Der FC Bayern rumpelt sich gegen Ajax zu einem schmeichelhaften Remis und zeigt dabei einige veritable Probleme. Ein wenig erinnert der Rekordmeister in diesen Tagen an die deutsche Nationalmannschaft bei der WM.

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Bisher war ja irgendwie noch alles in Ordnung. Die Bayern hatten vor dem Dienstag zwar ihre letzten beiden Pflichtspiele nicht gewonnen, in Berlin sogar verloren. Aber sowohl gegen die Hertha als auch wenige Tage davor gegen den FC Augsburg hatten die Bayern genügend Chancen, die Partien zu gewinnen.

Gegen Ajax Amsterdam versiegte nun aber auch noch der Strom an guten Tormöglichkeiten. Und weil die Bayern in der Defensive ähnlich anfällig blieben wie in den Partien zuvor, mussten sie am Ende sogar um das schmeichelhafte 1:1 (1:1) gegen die Niederländer bangen. Es war das dritte Spiel in Folge ohne Sieg für die Bayern und ihren neuen Trainer Niko Kovac.

Exakt nur 222 Sekunden benötigten die Münchener gegen Amsterdam, um die Mini-Krise fürs Erste zu beenden. Mats Hummels köpfte eine Flanke von Arjen Robben ins Tor und wohl jeder im Stadion dachte, dass der Express nun anrollen und Ajax überrollen würde. Schließlich hatten die Bayern in den letzten vier Jahren alle ihre Heimspiele der Gruppenphase gewonnen.

Und weil die Bayern erneut ihre alten Hasen aufboten, während Ajax mit einer handvoll Youngster aufwartete, schien die Geschichten schon nach wenigen Minuten geschrieben.

Fragwürdige Aufstellung

Wie viel die Mannschaft aber von ihrer zu Beginn der Saison gezeigten Schärfe verloren hat, wurde dann doch schnell klar. Die Bayern lullten sich bei der Aussicht auf einen geruhsamen Abend regelrecht ein, der Schlendrian hielt langsam Einzug. Die Mannschaft nahm das Tempo aus ihren Aktionen, kam nicht mehr ins Gegenpressing und verlor Minute für Minute die Kontrolle über die Partie.

Zu den vielen kleineren Fehlern der letzten Spiele gesellten sich gegen Ajax einige strukturelle Probleme, die die Bayern nicht abstellen konnten.

Kovac hatte erneut seine Startelf ausgetauscht. Im zehnten Pflichtspiel unter seiner Regie wechselte er wieder mindestens auf zwei Positionen. Wenngleich es gegen Ajax die etwas kleinere Rotation war, blieb die eine oder andere Personalentscheidung doch fragwürdig.

Kovac hatte es schon ein paar Mal mit Javi Martinez auf der Sechs probiert und wählte diese Variante nun erneut. Aber Martinez ist kein besonders wertvoller Spieler, wenn der eigene Spielaufbau Kreativität und spielerische Impulse benötigt.

In der Innenverteidigung zeigte Jerome Boateng schon wieder einen eher schwachen Abend, wie zuletzt schon gegen Berlin. Niklas Süle saß dagegen nur auf der Bank. Und Robben und Franck Ribery durften beginnen, waren der jugendlichen Geschwindigkeit des Gegners aber in den meisten Fällen unterlegen.

Die Bayern hatten übrigens neun Spieler in der Startelf, die beim Finale 2013 schon auf dem Platz standen. Da spielten fast alle Spieler der Gäste noch im Jugendbereich.

Der Ergebnis- folgt die Leistungskrise

Nun haben sich die Bayern in eine durchaus pikante Situation manövriert: Augsburg, Berlin und nun Amsterdam haben gezeigt, wie den Münchenern beizukommen ist.

Gegen das mannorientierte Verteidigen findet Kovac’ Mannschaft derzeit kaum Lösungen. Ohne James und mit einem zu tief positionierten und zu genügsamen Thiago kann sich die Mannschaft nicht aus Drucksituationen im Mittelfeld befreien oder Tempo im Übergangsdrittel aufnehmen. Und in letzter Konsequenz damit Robert Lewandowski auch nicht mehr in Abschlusspositionen bringen.

Auf die Ergebniskrise der letzten Tage folgte nun eine Leistungskrise. Das konnten oder wollten auch die Beteiligten gar nicht leugnen. "Wie es im Fußball so ist: Die Phasen wechseln schnell. Am Saisonstart hatte man das Gefühl, wir machen alles richtig. Jetzt haben wir zwar einen großen Willen, aber wir machen einige Dinge falsch. Das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen mehr Kontrolle", sagte Thomas Müller bei "DAZN".

Wie die Nationalmannschaft

Die Bayern wirken derzeit wie eine Mannschaft in den Endzügen einer strapaziösen Saison, dabei stecken sie gerade erst in der zweiten englischen Woche. Sie wirken wie die deutsche Nationalmannschaft bei der WM: scheindominant, ohne Esprit und Geschwindigkeit und vielleicht auch eine Spur zu sorglos.

Das kann Kovac in der Art natürlich nicht dulden. "Wir müssen zusehen, dass wir wieder das Gesicht zeigen, das uns in den ersten sieben Spielen ausgemacht hat. Vielleicht ging alles etwas zu einfach und locker am Anfang. Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln und schauen, dass wir aus dieser Situation herauskommen", sagte der Trainer am "Sky"-Mikrofon. "Ich weiß, was die Stunde geschlagen hat. Wir und ich müssen uns nun auf das Wesentliche konzentrieren: zurück zu den Basics, die Zweikämpfe annehmen, den Ball laufen lassen."

Kovac ist der erste Trainer der Bayern seit Louis van Gaal, der sein erstes Heimspiel in der Königsklasse als Bayern-Trainer nicht gewonnen hat. Vielleicht ist das in diesem Fall aber sogar ein gutes Omen: Mit Van Gaal auf der Bank marschierten die Bayern damals noch bis ins Finale.

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