Bayern München und Borussia Dortmund wieder, die alten Rivalen auf Platz 1 und 2 der Bundesliga-Tabelle. Was das 2:1 beim Verfolger-Duell in Mönchengladbach wert war, werden die Dortmunder am kommenden Samstag erfahren. Dann muss der neue alte Bayern-Jäger gegen Schalke ran - und das vor leeren Rängen.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Im Revierderby vergeigte der BVB vorige Saison die Meisterschaft. Wir erinnern uns: Platzverweise für Marco Reus und Marius Wolf, am Ende 2:4 gegen den königsblauen Nachbarn, der Titelkampf vom Trainer für beendet erklärt - schlimmer kann ein Fußballspiel für Schwarz-Gelb kaum laufen.

Das Derby hatte eine hübsche Vorgeschichte. Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider war gerade erst im Amt, als sein junger Torwart Alexander Nübel öffentlich die ersten Lockrufe aus München hörte. Genervt rief Schneider bei Karl-Heinz Rummenigge an und erbat ein Stillhalteabkommen.

“Wir sind doch im Abstiegskampf”, sagte er dem Bayern-Chef. Rummenigge verstand das sofort und nutzte den günstigen Moment: “Dann tut uns den Gefallen und schlagt die Dortmunder”, hörte Schneider. Um einen Sieg gegen den BVB muss man einen Schalker nicht lange bitten. So geschah es.

Was nicht bekannt ist: Als der Sieg perfekt war, zitterte Jochen Schneider ein paar Minuten, ob der Erfolg Gültigkeit behält. Er kennt sich aus mit Statuten. BVB-Jungstar Jadon Sancho war von einem Feuerzeug getroffen worden, direkt vor dem Schalker Fanblock, und musste eine Weile behandelt werden.

Schneiders Sorge war: Wenn Sancho noch nicht zurück auf dem Spielfeld gewesen wäre, als Daniel Caligiuri den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, hätte Dortmund einen viel versprechenden Anlass zum Protest gegen die Wertung des Spiels gehabt. Sofort ließ er heimlich die Sachlage prüfen.

Die Entwarnung folgte prompt: Sancho war zurück auf dem Spielfeld, als das Elfmetertor fiel. Ein paar Sekunden nur - aber das reichte. Schneider erzählte von diesem Schreckmoment ein paar Monate später und schnaufte hörbar durch. Revierderby und Abstiegskampf sind nichts für schwache Nerven.

Damit sind wir endgültig bei Lucien Favre angelangt. Damals hatte der BVB-Trainer, weil letztes April-Wochenende, den Titelkampf voreilig für beendet erklärt und sich erstmals den Zorn der BVB-Führung zugezogen. Seit dem Sieg in Gladbach klingt er titelhungrig. “Endlich!”, möchte man sagen.

Nun wird das Spiel vor leeren Rängen stattfinden. Eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Noch kann keiner sagen, wie es in der Bundesliga weitergeht. BVB und Schalke werden am Samstag dennoch ihr Bestes geben.

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