Die statistischen Werte geben keinen Hinweis darauf, was Bayern München falsch gemacht haben könnte. 11:3 Torschüsse und 10:1 Eckstöße gegen Eintracht Frankfurt, dazu eine Passquote von 88 zu 64 Prozent und obendrein 74 Prozent Ballbesitz. Nicht zu vergessen: zwei von drei Zweikämpfen gewonnen. Was lief da um Himmels willen schief am Sonntag?

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Am Ende feierte Eintracht Frankfurt in der Allianz Arena einen 2:1-Sieg, was angesichts der Qualität der Torchancen gar nicht mal unverdient war. Der Sieg hätte höher ausfallen können. Die Bayern hatten keine Entschuldigung für ihre erste Saisonniederlage. Der Schiedsrichter machte keinen Unfug, der Rasen war perfekt geschnitten, das Personal vollständig.

FC Bayern punktgleich mit Bayer Leverkusen

Die Tabellenführung in der Bundesliga: nun punktemäßig im Teilbesitz mit Bayer Leverkusen. (Nur der Tabellenvierte SC Freiburg hat noch keine Niederlage einstecken müssen.) Das Ranking muss nach sieben Spieltagen nichts heißen. Aber Besseres als die überraschende Heimpleite konnte Trainer Julian Nagelsmann nicht passieren.

Denn auch das gehört zur Wahrheit des Spiels am späten Sonntagnachmittag: Eine beängstigende Frühform, wie sie Bayern München in dieser Saison hingelegt hat, verführt jede Mannschaft der Welt zum kruden Gedanken, dass die Dinge auf dem Fußballplatz wie von selbst laufen. Mittwoch noch Kiew 5:0 weggeputzt - was wollen die Frankfurter eigentlich?

Die plötzliche Rückkehr in die Realität befördert die Einsicht, dass der neue Fußball, den Julian Nagelsmann verordnet, eben nicht immer den trainierten Automatismen folgt. Auf das Abwehrbollwerk, das Frankfurt errichtet hatte, fanden die Bayern keine Antwort. Einen Plan B hatte man nicht, als Eintracht-Torwart Kevin Trapp sogar größte Torchancen vereitelte.

Kostic mit dem 2:1

Schlimmer noch: Die Nagelsmann-Idee, Marcel Sabitzer einzuwechseln und damit den Kostic-Gegenspieler Niklas Süle rechts in der Abwehrkette herauszunehmen, leitete die Niederlage ein. Filip Kostic brach auf seiner Seite durch und erzielte das 2:1. Die Lektion für Nagelsmann: Auch Petitessen machen seine scheinbar unbezwingbaren Bayern verwundbar.

Wären die Defizite nicht rechtzeitig aufgeflogen, hätte sich Bayern München möglicherweise in Sicherheit gefühlt, dass man in bester Verfassung überwintert. Das ist aber falsch. Die Hinrunde ist eine einzige Aufwärmphase, bevor im Frühjahr die wichtigen Punkte und Titel vergeben werden. Dann muss man in Bestform sein. Und nicht jetzt.

Allen statistischen Werten zum Trotz: Die Bayern werden sich nun dem Irrglauben nicht hingeben können, dass Dominanz allein die Siege herbeiführt. Eine Mannschaft, die so viel Leidenschaft zeigt wie Eintracht Frankfurt, kann spielerische Nachteile durchaus wettmachen. Der Sieg war kein Zufall - sondern auch eine Lektion für die Bayern.

Mehr aktuelle News zur Bundesliga finden Sie hier

Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier.
Jeden Morgen um 6:10 Uhr bekommen Abonnenten den Kommentar zum Fußballthema des Tages und die Links zu den besten Fußballstorys in den deutschen Medien.

Nagelsmann: So verdaue ich die Niederlage gegen Frankfurt

Julian Nagelsmann und der FC Bayern haben am Sonntag mit 1:2 gegen Eintracht Frankfurt verloren. Wie der Trainer mit Niederlagen umgeht, hat er anschließend verraten. Vorschaubild: picture alliance © DAZN
Teaserbild: © imago images/ActionPictures