• Der FC Bayern München investiert in Nachwuchsspieler, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber der internationalen Konkurrenz zu kompensieren.
  • Trainer Julian Nagelsmann hat einen Plan, wie man den jungen Spielern eine Perspektive bieten kann.
  • Beispiele wie Joshua Zirkzee beweisen, dass das funktionieren kann.

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In der Bundesliga mag der FC Bayern München die Konkurrenz wirtschaftlich abgehängt haben. Im internationalen Spitzen-Fußball hingegen droht eher das Gegenteil. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn schlug Ende Dezember im "FC Bayern Podcast" Alarm.

"Wir haben Nachteile gegenüber der Konkurrenz", sagte er. "Bei anderen Vereinen gibt es Investoren. Andere Vereine, wie beispielsweise in der Premier League, haben wesentlich mehr Einnahmen aus dem TV-Bereich."

Der FC Bayern München sucht nach Wegen, um diesen Nachteil zu kompensieren. Die Lösung soll im Nachwuchs und in der Talentsichtung liegen. Hier wird ordentlich investiert.

1,2 Millionen Euro Ablöse für einen 16-Jährigen

Aktuelles Beispiel: Der 16-jährige Mittelfeldspieler Jonathan Asp Jensen soll aus Dänemark verpflichtet worden sein. Laut Informationen von "bild.de" wurde eine Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro gezahlt. Bonuszahlungen könnten später noch hinzukommen. Trainer Julian Nagelsmann dämpft allerdings die Erwartungen.

"Er ist noch ein sehr junger Spieler, der erst einmal für die Akademie in Frage kommt", sagt er. Gleichwohl habe er als Trainer mit dafür zu sorgen, dass "solche Talente mit einer hohen Wahrscheinlichkeit dann mit 18, 19, 20, 21 Jahren bei den Profis zu sehen sind. Er hat das Potenzial dazu."

Weiter sagt Nagelsmann: "Es ist gut, dass wir solche Transfers tätigen, um früh junge gute Talente an uns zu binden und vielleicht einen Tick kreativer zu sein als der eine oder andere Club."

Ziyang Liu-Shao: Kommt der nächste Neuer aus China?

Jensen ist nicht der einzige junge Spieler, der noch nie ein Profispiel bestritten hat und dem FC Bayern München dennoch einen Millionen-Betrag wert zu sein scheint. Am 1. Januar wechselte das chinesische Torwart-Juwel Ziyang Liu-Shao nach München und soll dort zunächst im Nachwuchs zum Einsatz kommen. Laut "transfermarkt.de" wurde eine Ablöse von einer Million Euro gezahlt.

Am vergangenen Freitag wurde zudem die Verpflichtung des 18-jährigen südkoreanischen Mittelfeldspielers Hyunju Lee bekanntgegeben. Er wurde vom Erstligisten FC Pohang Steelers zunächst zwar nur ausgeliehen. Doch es gibt eine Kaufoption.

Damit nicht genug: Auch aus dem eigenen Nachwuchs drängen Talente zu den Profis. Der 16-jährigen Paul Wanner und der 18-jährige Lucas Copado profitierten von dem personellen Engpass des FC Bayern und gaben beim Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach beide ihr Bundesliga-Debüt.

Wanner kam am vergangenen Samstag beim 4:0 gegen den 1. FC Köln als Einwechselspieler erneut zum Einsatz, Copado stand immerhin im Kader.

Der Sprung zu den Profis ist groß

Doch die Frage ist: Welche Aussichten haben solche jungen Spieler, wenn all die Top-Stars fit sind? Gibt es überhaupt eine realistische Chance auf regelmäßige Einsätze? "Ich traue mir zu, Ideen zu haben, wie wir jungen Talenten eine Perspektive aufzeigen können", antwortet Nagelsmann.

Dem Trainer ist bewusst, welch große Hürde die jungen Talente zu meistern haben. Jamal Musiala, der mit 18 Jahren bereits ein Leistungsträger des Rekordmeisters ist, muss als Ausnahme betrachtet werden. "Bei uns ist der Schritt, ein Stammspieler zu sein, deutlich höher, weil die Qualität der Einzelspieler höher ist als bei anderen Clubs", weiß Nagelsmann.

Gerade für Spieler, die aus der zweiten Mannschaft des FC Bayern kommen, sei der Schritt groß: "Wir haben sehr viele Spieler, die maximal 3. Liga gespielt haben oder aktuell in der Regionalliga spielen. Daher müssen wir kreative Lösungen haben. Ich habe welche im Kopf, die ich versuche anzustreben, um solchen Talenten wie Paul Wanner, aber auch externen Neuzugängen von 17, 18 Jahren eine Perspektive aufzuzeigen."

Dabei gebe es keinen Grund, ungeduldig zu werden: "Für mich ist es auch okay, wenn ein Spieler erst mit 21 Jahren bei uns aufschlägt. Der muss nicht mit 18 aufschlagen. Er muss nachhaltig aufschlagen."

Leihgeschäfte in die USA sind eine Option

Nagelsmann erklärt sein Konzept: "Diese Nachhaltigkeit müssen wir hinkriegen, indem wir den Spielern eine Perspektive aufzeigen, die oft verbunden ist mit der nötigen Spielzeit in einer idealerweise guten europäischen Liga." Heißt: Junge Spieler sollen verliehen werden.

Dabei wäre sogar die Major League Soccer in den USA eine Option. "Das ist auch nicht so verkehrt. Dort gibt es auch Möglichkeiten", sagt Nagelsmann und spielt damit möglicherweise auf den Partner-Verein FC Dallas an.

Wie sinnvoll eine Ausleihe sein kann, beweist unter anderem das Beispiel Joshua Zirkzee. Der 20-jährige Mittelstürmer entsprang ebenfalls dem Nachwuchs des FC Bayern und wurde in der laufenden Saison an den belgischen Erstligisten RSC Anderlecht verliehen. Seine Bilanz: 26 Pflichtspiele, elf Tore, sieben Vorlagen.

Im Sommer kehrt er mit viel Selbstvertrauen zum FC Bayern zurück und möchte sich durchsetzen. "Das Kapitel Bayern ist noch nicht abgeschlossen", ließ er gegenüber "Voetbal International" verlauten. Aussagen wie diese dürfte Nagelsmann gerne hören.

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenz des FC Bayern München mit Julian Nagelsmann, 14.01.2022
  • fcbayern.com: Folge 24: Oliver Kahn - der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern
  • transfermarkt.de: Ziyang Liu-Shao
  • fcbayern.com: FC Bayern verpflichtet südkoreanisches Talent Hyunju Lee
  • vi.nl: Zirkzee droomt nog steeds van Bayern: 'Dat hoofdstuk is nog niet gesloten'
  • bild.de: Bayern schnappt sich Top-Talent (15)
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