Der Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus verschiebt die Machtverhältnisse in der Champions League. Real Madrid ohne seinen Superstar dürfte nicht mehr der große Dominator sein. Die Konkurrenz lauert - allen voran der neue Klub von CR7. Von den deutschen Klubs sollte man indes nicht zu viel erwarten.

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In der abgelaufenen Saison ist ihm noch das schönste Tor des Wettbewerbs für Real Madrid gelungen - gegen Juventus. Nun soll Cristiano Ronaldo die königlichen Seriensieger entmachten und den Henkelpott endlich wieder nach Turin tragen.

Die Gemengelage vor der anstehenden Champions-League-Saison hat sich durch den Blockbuster-Transfer von CR7 nachhaltig verschoben.

In den letzten 20 Jahren ist es nur dem FC Porto gelungen, in die Phalanx der ganz Großen einzudringen und überraschend den wichtigsten Vereinstitel der Welt davonzutragen. Ansonsten stehen in den Siegerlisten ausnahmslos bekannte Größen und solche, die es zum Zeitpunkt des Triumphs mal waren.

Die Königsklasse ist spätestens ab dem Halbfinale ein exklusiver Zirkel, aber innerhalb dieser kleinen Gruppe von Klubs ordnen sich die Kräfteverhältnisse immer wieder neu an.

Der Sport ist körperlich und geistig anspruchsvoll; die richtige Ausstattung hilft dabei, schnell die Freude an der Trend-Sportart zu finden.

Juventus hat den Unterschiedspieler

Ronaldo selbst hat die Waage schon einmal kippen lassen. Vor seinem Wechsel von Manchester nach Madrid im Jahr 2009 holte er mit United noch die Krone Europas.

Madrid versuchte sich zu diesem Zeitpunkt schon über zehn Jahre vergeblich an La Decima, dem zehnten Triumph der Klubgeschichte. Zwar benötigte auch Ronaldo fünf Jahre Anlaufzeit mit Real, dann aber holte Madrid vier der letzten fünf Titel. ManUnited sitzt seitdem auf dem Trockenen.

Fünf Jahre wird sich Ronaldo mit der Alten Dame nicht mehr Zeit lassen können. Der Superstar ist immerhin auch schon 33 Jahre alt und auch wenn man sich das momentan nicht so recht vorstellen kann, so nagt der Zahn der Zeit auch am wohl besten Athleten, den dieser Sport je gesehen hat.

Juventus hat jetzt den Unterschiedspieler schlechthin in seinen Reihen und damit ganz ordentliche Voraussetzungen, nach den vielen Finalniederlagen zuletzt endlich wieder den großen Wurf zu landen.

Am Kollektiv hat es den Turinern ja eigentlich noch nie gemangelt. Aber die großen Titel holten zuletzt fast ausschließlich die Klubs mit den ganz großen Spielern, wie Real mit Ronaldo und Barca mit Leo Messi. Die Bayern, Chelsea und Inter bilden die Ausnahmen von der Regel.

Mit dem Transfer von CR7 - von allen noch aktiven Spielern der einzige, der die Königsklasse schon fünfmal gewinnen konnte - hat Juventus seine Hausaufgaben jedenfalls gemacht.

Für den portugiesischen Superstar gibt der italienische Meister aus Turin rund 400 Millionen Euro aus - ein sehr teures und riskantes Geschäft. Doch die "Alte Dame" der Serie hofft auf einen einmaligen Boom durch Cristiano Ronaldo und sprudelnde Einnahmen, unter anderem durch Trikotverkäufe und eine neue internationale Strategie.

Wie hungrig ist Real Madrid noch?

Real Madrid dagegen wird nicht nur sein Spiel umbauen müssen, sondern einige Monate nicht so genau wissen, wie gut und hungrig die Mannschaft noch ist. Ronaldo war in seinen letzten Jahren in Madrid der Spieler für die wichtigen Momente. In den Gruppenphasen nahm er sich immer mehr zurück, spielte rationaler und effizienter. Um dann im Frühjahr voll da zu sein.

Reals neuer Trainer Julen Lopetegui bastelt schon an einer neuen Ausrichtung mit einer anderen Aufgabenverteilung für seine Stars. Aber in der Liga werden Lopeteguis Maßnahmen nur sehr selten geprüft werden. Die kniffligen Aufgaben warten in der K.o.-Phase. Und da vermag aktuell niemand einzuschätzen, wie sehr Ronaldo Real tatsächlich fehlen wird.

Zumal mit Zinedine Zidane ja auch der Trainer für die wichtigen Spiele nicht mehr an Bord ist. Lopetegui mag der bessere Taktiker und Theoretiker sein. Aber Zizou war eine Institution, ein Menschenfänger und einer der wenigen in seinem Berufsstand, zu dem selbst Spieler wie Sergio Ramos oder Ronaldo noch aufblickten. Der Titelverteidiger ist damit definitiv eine Wundertüte.

Was reißen ManCity, PSG und Liverpool?

Mit Problemen dieser Art müssen sich Manchester City oder Paris Saint-Germain nun wirklich nicht rumschlagen. Die Powershopper des europäischen Fußballs unternehmen den nächsten Anlauf auf den Thron.

Pep Guardiola hat bei den Citizens zwar einen Vertrag bis zum Sommer 2021, streng genommen also noch genug Zeit. Aber Guardiola steht vor seiner dritten Champions-League-Saison mit City und kämpft auch gegen den Malus an, außerhalb seines Biotops beim FC Barcelona in den großen Spielen nicht abliefern zu können.

City bringt von allen Mannschaften zusammen mit Barca vielleicht das beste Gesamtpaket mit: Eine durch und durch herausragend besetzte Mannschaft, die zudem eingespielt ist und genug Antrieb besitzt.

PSG wird sich hingegen erst an seinen neuen Trainer Thomas Tuchel gewöhnen müssen und der Trainer erst an seine Mannschaft. Und an die vielen Stars, allen voran Edinson Cavani und natürlich Neymar. Das kann ganz wunderbar funktionieren, aber eben auch böse in die Hose gehen.

Mehr als ein Geheimfavorit dürfte der FC Liverpool sein. Nicht nur, weil es die Reds zuletzt ja bis ins Finale geschafft haben. Jürgen Klopp hat auf dem Transfermarkt richtig zugeschlagen, das Team nochmals in verschiedenen Mannschaftsteilen verstärkt.

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FC Bayern München und Co.: Dabei sein ist alles

Und was ist mit den deutschen Vertretern? Auch in München gibt es einen neuen Trainer und eine Mannschaft im Umbruch. Die Oldies Arjen Robben und Franck Ribery gehen in ihre womöglich letzte Saison, Niko Kovac ist dagegen unter den Trainern der großen Klubs zusammen mit Lopetegui des einzige Greenhorn in der Königsklasse.

Die Bayern können immer gefährlich werden, aber zu den Topfavoriten sollte man die Münchener eher nicht zählen.

Borussia Dortmund, 1899 Hoffenheim und Schalke 04 sind aus unterschiedlichen Gründen froh, überhaupt dabei zu sein.

Mit der Titelvergabe dürfte das Trio nichts zu tun haben, und wenn man sich das Abschneiden deutscher Klubs in den letzten Jahren vor Augen führt, sollte das eine große Ziel jeweils sein, überhaupt in der Champions League zu überwintern. Heute Abend nach der Gruppenauslosung (ab 18 Uhr bei uns im Live-Ticker) steht dann auch fest, gegen wen sich die deutschen Teams dafür durchsetzen müssen.

Das zu schaffen, wäre schon ein Erfolg - und alles darüber hinaus eine schöne Zugabe.