Der Rückrundenauftakt ist einer der wichtigsten Termine im Bundesliga-Geschäft. Was weniger nur damit zu tun hat, dass es nach wochenlanger, quälender Warterei wieder losgeht, sondern mehr damit, dass wir jetzt vom Start weg die spannendsten Stunden und Tage der ganzen Saison erleben dürfen - in denen Träume plötzlich zu Alpträumen werden. Und neue Träume entstehen.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Jedes Jahr starten nach der Pause plötzlich Klubs durch, von denen wir das vorher niemals für möglich gehalten hätten. Bei anderen stellt sich heraus, dass sie in der Hinrunde über ihre Verhältnisse gelebt haben, also einfach nur einen Lauf hatten – und genau so unerklärlich, wie es war, dass im Herbst alles zusammenpasste, bricht nun im Januar alles in sich zusammen.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen dabei die Trainer, die dem Geschehen nicht selten machtlos gegenüberstehen. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es ja genügend.

Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC gelten als absturzerfahren, Borussia Dortmund startete im Januar 2019 zwar erst gut, kam dann aber schnell komplett unter die Räder. Bei allen war (oder ist) übrigens Lucien Favre Trainer. Nur mal nebenbei.

Bundesliga-Rückrunde startet: Wo platzen diesmal Träume?

Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht der Ligazweite Borussia Mönchengladbach. So großartig die Hinrunde für das Team von Trainer Marco Rose lief, so skeptisch schauen jetzt alle Richtung Niederrhein.

Kann das Hoch von Dauer sein, oder zieht schon heute auf Schalke ein Dauertief heran? Erfahrung im Obenstehen ist jedenfalls kein hervorstechendes Merkmal des Borussia-Kaders.

Und natürlich werden die Gladbacher entgegensetzen, dass sie den Titelkampf gar nicht auf dem Wunschzettel haben – aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es darum jetzt gar nicht geht: Ein paar Niederlagen genügen, und schon beginnt für ein erfolgsverwöhntes Team die nicht mehr aufzuhaltende Sturzfahrt.

Schalker Überraschungsmannschaft hat eine neue Riesenbaustelle

Und Schalke 04? Auch eine Überraschungsmannschaft, aber mit steigenden Erwartungen konfrontiert – und mit einer neuen Riesenbaustelle ausgestattet.

Die Personalie Alexander Nübel, der im Sommer zum FC Bayern wechselt, könnte in der Rückrunde alles zerstören, was Schalke 04 Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider 2019 mühsam aufgebaut haben. Zumindest was das angeht, haben die Bayern ganze Arbeit geleistet und einen Konkurrenten mental geschwächt.

Dass in der Winterpause relativ wenig über das Absturzpotenzial von Tabellenführer RB Leipzig diskutiert wurde, ist übrigens kurios und auch bezeichnend. Der Neuankömmling wird von vielen mit Respekt und wie ein etablierter Klub behandelt – zu professionell und zu gut wurde dort zuletzt gearbeitet, zu wenig Zufallsverdacht besteht.

Und die Leipziger können ja sogar Personalpolitik, wie der Fall Timo Werner gezeigt hat. In München rätseln sie jedenfalls immer noch, wie es passieren konnte, dass Deutschlands bester Stürmer nicht vollautomatisch zu ihnen rübertrabte. Der FC Bayern hat eben Brazzo, aber RB Leipzig hat Krösche.

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