Ist Uli Hoeneß bald wieder ein freier Mann? Einem Medienbericht zufolge hat der 63-Jährige Antrag auf Haftentlassung gestellt. Sollte diesem zugestimmt werden, wäre der ehemalige Präsident des FC Bayern in wenigen Monaten auf freiem Fuß.

Uli Hoeneß ist seit einigen Monaten Freigänger. Er darf tagsüber das Gefängnis verlassen und in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern arbeiten, doch Hoeneß muss an mindestens fünf Wochentagen im Gefängnis schlafen.

Vielleicht aber nicht mehr lange: Wie "Bild.de" berichtet, hat der 63-Jährige einen Antrag auf Gewährung der Halbstrafe gestellt. Sollte dem zugestimmt werden, könnte er ab 2. März 2016 auf Bewährung freikommen.

Kein ungewöhnlicher Vorgang

Ex-Bayern-Präsident macht nächsten Schritt zurück in normales Leben.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Laut Strafgesetzbuch Paragraph 58, Absatz 2 kann die Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Wörtlich heißt es dort:

"Schon nach Verbüßung der Hälfte einer ... Freiheitsstrafe ... kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen, wenn die verurteilte Person erstmals eine Freiheitsstrafe verbüßt und diese zwei Jahre nicht übersteigt oder die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, dass besondere Umstände vorliegen ... ."

Hoeneß erfüllt wichtigste Voraussetzung

Hoeneß ist Ersttäter und erfüllt damit die wichtigste Voraussetzung für eine vorzeitige Entlassung. Allerdings wurde er zu deutlich mehr als zwei Jahren Haft verurteilt.

Entscheidend ist in dem langen Satz aber das Wörtchen "oder". Uli Hoeneß und seine Anwälte gehen also davon aus, dass die dort beschriebenen besonderen Umstände in seinem Fall zutreffen. Dies muss die zuständige Strafvollstreckungskammer prüfen.

Nach "Bild.de"-Informationen kamen in den vergangenen fünf Jahren 1.067 Verurteilte nach der Hälfte der Haft frei.

Wie "Bild.de" weiter berichtet, hat der ehemalige Präsident des FC Bayern insgesamt 50 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach gezahlt. Zirka 30 Millionen davon sind demnach beglichene Steuern, rund 17 Millionen Zinsen und drei Millionen Kirchensteuer.

Zukunft des Star-Trainers ist angeblich schon längst geklärt.

Seit 2. Juni 2014 ist Hoeneß in Haft, er wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Im März 2016 hätte Hoeneß die Hälfte seiner Strafe verbüßt.

Hoeneß: "Das war's noch nicht!"

Will er dann wieder Präsident des FC Bayern werden? Bei seinem bislang letzten Auftritt bei einer Mitgliederversammlung des FC Bayern kündigte der 63-Jährige an: "Das war's noch nicht."

Die Aussagen vom Mai 2014 lassen viel Interpretationsspielraum zu. Doch selbst Freunde und Kenner wie Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge oder Hoeneß-Nachfolger Karl Hopfner im Präsidentenamt konnten bislang nicht zur Aufklärung beitragen, was ihr langjähriger Wegbegleiter plant.

"Möglicherweise wäre es für Uli auch besser, ein bisschen mehr das Leben zu genießen, nicht nur immer wieder irgendwelchen Erfolgen hinterherzurennen", sagte Ulis Bruder Dieter Hoeneß vor einigen Monaten. "Aber die Entscheidung muss er selber treffen und wird er auch treffen nach reiflicher Überlegung."

Kann Uli Hoeneß seinen FC Bayern loslassen?

Doch kann Uli Hoeneß loslassen und ohne seinen FC Bayern weiterleben? Aktuell geht er in seiner Aufgabe in der Nachwuchsabteilung auf. Er fachsimpelte aber auch schon mit Cheftrainer Pep Guardiola über Fußball.

Vor knapp drei Wochen genoss ein lächelnder Hoeneß die Grundsteinlegung für das neue Sportgelände des FC Bayern mit Nachwuchsleistungszentrum im Norden Münchens.

Ins Spiel gebracht wurde auch schon die Variante, dass Hoeneß noch einmal Präsident wird und Hopfner ("Ich werde nicht gegen Uli Hoeneß antreten") den Posten im Aufsichtsrat der FC Bayern AG an der Seite von einflussreichen Wirtschaftsführern behält. (am/dpa)