Der Eurosport-Player liefert Highlights der anderen Sorte, Balljungen sind wichtiger als gedacht und Thomas Müller wird es sich ganz genau überlegen, bevor er das nächste Mal meckert. Unsere - wie immer nicht ganz ernst gemeinten - Lehren des Spieltags.

Alle Informationen zur Bundesliga-Saison 2017/18

1. Lehre: HSV und "Eurosport" – das passt nicht

Es gibt doch nichts Schöneres, als an einem Freitagabend entspannt Bundesliga zu gucken. Aber nur, wenn man kein HSV-Fan ist. Schon vor zwei Wochen mussten die Hamburger beim 1.FC Köln ran. Das 3:1 des HSV wurde von der Tatsache überschattet, dass es fast niemand mitbekam – dem "Eurosport Player" sei Dank.

Jetzt ging es also gegen RB Leipzig. Die Hamburger verloren mit 0:2. Es soll auch diesmal Leute gegeben haben, die Probleme hatten, ein gutes Signal zu empfangen. Daher hier die Highlights:

Hier das 0:1 durch Naby Keita:

Und hier der wunderschöne Sololauf von Timo Werner zum 0:2:

Durchaus verständlich, dass dem HSV-Trainer Markus Gisdol nach dem Spiel der Kragen platzte: "Da muss ein Punkt gesetzt werden, so kann es nicht gehen. Das ist eine Katastrophe." Und er meinte ausnahmsweise nicht seine Mannschaft, sondern die technischen Probleme des "Eurosport Players".

Am nächsten Spieltag geht es zum Nordderby nach Hannover. Eigentlich genau das richtige für einen Freitagabend. Dreimal dürfen Sie raten, wer dieses Spiel überträgt …

2. Lehre: "Rakete" Werner ist bereit für die Champions League - als einziger

Timo Werner ist momentan in aller Munde. Bepöbelt und beleidigt von einem winzigen, überwiegend hirnlosen Teil der Fans, geliebt vom Rest Fußball-Deutschlands.

Der Stürmer von RB Leipzig spielt aktuell nicht nur in der DFB-Elf groß auf. Beim 2:0-Sieg in Hamburg zeigte der 21-Jährige wieder einmal, was ihn so besonders macht. Mit nahezu Überschallgeschwindigkeit rannte er vom eigenen Strafraum über das gesamte Feld, überholte mit Ball mal eben Diekmeier und Sakai und vollendete eiskalt zum Endstand.

Jubel, Zweikämpfe, Emotionen: Diese Aufnahmen bleiben im Gedächtnis.

Sogar HSV-Spieler André Hahn, ebenfalls schnell unterwegs, zeigte sich begeistert vom Sololauf des Leipzigers: "Timo ist eine Rakete, ein überragender Stürmer. Und eiskalt vor dem Tor."

In der Bundesliga läuft "Rakete" Werner momentan jedem davon, doch jetzt geht es in der Champions League für Leipzig direkt gegen den letztjährigen Halbfinalisten AS Monaco.

Mit Timo Werner ist immerhin einer für die europäische Herausforderung gewappnet. Bei den anderen international auftretenden Bundesligisten kann man sich nach diesem Wochenende da gar nicht mehr so sicher sein.

3. Lehre: Thomas Müller wird nicht mehr so schnell meckern

Aus dem Spiel des FC Bayern bei der TSG 1899 Hoffenheim nur eine Lehre zu ziehen, fällt wahrlich schwer. Nimmt man die kaum zu leugnende Tatsache, dass Carlo Ancelotti nach der 0:2-Niederlage seiner Bayern kurz vor der Entlassung stehen dürfte? Die unumstößliche Wahrheit, dass die Bayern froh sein können, diese Saison unter den ersten Zehn zu landen? Den definitiven Fakt, dass der FCB schon so früh in der Saison mit dem Rücken zur Wand steht?

Äh, ups. Da haben wir doch glatt kurz Bayern mit Bayer verwechselt. Kann ja mal vorkommen.

