Nächste Runde im Streit um die Taktik von Joachim Löw gegen Italien: Nun hat sich Oliver Kahn im ZDF zu der Debatte um die Dreierkette geäußert. Der Ex-Torwart schlägt sich auf die Seite des Bundestrainers.

"Wir müssen mal wegkommen von dieser Einstellung, dass man ein ganzes Turnier oder eine ganze Saison durch immer mit der gleichen Taktik spielen müsse. Diese Zeiten sind schon ziemlich lange vorbei", sagte der ehemalige Nationaltorwart Oliver Kahn vor Beginn der Partie Frankreich gegen Island im ZDF. "Die Spieler sind heute ganz anders ausgebildet. Manche Mannschaften können ihre Formationen sogar während des Spiels ändern", ergänzte Kahn.

Mehmet Scholl, EM-Experte der ARD, hatte am Samstagabend Joachim Löw und insbesondere dessen Taktik-Chef Urs Siegenthaler dafür kritisiert, sich mit der Taktik nach dem Gegner gerichtet zu haben. Am Sonntag meldete sich bereits Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zu Wort und bezeichnete die Kritik von Scholl als "unmöglich".

Kahn: "Diese Arroganz sollten wir nicht besitzen"

Kahn ist ebenfalls anderer Meinung als Scholl. "Diese Arroganz sollten wir nicht besitzen: 'Wir sind die Stärksten.' So einfach ist es im heutigen Fußball nicht."

Der ZDF-Experte führte die Taktikumstellung auf eine Dreierkette sogar als einen der Gründe an, warum die DFB-Elf gegen die "Squadra Azzurra" gewann. "Genau da waren uns die Italiener immer voraus, sie waren uns taktisch immer überlegen. Den Vorteil haben sie jetzt nicht mehr", sagte der 47-Jährige. (tfr)