Die Anfangseuphorie bei Borussia Dortmund scheint verflogen. Auf elf Pflichtspielsiege in Serie folgten zwei Unentschieden. In Hoffenheim reichte es trotz Überlegenheit nicht zum Sieg und gegen noch mehr unterlegene Darmstädter schockte den BVB ein Last-Minute-Gegentreffer zum 2:2. Mats Hummels kritisierte seine Mitspieler daraufhin öffentlich. Trainer Thomas Tuchel dafür seinen Abwehrchef.

Die Wut über den Ausgleich in der 90. Minute war bei BVB-Kapitän Mats Hummels so groß, dass er kräftig mit seiner Faust vor eine Werbetafel schlug und danach erst die Fragen des TV-Reporters beantwortete. Schon nach dem 1:1 in Hoffenheim regte sich der Weltmeister noch auf dem Platz auf, pfefferte unmittelbar nach dem Schlusspfiff seine Kapitänsbinde auf den Rasen.

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Der sonst so zurückhaltende Hummels kritisierte nach dem zweiten Remis in Folge öffentlich seine Mitspieler. "Die Einstellung beim Gegentor regt mich voll auf. Fünf, sechs Spieler stehen vor dem Tor, man muss das besser verteidigen", schimpfte der Weltmeister. "Der Spieler schießt ungedeckt aus 13, 14 Metern volley in unser Tor - das ist doch keine Verteidigung." Darmstadt habe "pures Glück" gehabt: "Die waren tot."

Auch Trainer Thomas Tuchel nahm die Mannschaft in die Pflicht: "In den letzten Minuten hatten wir unnötige Ballverluste, haben nicht mehr überzeugend auf eigenen Ballbesitz gespielt. Wir sind enttäuscht, es fühlt sich nach zwei verlorenen Punkten an." Die Kritik von Hummels an seinen Mitspielern lässt er so aber nicht gelten. "Ich tue mich schwer mit dem Satz 'Man muss das besser verteidigen'. Man muss..., das ist für mich eine Floskel. Ich gehe aber davon aus, dass Mats sich von der Kritik nicht ausgenommen hat."

Ausgerechnet eine Woche vor dem Bundesliga-Spitzenspiel gegen den FC Bayern scheint beim BVB etwas die Luft raus zu sein. Sinnbild dafür ist Marco Reus, der nach überstandenem Zehenbruch wie schon gegen Hoffenheim auch gegen Darmstadt in der Startelf stand. Überzeugen konnte er aber erneut nicht. "Er ist fleißig und bemüht, aber es klemmt noch ein bisschen", sagte Tuchel.

Wäre da nicht Pierre-Emerick Aubameyang hätte es noch übler für den BVB ausgehen können. Wie schon in den sechs Ligaspielen zuvor traf der Gabuner gegen Darmstadt - sogar doppelt. Damit hat er als erster Spieler in der Bundesliga-Geschichte an den ersten sieben Spieltagen ein Tor erzielt.

In der Torschützenliste liegt er dennoch einen Treffer hinter FCB-Stürmer Robert Lewandowski (10 Tore). Kommende Woche kann Aubameyang im direkten Duell an dem Münchner vorbeiziehen. Wichtiger ist jedoch ein Sieg. Denn schon jetzt beträgt der Rückstand auf den FC Bayern an der Tabellenspitze vier Punkte. (cai/dpa)