Wieder nur ein Titel für den FC Bayern. Trainer Jupp Heynckes muss seine große Karriere mit einer schmerzhaften Pokalpleite beenden. Nachfolger Niko Kovac kommt im Sommer als Cup-Sieger. Heynckes hat nun ganz andere Ziele. Thomas Müller macht dagegen das Champions-League-Aus gegen Real Madrid für die Niederlage verantwortlich.

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Zu den Klängen von "Time To Say Goodbye" hielten die Edelfans beim nächtlichen Bayern-Bankett Schals mit der Aufschrift "Jupp, Jupp, Jupp" in die Höhe. Genießen konnte Jupp Heynckes seinen emotionalen Abschied vom deutschen Fußball-Rekordmeister aber nicht.

Der 73-Jährige und seine mit betretenen Mienen auf der Bühne aufgereihten Stars steckten noch mitten in der Frustbewältigung der Pokal-Schmach. "Es gibt so Tage, die sind gebraucht", haderte Heynckes nach dem letzten Spiel seiner herausragenden Karriere. "Mit 73 Jahren weiß man nicht, wie lange man noch zu leben hat. Ich möchte ab nächster Woche wieder mein Leben genießen."

Sein geliebtes Ensemble um Kader-Rückkehrer Manuel Neuer wirkte nach der Pleite gegen den künftigen Bayern-Coach Niko Kovac schon etwas schuldbewusst, weil man dem scheidenden Tripletrainer von 2013 nicht das Double zum Laufbahnende geschenkt hatte.

Thomas Müller: "Riesenriesenmist"

"Es fühlt sich an wie eine Riesenriesenniederlage und wie ein Riesenriesenmist", sagte Kapitän Thomas Müller nach der vierten Bayern-Niederlage im 22. Pokalendspiel. "Man steht mit einem Meistertitel da, der emotional schon im Februar geholt wurde - und dementsprechend ist die Ernüchterung extrem." Nationalteamkollege Joshua Kimmich sprach trotz der Meisterschaft sogar von einer "brutal enttäuschenden Saison".

"Natürlich hat uns das Aus gegen Real Madrid unter ähnlichen Umständen so ein bisschen den Zahn gezogen", erklärte Müller.

Das Champions-League-Aus gegen Real wirkt immer noch nach, das 1:3 gegen Eintracht Frankfurt vergrößerte die Leiden. "Es gibt ja dieses schöne Sprichwort, das heißt, in guten wie in schlechten Zeiten. Heute hatten wir mal einen schlechten Tag", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Dieser Tag sorgte dafür, dass der deutschen Branchenprimus nunmehr in drei der vergangenen vier Spielzeiten nur mit einer der drei großen Trophäen aus der Saison geht. Und nur ein Titel, das betonte Präsident Uli Hoeneß schon vor einem Jahr, sei auf Dauer zu wenig für seinen stolzen Club.

Rummenigge: Eintracht hatte "ein Stück mehr Wille"

"Auf jeden Fall, vor allem mit den Möglichkeiten, die wir hatten", stimmte Weltmeister Mats Hummels zu. "Wir waren nicht am Maximum. Es hat an vielen Ecken und Enden insgesamt gefehlt." Rummenigge machte beim Gegner bei dessen erstem Titelgewinn seit 30 Jahren "ein Stück mehr Leidenschaft, ein Stück mehr Wille" aus.

"Sie wollten dieses Spiel mit aller Gewalt gewinnen. Diesen kleinen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen", konstatierte der Vorstandschef, dem "Jupp" an diesem Abend "leid" tat. "Er geht jetzt in den mehr als verdienten Ruhestand. Genieße die Zeit. Du hast Großartiges geleistet bei Bayern München."

Ein Pokalsieger steht in der neuen Saison aber in den Münchner Reihen. Der künftige Coach Kovac dokumentierte bei seinem Frankfurter Abschied Titelqualitäten. Im Sommer nimmt der frühere Bayern-Profi seine Arbeit an der Säbener Straße auf. "Jeder Titel bringt Selbstbewusstsein. Wir haben ihn verpflichtet, weil er ein cleverer Trainer und Mann ist. Mit so einem Sieg wächst der Respekt, Glückwunsch an ihn", sagte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Schiedsrichter Zwayer sorgte für Ärger

Für das Standing von Kovac im neuen Club war der Frankfurter Pokaltriumph dank Doppeltorschütze Ante Rebic sicher hilfreich. Der 46-Jährige wird überlegen, ob personell noch etwas nachzubessern ist in seinem neuen Team. Bislang steht der Zugang von Leon Goretzka (FC Schalke 04) fest; dazu kommt der an Hoffenheim ausgeliehene Serge Gnabry zurück.

Für Ärger sorgte am Samstagabend Schiedsrichter Felix Zwayer an dessen Geburtstag. In der Nachspielzeit entschied sich der Referee nach dem Videostudium gegen einen Bayern-Strafstoß, obwohl Frankfurts Kevin-Prince Boateng den Münchner Javi Martínez im Strafraum gefoult hatte. "Den Videobeweis kann man noch deutlicher überdenken, als man es vielleicht eh schon tut", monierte Hummels.

Für den Balkonbesuch am Sonntag in München mussten sich die Stars noch einmal aufraffen. "Ein bitterer Gang, aber die Fans haben sich das verdient", sagte Müller. "Das werden wir auch noch überstehen", erklärte Heynckes, der mit dem Großteil der Stars bei der Frankfurter Pokalfeier im Stadion früh in den Katakomben verschwunden war.

Dafür hatte es Kritik gegeben. "Da muss ich ganz ehrlich zugeben, dass in dem Moment die Spieler und ich sicher nicht dran gedacht haben", sagte der Sportsmann. "Die Eintracht ist ein würdiger Pokalsieger." (ms/dpa)

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