Der FC Bayern München feiert gegen Benfica Lissabon einen 5:1-Kantersieg und verschafft Trainer Niko Kovac ein wenig Luft. Phasenweise erinnerte der Auftritt an die siegestrunkenen Jahre - es bleibt nüchtern betrachtet aber dennoch genug Grund zur Skepsis.

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So ein bisschen wehte die Erinnerung an die besseren Tage durch die Allianz Arena. Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatte der FC Bayern München die Partie gegen ein erschreckend schwaches Benfica Lissabon mit durchaus schönen Toren, erzielt von den Altmeistern Robert Lewandowski und Arjen Robben, entschieden.

Der Niederländer schnürte sogar einen Doppelpack und wirkte so aufgedreht, motiviert und positiv wütend wie schon lange nicht mehr. Nur folgerichtig drückte er dies mit zwei klassischen Robben-Treffern aus, mit nach innen abgekappten Läufen, zwei, drei Finten und satten Schüssen ins Kreuzeck, einmal nach Robben-Lehrbuch ins lange Eck, beim zweiten Tor in die kurze Ecke.

Mats Hummels ist im Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon krankheitsbedingt ausgefallen. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, sich auf Twitter über den Sieg zu freuen und seine wortlose Genugtuung zum Ausdruck zu bringen - ein Seitenhieb gegen die Kritiker.

Es war der erste Doppelpack des Niederländers in der Champions League seit dem 7:1 gegen die Roma vor über vier Jahren.

Am Ende siegten die Bayern mit 5:1 (3:0) und haben einen Spieltag vor Schluss das Achtelfinale der Champions League schon sicher erreicht.

Es war ein vergnüglicher Abend nach Wochen der Tristesse, die Mannschaft spielte vor den gestrengen Augen der Patrone Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge dieses Mal konzentriert und aufmerksam, willig und entschlossen.

Die Bayern brachen nicht schon wieder ein wie noch am vergangenen Wochenende gegen Fortuna Düsseldorf in der Liga, sie ließen sich vom schnellen Gegentreffer direkt nach der Pause nicht einschüchtern, sondern schlugen zurück, wie man das von den Bayern eigentlich auch gewohnt ist.

Nochmal Lewandowski und Franck Ribéry schraubten das Ergebnis auf 5:1. Es war Ribérys erstes Tor in der Königsklasse nach über dreieinhalb Jahren. Ein echtes Ausrufezeichen der alten Riege.

Ein persönliches Endspiel für Niko Kovac

"Wir haben heute sehr konzentriert agiert und gut verteidigt. Endlich hat die Mannschaft geschafft, die Leistung über 90 Minuten zu bringen und sich zu belohnen", sagte Niko Kovac nach dem Spiel am "Sky"-Mikrofon. Für den Bayern-Trainer war es so etwas wie ein persönliches Endspiel.

Bei einer Niederlage hätte es an der Säbener Straße gepoltert und auf der anstehenden Mitgliederversammlung des Klubs am Freitag. Und womöglich wäre Kovac dann beim nächsten Spiel am Wochenende in Bremen schon nicht mehr Bayern-Trainer gewesen.

Nachdem in den letzten Wochen recht wenig von Hasan Salihamidzic zu hören gewesen war und stattdessen Hoeneß und Rummenigge wortgewaltig wie lange nicht aufgetreten waren, überließen sie an diesem Abend ihrem Angestellten das Feld.

"Der Hasan redet heute. Ich bin sehr zufrieden", war Hoeneß nur zu entlocken. Also redete Hasan, zumindest ein wenig. "Die Mannschaft hat Verantwortung übernommen und endlich wie Bayern München gespielt, und für den Trainer und für den Klub", freute sich der Sportdirektor, der quasi im Gleichklang zu Kovac heftig in der Kritik steht.

Es ist nicht alles wieder gut

Die Verantwortlichen und auch die Bayern-Profis sollten aber wohl besser nicht davon ausgehen, dass nun alles wieder gut ist, dass sich die Probleme mit ein paar Toren und einem guten Auftritt gegen Benfica in Wohlgefallen aufgelöst haben.

Benfica war in dieser Form kein Gradmesser. Durch das Ergebnis der vorgezogenen Partie zwischen Athen und Ajax (0:2) wussten die Portugiesen, dass ihre Chance auf das Erreichen der K.o.-Runde gen Null tendierte, sie dafür aber sicher in der Europa League dabei sind. Entsprechend unmotiviert trat Benfica auch auf.

So schön die Bayern-Tore auch waren, wurde wieder nur eines aus dem freien Spiel heraus erzielt. Die Bayern zeigten einige alte Stilmittel, das Positionsspiel, das Hinterlaufen wie vor Ribérys Tor, dem einzigen aus dem Spiel heraus, dem eine durchgängige Kombination gegen einen tief stehenden Gegner vorausging.

Aber auch genug Fehler, die Benfica bis auf die eine Szene beim Gegentor nicht zu nutzen wusste.

Kein Kontakt zu Arsene Wenger

Die meisten Teams in der Bundesliga sind nicht so leichtsinnig wie diese blutleeren Portugiesen - und auf die Bayern warten noch schwere Aufgaben, unter anderem gegen Bremen, Leipzig und Frankfurt. Und in zwei Wochen natürlich das Endspiel um den Gruppensieg in der Champions League in Amsterdam.

Es darf bezweifelt werden, dass Kovac bis zur Winterpause noch eine tragfähige Spielidee entwickeln kann. Die Bayern werden sich bemühen müssen, um verlässlich zu punkten.

Hoeneß hatte eine Analyse nach dem Benfica-Spiel ausgeschlossen, unabhängig vom Ausgang der Partie. Diese wird intern erfolgen und offenbar nicht die Debatten um einen möglichen Kovac-Nachfolger als zentrales Thema haben.

Auf die Frage, ob es schon Kontak zu Arsene Wenger gegeben habe, antwortete Salihamidzic klipp und klar: "Nein, hundertprozentig nein."

Also vorerst bleibt es bei Kovac. Für einen Teil der angeblich in Kovac-Befürworter und -Gegner gespaltenen Mannschaft eine gute Nachricht. "Ich habe mich wirklich für ihn gefreut", sagte Robben. "Das hat sich Niko Kovac verdient, auch als Mensch. Er gehört zu uns. Er reißt sich auch den Arsch auf. Ich habe mich wirklich gefreut."

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