Dennoch: Der FC Bayern hat verloren, das allein ist eigentlich schon eine kleine Erkenntnis. Sie sind also schlagbar. Da würden wir es uns aber arg leicht machen, und deshalb machen wir es uns lieber noch leichter und widmen uns dem diskussionsbestimmenden Spieler der letzten beiden Wochen: Thomas Müller.

Carlo Ancelotti hatte sich doch tatsächlich, entgegen eigener Aussage, dem Druck der Ex-Spieler, Besserwisser und Nationalmannschaftskollegen ergeben und Müller von Beginn an aufgestellt. Und was machte Müller? Fehlpässe und Rumfuchteln. Qualitäten, die in diesem Spiel tatsächlich nicht hundertprozentig gebraucht wurden.

Thomas Müller wird es sich sehr genau überlegen, wann er das nächste Mal zu einer Meckerei ansetzt. Die Wahrheit liegt eben noch immer auf dem Platz. Manchmal zumindest.

4. Lehre: Balljungen sind wichtiger, als man denkt

Balljungen. Sie sind wie Bienen. Immer irgendwie da. Kaum beachtet. Und trotzdem würden wir ohne sie ganz schön alt aussehen.

Und beide, also Bienen und Balljungen, bekommen eigentlich nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie Mist bauen. Sollte sich eine Biene zum Beispiel zufällig unter der Sohle eines barfüßigen Menschen befinden und diesen stechen – wofür sie im Übrigen ihr Leben lassen muss – dann heißt es gleich "Kruzifix, so ein saublödes Viech".

Beim Balljungen ist das ähnlich. Wirft er den Ball mal nicht schnell genug ein und verhindert so womöglich einen Angriff, dann kann das schon vorkommen, dass er sich von einem Spieler ein paar unschöne Worte anhören müssen.

Umso schöner ist es, dass nach diesem Spieltag ein Balljunge mal ganz positive Aufmerksamkeit bekommt. Als Quasi-Vorbereiter eines Tores nämlich.

Nachdem Bayern-Abwehrchef Mats Hummels den Ball weit in die gegnerische Hälfte gedroschen und dem Spielgerät noch versonnen hinterhergeblickt hatte, schaltete besagter Balljunge bereits in den Angriffsmodus. Er warf Kramaric ein Spielgerät zu, der führte blitzschnell einen Einwurf auf Uth aus, und der traf mit dem Außenrist ins linke Eck.

Und wir wissen nach dieser mustergültigen Vorstellung: Balljungen sind wichtiger, als man immer denkt. Und Bienen übrigens auch.

5. Lehre: Vergesslichkeit ist eine Geißel der Menschheit

Menschen vergessen ständig etwas. Geburtstage, die Namen von Menschen, die sich einem gerade vor drei Sekunden vorgestellt haben, Hochzeitstage, Jacken in Bars nach durchzechten Nächten, obwohl es draußen gerade minus drei Grad hat, und so weiter. Sie kennen das sicher.

Auch Fußballer sind Menschen und deshalb vor dem Vergessen grundsätzlich nicht gefeit. Manch einer vergisst bei einem Angriffslauf auf halber Strecke den Ball mitzunehmen, andere vergessen bei all dem Trubel, der um sie gemacht wird, dass schicke Autos und große Häuser vielleicht nicht alles im Leben sind. Ist ärgerlich, kann aber passieren.

Nany Landry Dimata, Neuzugang vom VfL Wolfsburg, ist offensichtlich auch ein etwas vergesslicher Mensch. Als er für den verletzten Mario Gomez im Spiel gegen Hannover 96 eingewechselt werden sollte, stellte er mit Schrecken beim Ausziehen seines Trainingsanzugs fest: Hose vergessen.

Trainer Andries Jonker tobte, Dimata rannte schnell in die Kabine, suchte die Hose und konnte nach geschlagenen vier Minuten endlich das Spielfeld betreten.

Dass nach dem Spiel von Vereinsseite ordentlich Kritik auf den 21-Jährigen einprasselte ("Ein Spieler ist verantwortlich für seine Hose" – VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe) finden wir jedoch etwas gemein. Schließlich haben die Wolfsburger vergangene Saison doch regelmäßig das Fußballspielen vergessen.