Hannover (dpa) - Gerade drei Wochen Winterpause für die Spitzenteams - viel Zeit zur Regeneration oder gar zum fit werden war nicht. Vor dem Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga ist die Situation bei Borussia Dortmund besonders angespannt.

Nach der holprigen Hinserie blickt der neue Trainer Peter Stöger in Bezug aufs Personal ungewiss auf das erste Spiel am Sonntag gegen Wolfsburg. "Wir hoffen, dass im Laufe der Woche wieder alle dazukommen", hatte Stöger noch zu Beginn der Woche geunkt. Es blieb ein frommer Wunsch.

Kapitän Marcel Schmelzer und Raphael Guerreiro fallen mit Verletzungen sicher aus. Marco Reus befindet sich nach seinem Kreuzbandriss noch im Aufbautraining. Dazu erkrankten zum Abschluss des Trainingslagers in Andalusien gleich neun Profis an einem Magen-Darm-Virus. Der Rückflug aus Málaga glich einem Krankentransport: im hinteren Bereich des Fliegers die isolierten infizierten Spieler, vorne der Rest.

"Für mich ist das sehr, sehr ärgerlich. Ich hatte in der Winterpause viel getan und mir für die Rückrunde vorgenommen", klagte Schmelzer über seine Wadenverletzung. Immerhin ist Weltmeister Mario Götze nach einem Bänderriss wieder fit. "Dass die Jungs, die lange raus waren, eine echte Option sind, das ist nach den paar Tagen in Marbella eigentlich die wichtigste Erkenntnis", sagte Stöger, für den es nur ein schwacher Trost sein dürfte, dass auch beim Gegner Wolfsburg in John-Anthony Brooks, Jeffrey Bruma (beide Knieprobleme), dem früheren Dortmunder Jakub Blaszczykowski (Rückenprobleme) und Ignacio Camacho (Sprunggelenks-OP) Stammkräfte wahrscheinlich ausfallen.

Die prominentesten Ausfälle hat indes Spitzenreiter Bayern München zu beklagen. Allerdings sorgen das Fehlen der Langzeitverletzten Manuel Neuer und Thiago sowie die kurzfristigen Ausfälle von Robert Lewandowski und Mats Hummels angesichts von elf Punkten Vorsprung auf Schalke vor dem Spiel am Freitag in Leverkusen nicht gerade für eine Sinnkrise.

Allerdings mahnte Trainer Jupp Heynckes bereits im Hinblick auf die europäischen Aufgaben. "Wenn man in der Champions League erfolgreich sein will, müssen die Spieler, die wichtig für den großen Fußball sind, fit sein." Ein Comeback von Neuer und Thiago ist derzeit aber nicht absehbar. Gegner Leverkusen dürfte der erkältungsbedingte Ausfall von Senkrechtstarter Leon Bailey treffen.

Halbwegs harmlos ist dagegen die Situation beim Tabellenzweiten Schalke, bei dem der potenzielle Bayern-Neuzugang Leon Goretzka nur individuell trainieren konnte. Auch bei Borussia Mönchengladbach hält sich das Klagen bei nur noch einer Handvoll Ausfälle angesichts von bis zu zehn Verletzten in der Hinserie in Grenzen. "Ich bin froh über jeden, der zurückkommt", frohlockte Trainer Dieter Hecking vor dem Derby am Sonntag beim 1. FC Köln, dem Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt nach einer Operation an den Adduktoren fehlt.

Im Tabellenkeller sind die Nord-Rivalen Hamburger SV und Werder Bremen gebeutelt. Beim HSV fehlt Nicolai Müller ohnehin noch. Der Offensivspieler hatte sich nach seinem unglücklichen Jubel im ersten Saisonspiel gegen Augsburg das Kreuzband gerissen. Beim Rückspiel am Samstag fehlen zudem Albin Ekdal und Lewis Holtby. Vor allem Ekdal ist der HSV-Dauerpatient. Diesmal ist ein Innenbandriss im Knöchel Grund für eine Pause. Holtby hat eine Kapselverletzung im Knie.

Werder-Coach Florian Kohfeldt muss die komplette Rückrunde auf Stürmer Fin Bartels verzichten, der nach einem Achillessehnenriss fehlt. Besonders bitter ist zudem der Ausfall von Antreiber Thomas Delaney. Dieser "tut weh", klagte Kohfeldt.

Dessen Hoffenheimer Kollege Julian Nagelsmann gibt auch der kurzen Pause Schuld an der Situation bei der TSG. Zum Trainingsauftakt waren eigentlich noch alle Spieler fit. In Bremen fallen nun aber Nadiem Amiri (Fußprellung) und Kerem Demirbay (Oberschenkelverletzung) aus. Zudem sind Dennis Geiger und Lukas Rupp (muskuläre Probleme) angeschlagen. "Das sind alles ein bisschen Altlasten vom letzten Jahr und auch dem geschuldet, dass der Urlaub so kurz war", sagte Nagelsmann.

Ganz andere Probleme hat nur Hertha-Coach Pal Dardai, der erstmals in dieser Saison keine Langzeitverletzten mehr hat und bei dem sich im Training nun zu viele Spieler tummeln. "30 Spieler - das ist pädagogisch nicht gesund", befand der Ungar.  © dpa