Heute findet das Top-Duell Mönchengladbach gegen FC Bayern statt. Tabellenführer empfängt Meister, aber im Grunde kämpft auch Hansi Flick als Trainer um seinen Job. Neuestes Gerücht: Thomas Tuchel von Paris St. Germain soll wieder Kandidat auf den Cheftrainerposten an der Säbener Straße sein – ab Sommer 2020 zusammen mit Flick?

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Die Bayern haben damit ein Problem. Ihr Interimstrainer Hansi Flick soll einerseits möglichst oft gewinnen, damit die größte Krise seit Jahren zu Ende geht. Andererseits sollte er aber auch nicht zu oft gewinnen, weil sie ihn dann womöglich nicht mehr loswerden und zwangsverpflichten müssen. Das will Karl-Heinz Rummenigge eigentlich gar nicht, weil der kleine Name Flick nicht zu seinem großen Namen und zum noch größeren Namen FC Bayern passt.

Wer den Bayern-Chef kennt, weiß, dass er große Lösungen liebt. Er war deshalb schon kein Niko-Kovac-Fan. Der Kroate war eine kleine Lösung und Uli Hoeneß musste entsprechend viel Überzeugungsarbeit leisten. Schwer vorstellbar, dass Rummenigge ausgerechnet jetzt, nach dem gescheiterten Experiment mit Kovac, eine noch kleinere Dauerlösung anstreben könnte.

Tatsächlich wird öffentlich viel gelobhudelt in Sachen Flick, aber das macht man eben so mit eigenen Trainern, deren Zukunft ungewiss ist. Manchmal geht das sogar bis zur Schmerzgrenze, siehe Dortmund. Dort waren sich zuletzt Spieler und Chefs nicht einmal zu schade, darauf hinzuweisen, dass der in die Kritik geratene Trainer Lucien Favre die Mannschaft gut auf Gegner einstelle – als sei das eine herausragende Fähigkeit, und die anderen 17 Bundesligatrainer könnten das nicht mal annähernd so gut.

Natürlich tut Rummenigge so, als könne Flick auch zur Langzeitlösung werden. Meinen tut er das vermutlich eher nicht und schon gar nicht, wenn Flick jetzt anfängt zu verlieren. So gesehen steht der Badener gegen Mönchengladbach unter Druck: Die zweite Niederlage in Folge gegen ein starkes Team (nach dem 1:2 gegen Leverkusen) würde vieles relativieren, was zuletzt sowieso etwas aufgebauscht worden war, und Flicks Position schwächen.

Einen Trumpf hat Flick aber in der Hand: Ganz offensichtlich haben die Bayern große Mühe, einen Chefrainer von Format zu finden. Sagte nicht Uli Hoeneß vollmundig, man benötige "drei Wochen für die Trainersuche"? Das war am 5. November, also vor genau 32 Tagen, also fast fünf Wochen.

Bisher lief diese Trainersuche in etwa so ab: Irgendwer schreibt einen Namen auf einen Zettel und lässt ihn fallen und ehe der Zettel den Boden berührt, hat sich die Personalie auch schon wieder erledigt. Ob nun Pochettino, Wenger, Tuchel (im ersten Durchgang), ten Hag oder Guardiola.

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Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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