Die Hinrunde ist fast zu Ende, die Fakten sprechen die Wahrheit aus: Schalke spielt am Abgrund. Bundesliga-Schlusslicht mit neun Punkten jetzt, mindestens sieben Punkte Rückstand auf den rettenden Tabellenplatz 16 - das ist schlimm.

Eine Kolumne
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Schalke müsste in der Rückrunde 28 bis 30 Punkte in 17 Spielen holen, um die Aufholjagd erfolgreich zu gestalten. Das wird kaum passieren. So ein 1:6 wie gestern Abend gegen RB Leipzig ist Ausdruck großer Hilflosigkeit.

In zuletzt 36 Auswärtsspielen konnten die Schalker nicht gewinnen. Das ist Rekord. Woher soll der Optimismus kommen, dass die Wende am Sonntag ausgerechnet gegen die Kölner gelingt, die sogar Bayern ein 1:1 abtrotzen?

Nur ein halbes Jahr nach der Bundesliga-Rückkehr ist die Euphorie aus jenem Sieg über den FC St. Pauli verflogen, der seinerzeit den Abschied aus der 2. Liga bedeutete. Die Realität holt Schalke ein: Der erneute Abstieg rückt näher.

Und zur Wahrheit gehört eben auch, dass Schalke in dieser Form nichts in der Bundesliga verloren hat. Die Mannschaft: ohne Elan. Die Führung: geschwächt durch Rouven Schröders Abgang.

"So haben wir nichts in der Bundesliga zu suchen."

Wenn es Positives zu sehen gibt, dann vielleicht diese zwei Mutmacher. Erstens: Schalke hat einen Trainer Thomas Reis, der weiß, wie man eine Mannschaft aufbaut. Zweitens: Die 2. Liga ist keine Katastrophe wie im Sommer 2021.

Damals wusste niemand, ob Schalke den Abgang überhaupt verkraftet. Die Schulden auf dem Konto, der Zoff mit Fans und Tönnies, die Fehlgriffe in der Trainerfrage: Im Verein stimmte rein gar nichts.

Heute sieht's ein bisschen besser aus. Noch ist keine Panik ausgebrochen. Man weiß, dass man die nächste Krise nur im Verbund überstehen kann. Sowas kann zusammenschweißen. Der Kader war halt noch nicht erstliga-reif.

Schon vor der Saison haben sich die Schalker nichts vorgemacht. Jeder wusste: Das Aufstiegsjahr resultiert nicht zwangsläufig im Klassenerhalt. Dass die Ausbeute so miserabel ausfällt: Zugegeben, damit hat niemand gerechnet.

Wenn nicht ein Wunder geschieht, darf sich die 2. Liga 2023/24 zum wiederholten Mal auf einen prominenten Zugang freuen. Die Bundesliga wird's ebenso verkraften wie ein Verein, der den Fußball lebt, egal wo er gespielt wird.

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