machen dem Verein zu schaffen.
2009 feierte der VfL Wolfsburg eine Meister-Party, die ihren Höhepunkt in einem 5:1-Sieg über den FC Bayern mit einem Hackentor von Grafite (vorne) fand. Mit guter Laune war aber schon in der Folgesaison wieder Schluss: Es ging in der Tabelle runter auf Platz acht. 2020 beendeten die Wölfe die Spielzeit auf Rang sieben, was die Qualifikation für die Europa League bedeutet.