Mario Götze hat auch im zweiten Spiel bei der EM 2016 gezeigt, warum er beim FC Bayern meistens auf der Ersatzbank sitzt: Der 24-Jährige enttäuschte gegen Polen einmal mehr auf ganzer Linie. Joachim Löw muss reagieren. Denn der Finaltorschütze der WM 2014 ist zur Belastung geworden.

Ein Kommentar
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

Die EM 2016 sollte für Mario Götze zum Neuanfang werden. Das war der Plan des Mittelfeldspielers, das war die Hoffnung von Joachim Löw. Nach zwei Partien in Frankreich ist klar: Der Neuanfang ist misslungen. Mario Götze ist zum größten Sorgenkind des Bundestrainers geworden.

Michael Ballack hat die Leistung der deutschen Nationalmannschaft im zweiten Gruppenspiel der EM 2016 gegen Polen mit deutlichen Worten kritisiert.

Die deutsche Nationalmannschaft hat mehrere Probleme, das wurde beim 0:0 gegen Polen deutlich. An den meisten Schwächen wird der Bundestrainer mit seiner Mannschaft arbeiten können, es besteht nach dem Dämpfer im zweiten Gruppenspiel wahrlich kein Grund zur Panik.

Im Fall von Mario Götze ist das anders: In der aktuellen Verfassung ist das einstige Wunderkind des deutschen Fußballs in der Startelf einer Europameisterschaft nicht tragbar.

Verbale Ohrfeige: Mario Götze war "stets bemüht"

Es klingt wie eine verbale Ohrfeige, wenn ZDF-Experte Holger Stanislawski nach der Partie live im TV analysiert, dass Götze "stets bemüht" gewesen sei. Und doch trifft die Aussage den Nagel auf den Kopf:

Niemand kann Götze vorwerfen, dass er nicht sein Bestes versuche. Er läuft viel, bietet sich an, ackert. Doch nichts gelingt. Er ist von seiner Topform aktuell so weit entfernt wie die Niederlande vom EM-Finale. Erschwerend kommt hinzu, dass er noch nie ein echter Torjäger war. Woher er in seiner aktuellen Form das Selbstvertrauen nehmen soll, als "falsche Neun" für die überraschenden Momente im deutschen Angriff zu sorgen, bleibt Löws Geheimnis.

Nun ist es nicht so, dass Götze gegen Polen die einzige Enttäuschung gewesen wäre. Jerome Boateng lag mit der Generalkritik an der eigenen Offensive durchaus richtig. Doch beim blassen Mesut Özil oder beim ungewohnt uninspirierten Thomas Müller weiß man, dass sie in ihren Klubs eine hervorragende Saison gespielt haben, dass sie in guter Form nach Frankreich gereist sind. Es ist nur logisch, ihnen auch weiterhin das Vertrauen zu schenken.

Das ist bei Götze anders. Der 24-Jährige sucht seit nun drei Jahren beim FC Bayern nach seiner Form. Er spielte bei Pep Guardiola keine entscheidende Rolle, er war auch in der Nationalmannschaft nie dauerhaft Leistungsträger. Dass er bei der WM 2014 im Finale das alles entscheidende Tor schoss, kaschierte diese Tatsachen in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit. Doch mittlerweile droht Götze zum ewigen Versprechen zu werden.

Hat sich Mario Götze verzockt?

Der ehemalige Dortmunder scheint sich in München verzockt zu haben. Er beharrt darauf, seinen Vertrag zu erfüllen, während der Klub ihm recht offensiv einen Wechsel nahegelegt hatte. Vielleicht spekulierte er auf bessere Angebote aus dem Ausland nach einer hoffentlich erfolgreichen EM. Geht diese Rechnung nicht auf, droht ihm eine weitere Saison auf der Bayern-Bank, die er sich eigentlich nicht leisten kann.

Joachim Löw kann darauf natürlich keine Rücksicht nehmen. Der Bundestrainer wäre gut beraten, darüber nachzudenken, Mario Gomez eine Chance in der Startelf zu geben oder Thomas Müller ins Sturmzentrum zu verschieben.

Schlechter als Mario Götze könnten die Alternativen auch nicht spielen. In seiner aktuellen Form hat er in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft einfach nichts verloren.