Kurz vor dem Auftaktspiel der DFB-Elf bei der EM 2016 lässt Thomas Müller mit einem - fast politischen - Interview aufhorchen. Den Vorwurf, die Nationalmannschaft sei schon lange nicht mehr deutsch sei, weist er entschieden zurück.

"Ich habe früh gemerkt, wie wichtig es ist, dass Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenkommen und an einem Strang ziehen", sagt Thomas Müller in einem aktuellen Interview mit der "Welt am Sonntag", "nur so funktioniert es."

Auch die Nationalmannschaft bestehe längst nicht mehr nur aus Müllers und Neuers, sondern auch aus Özils oder Khediras. "Trotzdem ist und bleibt es die deutsche Nationalmannschaft", so der 26-Jährige.

Der Bundestrainer hat heute Abend ein Problem. Und Philipp Lahm ist schuld.

Kürzlich hatte die verbale Attacke des AfD-Vizechefs Alexander Gauland, die Nationalmannschaft sei schon lange nicht mehr deutsch, für heftige Kritik gesorgt. Auch Müller reagiert mit Unverständnis. "Dann hat er eine andere Definition davon als ich. Ich finde, Spieler wie Mesut oder Jérôme sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mehr Deutsch geht kaum", betont der FC-Bayern-Star in dem Interview.

Wie der Großteil der deutschen Bevölkerung mit der Flüchtlingsproblematik umgehe "verdient Respekt", findet er. Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" beleuchtet er aber auch die Seite der Migranten: "Auch die deutschen Traditionen und die Sprache sollten respektiert werden. Es ist auch ein gewisser Aufwand nötig, um sich harmonisch in die Gesellschaft einzugliedern. Das sollte man erwarten können".

"Potenzial zum Europameister"

Sportlich sieht er "im Team das notwendige Potenzial für den Gewinn der Europameisterschaft" - auch wenn sich das erst einspielen musste: "Wir haben nach dem Rücktritt der drei langjährigen Führungsspieler (Lahm, Mertesacker, Klose, Anm. d. Red) unsere Zeit gebraucht, um eine gewisse Führung in die Mannschaft zu bekommen. [...] Mittlerweile haben wir die Strukturen reinbekommen. Die Voraussetzungen für gute Ergebnisse sind geschaffen". (af)