Fußball: Diese deutschen Großstädte haben keinen Profiverein

Jede deutsche Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern hat auch eine Profi-Fußballmannschaft? Falsch gedacht. 23 von 81 solcher Städte haben tatsächlich keinen Verein, der in einer der ersten vier Ligen vertreten ist. Ein Überblick. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bottrop - 118.000 Einwohner: Gegründet wurde der VfB Bottrop vor mehr als 100 Jahren im Jahr 1900. Seine besten Jahre hat der Verein allerdings schon lange hinter sich oder wie Fußballhistoriker Hardy Grüne einst sagte: Der Verein sei das "Paradebeispiel für den tragischen Verlierer". Während die Mannschaft in der Nachkriegszeit noch in der zweiten und dritten Liga spielte, ist sie heute in der Bezirksliga (Stufe 7) zu finden.
Bremerhaven - 114.000 Einwohner: Die Hafenstadt besitzt zwar vier Mannschaften in der Bremer Oberliga (Stufe 5), allerdings hat es darüber hinaus für keinen der Vereine gereicht. Während der OSC Bremerhaven in den 70er Jahren für kurze Zeit in der zweiten Liga spielte, ist er heute tabellarisch hinter SFL Bremerhaven, Leher Turnerschaft und FT Geestemünde zu finden.
Erfurt - 214.000 Einwohner: Kaum zu glauben, aber auch die Landeshauptstadt Thüringens kann derzeit keinen Verein in den ersten vier Ligen vorweisen. Der FC Rot-Weiß Erfurt ist seit der Saison 2020/21 kein Teil der Regionalliga mehr, nachdem der Verein Insolvenz anmelden musste. Der ehemalige DDR-Meister spielt nun um die Rückkehr in den Profibereich.
Erlangen - 113.000 Einwohner: Obwohl das mittelfränkische Erlangen eine Großstadt ist, hat es für keinen Verein der Stadt bisher für eine der vier obersten Ligen gereicht. Derzeit spielen der SC Eltersdorf (Bild) und der ATSV Erlangen in der Bayernliga Nord. Seit geraumer Zeit wird über eine mögliche Fusion der beiden Vereine spekuliert.
Göttingen - 119.000 Einwohner: Ebenfalls Gerüchte über mögliche Fusionspläne schwirren immer wieder in Göttingen umher. Denn bisher reichte es auch hier für keinen Verein über die fünfte Liga hinaus. Dort spielt derzeit die SVG Göttingen in der Oberliga Niedersachsens.
Gütersloh - 101.000 Einwohner: Die Glanzjahre des FC Gütersloh scheinen vorbei zu sein. Das Team spielt derzeit in der Oberliga Westfalen und somit der fünften Liga, obwohl es in den späten Neunzigern noch in der zweiten Liga zu finden war. Ob sich das in den nächsten Jahren wieder ändern wird?
Hamm - 180.000 Einwohner: Die bestplatzierten Vereine der 180.000-Einwohner-Stadt sind derzeit Westfalia Rhynern (Fans hier im Bild), der für kurze Zeit in der Regionalliga spielte, und die Hammer SpVg. Beide Mannschaften sind in der Oberliga Westfalen und somit der fünften Liga vertreten. SC Eintracht Hamm hätte es in den 80er Jahren fast in die zweite Liga geschafft. Mittlerweile fusionierte der Verein mit SV 26 Heessen und ist in der Bezirksliga Westfalen (Liga 7) anzutreffen.
Heidelberg - 161.000 Einwohner: Große fußballerische Erfolge wurden bisher von keinem Fußballverein Heidelbergs eingefahren. Der erfolgreichste Klub, die SG Heidelberg-Kirchheim, schaffte es einst nur bis in die Oberliga und spielt derzeit genau wie die Freien Turner Kirchheim in der Landesliga Rhein-Neckar.
Heilbronn - 127.000 Einwohner: Nicht weit entfernt liegt im Norden Baden-Württembergs Heilbronn. Dort zählte man lange Zeit auf den VfR Heilbronn. Über acht Spielzeiten spielte die Mannschaft in den 50er, 60er und 70er Jahren immerhin in der zweiten Liga. Nach Insolvenz und einigen Fusionen in den frühen 2000er Jahren wurde 2018 ein neuer VfR Heilbronn gegründet. Heute reicht es allerdings nur noch für die Bezirksliga.
