Bis zum Ende der laufenden Saison soll Edin Terzic den BVB als Trainer führen. Unser Autor glaubt jedoch, wenn es für den BVB noch zum Champions-League-Platz reichen soll, kann nur einer helfen: BVB-Berater Matthias Sammer.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Trainer Edin Terzic ist kein Vorwurf zu machen, dass Borussia Dortmund auf dem Rasen ständig stottert. Er hatte weder Einfluss auf den BVB-Kader noch verfügt er über die Erfahrung, Nationalspielern wie Marco Reus oder Emre Can Beine zu machen. Der BVB ist seine erste Bundesliga-Station.

Die BVB-Führung muss sich schon selbst fragen: Haben wir mit den vielen Millionen, die wir ausgegeben haben, das Richtige getan? Immer und immer wieder haben sie die Mentalitätsfrage als Mediengeschichte abgekanzelt. Jetzt kann man sehen, wohin die Ignoranz des Offensichtlichen geführt hat.

Wenn Geschäftsführer Aki Watzke sagt, das 1:2 gegen den direkten Tabellenkonkurrenten Eintracht Frankfurt habe ihn "maßlos enttäuscht", dann kann man ihm nur sagen: Man konnte das kommen sehen - wenn man bereit gewesen wäre, genauer hinzusehen. Lucien Favre ist keine Ausrede mehr.

Den "Bayern-Jägern" fehlt der Biss

Die Mannschaft, die sich als Bayern-Jäger versteht, leistete sich zu oft eine blutleere Vorstellung. Zehn Saisonniederlagen sind die Quittung für einen Müßiggang, der gelegentlich mit Hurra-Auftritten und der Freude über Torjäger Erling Haaland kaschiert wurde. Die Wahrheit ist eine andere.

Alle schwärmen von der Urgewalt, die Haaland verströmt. Ein Tor mehr hat allerdings André Silva von Eintracht Frankfurt geschossen, nämlich 22. Das heißt ja nicht, dass Haaland ersetzbar ist. Nur trübt die Selbstwahrnehmung offenbar den Blick auf die Realität. Andere Klubs verpflichten ebenfalls gut.

Als Dortmund ihnen 2019 Julian Brandt für 25 Mio. Euro abspenstig machte, blieb die Enttäuschung bei den Leverkusenern klein. Maßgebliche Leute bei Bayer 04 wunderten sich eher und sagten: "Ins ganz hohe Regal greifen die Dortmunder halt nicht." Da fragt man sich: Hat denn keiner gewarnt?

Matthias Sammer wurde vor drei Jahren auch deswegen als Berater engagiert, damit zum vorhandenen Talent der notwendige Biss kommt. Er sitzt regelmäßig auf der Tribüne, nimmt an Sitzungen teil, und trotzdem versagt der Kader in letzter Konsequenz. Was tut er sonst für sein Geld?

Jetzt schlägt die Stunde von Matthias Sammer

Ja, Borussia Dortmund hat erstmals seit Jahren das Viertelfinale in der Champions League erreicht und darf ab heute Manchester City testen, die scheinbar Übermächtigen aus der Premier League. Aber selbst wenn das Wunder gelingt: Das Saisonziel liegt woanders.

Das Erreichen der neuen Champions-League-Saison definiert, ob die Spielzeit am Ende erfolgreich war oder nicht. Sieben Bundesliga-Spieltage bleiben noch, um sieben Punkte Rückstand auf Platz vier, der zur Teilnahme an der Königsklasse qualifiziert, aufzuholen. Man braucht das Geld dringend.

Jetzt schlägt eigentlich die Stunde der Wahrheit für Matthias Sammer: Mit seiner Autorität und Erfahrung aus vielen Spieler- und Trainerjahren könnte er als Interimstrainer die Truppe ins Laufen bringen, taktische Mängel abstellen und so die letzten Prozente herauskitzeln, die Dortmund braucht.

Sein Ja-Wort genügt - niemand in Dortmund würde und könnte sich sperren. Allein der Gedanke, dass die Spieler mit ihrem Dienst nach Vorschrift nicht mehr beim Training durchkommen, elektrisiert. Die Lösung beim BVB kann im Saisonfinale deshalb nur sein: Matthias Sammer, bitte übernehmen!

Teaserbild: © imago/MIS/Bernd Feil/M.i.S.