Italien hat Joachim Löw im WM-Halbfinale 2006 und im EM-Halbfinale 2012 einst schwere Niederlagen beigebracht. Jetzt kehrt das ewige Duell im EM-Viertelfinale wieder. Wie der Bundestrainer spielen dürfte, ob Löw der Viererkette treu bleibt und welche Optionen er hat, um während des Spiels zu reagieren. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kanzlerin wird auch zum Viertelfinale nicht nach Frankreich reisen.

Deutschland gegen Italien - was für ein Klassiker. Für Bundestrainer Joachim Löw ist klar: Wenn am Samstagabend (21:00 Uhr, LIVE bei uns Ticker) das DFB-Team und die "Squadra Azzura" im Viertelfinale gegeneinander spielen, bekommen es die bislang besten Mannschaften der EM 2016 miteinander zu tun. Beeindruckend leidenschaftlich setzte sich Italien im Achtelfinale gegen Titelverteidiger Spanien durch. Die Iberer scheiterten mit ihrem dominanten Ballbesitzfußball an der italienischen Mauer.

Droht Deutschland dasselbe Ungemach? Wie dürfte Löw gegen den defensivstarken Gegner spielen lassen? Und wie wird der Bundestrainer wohl reagieren, sollte es nicht laufen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit welchem System wird Löw spielen?

Mit dem konventionellen 4-2-3-1. "Diese Mannschaft versteht es, die Räume eng zu machen, und ist zweikampfstark", sagt Löw über Italien. "Es ist imponierend wie Italien spielt." Mit besagter Formation kann Löw taktisch das kompakte 3-5-2 der Italiener auseinandernehmen - bestenfalls.

Ein Plus: Defensivstratege Daniele De Rossi droht auszufallen. Der Mann, der 2012 im EM-Halbfinale überragend gegen Deutschland spielte, hatte in der Partie gegen Spanien einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen. Sein Ersatz Thiago Motta fehlt wegen einer Gelb-Sperre. Das erhöht die Chancen der Deutschen auf Dominanz im Mittelfeld.

Bleibt Löw bei der Viererkette mit zwei offensiven Außen?

Ja. Die Stürmer Graziano Pellè und Éder Citadin Martins spielen ein starkes Turnier, vor allem im schnellen Umschaltspiel bringen sie ihre Fähigkeiten ein. Löw setzte zuletzt mit Jonas Hector und Joshua Kimmich auf zwei offensive Außenverteidiger. Ein Risiko? "Italien steht im klischeehaften Sinn für den Catenaccio", meint Innenverteidiger Mats Hummels. "Wir verteidigen sehr hoch. Legt man es zu defensiv aus, könnte man Gefahr laufen, die Kontrolle im Mittelfeld zu verlieren."

Der neue Abwehrstar des FC Bayern bringt es auf den Punkt. Deutschland tut gut daran, nichts an seiner offensiven Ausrichtung zu ändern. Erstens, spielt das DFB-Team zielstrebiger als die Spanier vor dem Tor. Zweitens, werden durch die offensiven Hector und Kimmich Italiens bisher hervorragende Außenspieler Alessandro Florenzi und Mattia De Sciglio gebunden – und damit das Umschaltspiel ordentlich erschwert.

Wer steht wohl in der Anfangsformation?

Löw dürfte nicht umstellen. Julian Draxler überragte gegen Slowakei. Raumdeuter Thomas Müller dürfte zudem hinter Sturmspitze Mario Gomez wieder alle Freiheiten bekommen. Müller, bei der EM noch ohne Tor, traf in den letzten vier Duellen im Klub gegen Juves Gianluigi Buffon dreimal. Man könnte sagen, dass der italienische Torhüter dem Bayern-Angreifer liegt.

Gomez braucht Löw wegen dessen Physis (1,89 Meter), um die robusten Verteidiger Leonardo Bonucci (1,90 Meter) und Giorgio Chiellini (1,87 Meter) zu bearbeiten. Auch im defensiven Mittelfeld bedarf es Robustheit, um Emanuele Giaccherini (1,67 Meter) nicht ins Spiel kommen zu lassen. Sami Khedira (1,89 Meter) bringt diese Qualität mit.

Was sollte das DFB-Team vermeiden?

Deutschland müsse "Lösungen finden, ohne blind drauflos zu rennen", sagt Abwehrchef Jerome Boateng. Italien sucht mit schnellem Umschaltspiel nach Ballgewinn seine Chancen. "Sie greifen mit vielen Spielern an, wir müssen die Konzentration hochhalten und wenn wir den Ball erobern, schnell umschalten, das Spiel öffnen und nach vorne spielen", erklärt De Sciglio. Ergo: Das DFB-Team sollte bei Ballverlust nicht mit zehn Mann zu hoch stehen. Sprich, Boateng oder Hummels - oder beide - sollten stets absichern.

Bei Standards sollte ein weniger kopfballstarker Spieler für Hummels die Absicherung übernehmen. Und die beiden Außenverteidiger Kimmich und Hector sollten bei jedem Abspiel die eigene Rückwärtsbewegung im Hinterkopf haben. Wichtigste Absicht sollte jedoch sein, nicht vom eigenen Spiel abzurücken. Individuell ist Italien schlechter besetzt als die Deutschen. Selten hatte der floskelhafte Satz Boatengs mehr Richtigkeit: "Wir müssen unser Spiel durchdrücken."

Was ist Löws Notfallplan, sollte es gegen Italien nicht laufen?

Die Einwechslungen von Leroy Sané und Bastian Schweinsteiger bieten sich an. Der DFB-Kapitän verfügt über eine bemerkenswerte Torgefahr. Die Aufgabe Khediras dürfte zudem sehr kraftraubend sein, weswegen es einer frischen Kraft bedarf, um den Spielgestaltern Toni Kroos und Mesut Özil Räume zu schaffen.

Sané hat das Juve-Abwehrtrio Bonucci, Chiellini und Andrea Barzagli noch nie bespielt, aller Analyse zum Trotz dürfte die Dynamik des Schalkers die Abwehr (Altersdurchschnitt 31,6 Jahre) vor Probleme stellen, vor allem kombiniert mit der Technik eines Draxler oder nach Einwechslung eines André Schürrle.