Herne - 156.000 Einwohner: Gleich zwei ehemalige Zweitligisten finden sich in der Großstadt: Westfalia Herne und DSC Wanne-Eickel. Doch die damaligen Erfolge sind heute nur noch eine Erinnerung an bessere Zeiten. Westfalia spielt derzeit in der Oberliga Westfalen, der DSC in der Westfalenliga.
Ludwigshafen am Rhein - 172.000 Einwohner: Die größte Stadt der Pfalz schaffte es schon zwei Mal mit einem Fußballverein bis in die Regionalliga: Sowohl der FSV Oggersheim als auch der SV Südwest Ludwigshafen waren einst in der dritten Liga vertreten, doch sind seither abgestiegen. Das aktuelle Steckenpferd Arminia Ludwigshafen verfehlt die vier höchsten Ligen knapp und spielt derzeit in der Oberliga (Liga 5).
Moers - 104.000 Einwohner: Von der Oberliga in die Kreisliga, dieses Schicksal muss der MSV Moers verkraften, der Ende der 70er Jahre noch in der dritten Liga spielte. Der SV Scherpenberg der Großstadt spielt hingegen in der Landesliga (Liga 6).
Mülheim an der Ruhr - 171.000 Einwohner: Auch Mülheim an der Ruhr hat einen Verein mit starkem Abstieg zu verbuchen. Denn zwischen 1974 bis 1976 spielte der 1. FC Mülheim noch in der 2. Bundesliga (hier im Bild). Heute reicht es nur noch für die Kreisliga A und somit Liga 8. Besser läuft es für die DJK Blau-Weiß Mintard, den Mülheimer FC und den VfB Speldorf. Sie kicken in der Landesliga (Liga 6).
Neuss - 154.000 Einwohner: In der Nachkriegszeit schaffte es der VfR Neuss bis in die Landesliga und somit höchste Amateurklasse seiner Zeit. Doch diese Erfolgstage sind lange gezählt. Heute findet man den Verein in der Kreisliga.
Pforzheim - 126.000 Einwohner: Trotz der Fusion der ehemaligen Erfolgsvereine Pforzheims, dem 1. FC und dem VfR, zum 1. CfR Pforzheim (hier im Bild) schafft es die Mannschaft aktuell nur bis in die Oberliga (Liga 5). Vor der Fusion waren die beiden Mannschaften auch in höheren Ligen vertreten.
Recklinghausen - 111.000 Einwohner: Momentan schafft es kein Verein aus Recklinghausen über die Bezirksliga hinaus. Am besten schlagen sich derzeit Genclikspor, SF Stuckenbusch und SG Suderwich auf Ligenstufe 8. Dabei hatte man mit dem 1. FC Recklinghausen einen Oberligisten in den 80er und 90er Jahren in der Stadt. Doch der Verein ging Konkurs und sein Nachfolger, der FC 96, schaffte es lediglich bis in die Kreisliga A.
Remscheid - 111.000 Einwohner: Zuletzt konnte der FC Remscheid mit dem Engagement von Thorsten Legat (Bild) als Trainer 2015 bis 2016 Aufmerksamkeit erregen. Vom einstigen Spiel in der zweiten Liga ist man dafür heute weit entfernt. Den FCR findet man zurzeit in der Landesliga (Stufe 6).
Reutlingen - 116.000 Einwohner: Ebenfalls lange vergangen sind die Erfolge in den höheren Ligen des SSV Reutlingen 05. Während der Verein seit zehn Jahren in der Oberliga Baden-Württemberg (Stufe 5) kickt, spielte er 1950 noch um die Deutsche Meisterschaft und war später in der zweiten Liga.
Salzgitter - 104.000 Einwohner: Die erfolgreichsten Mannschaften Salzgitters sind im Moment der KSV Vahdet und SC Gitter. Beide Teams spielen in der Landesliga (Stufe 6). Dabei galt der SV Union Salzgitter in den 70er Jahren als potentieller Aufsteiger in die zweite Liga – und scheiterte knapp. Heute reicht es für die Mannschaft nur noch für die Bezirksliga (Stufe 7).
Siegen - 103.000 Einwohner: Die Sportfreunde Siegen, die 1899 gegründet wurden, gelten als das Aushängeschild der Stadt. 2005/06 schaffte es die Mannschaft sogar bis in die zweite Bundesliga, stieg aber nach einer Saison bereits wieder ab. In den vergangenen Jahren spielte der Verein dann abwechselnd in der Regionalliga West und der Oberliga Westfalen (Liga 5), in der sich die Sportfreunde auch gerade befinden.