Ausgesprochen verärgert hat die ARD auf einen Bericht des Medien-Branchenmagazin "kress pro" über ein angebliches Millionen-Honorar für ihren Fußball-Experten Mehmet Scholl reagiert. Auch der ARD-Experte selbst dementiert den Bericht scharf. Auch Oliver Kahn soll Millionen vom ZDF bekommen. Auf Facebook schreibt er von einer "eklatanten Falschmeldung". Dennoch wirft der Bericht Fragen auf, die von den öffentlich-rechtlichen Sendern bisher nicht komplett beantwortet wurden.

Der frühere Nationalspieler Mehmet Scholl kommentiert derzeit die Spiele der EM 2016 in Frankreich und erhält nach Angaben des Medien-Branchendienstes "kress pro" 50.000 Euro pro Einsatz. Insgesamt soll Scholl im EM-Jahr 1,6 Millionen Euro verdienen.

ARD wehrt sich gegen den Bericht

Auf diesen Bericht hat die ARD reagiert: "Es gleicht beinahe schon vorsätzlicher Bösartigkeit, welche Zahlen auch hier im Zusammenhang mit dem Expertenvertrag von Mehmet Scholl geschrieben und vervielfältigt werden", erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Dienstag zu den kursierenden Gerüchten. Genaue Zahlen nannte er aber nicht.

"Generell werden wir uns zu vertraglichen Inhalten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht äußern. Nur so viel, auch diese derzeit im Raum stehenden Summen entsprechen nicht annähernd der Realität und entbehren jedweder Grundlage", ergänzte Balkausky.

Später am Dienstag sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres nach einem Intendantentreffen in Bonn: "Die Zahl, die dort genannt wurde, ist falsch, unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt."

Auch Mehmet Scholl wehrt sich

"Die von EINEM offenbar bösartigen Journalisten in Umlauf gebrachte angebliche Höhe meines Honorars ist von der Realität genauso weit entfernt wie die Engländer von einem EM-Titel, nämlich meilenweit", teilte Scholl der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit.

"Kress pro" hatte weiter geschrieben, dass Scholl, der ursprünglich einen Vertrag bis 2016 hatte, welcher 2015 um zwei Jahre verlängert wurde, pro Jahr rund zwei Dutzend TV-Auftritte absolviert habe sowie weitere Verpflichtungen für Werbe- und Sponsoringpartner eingegangen sei.

Laut dem Medien-Branchendienst habe die ARD zunächst weder auf eine Anfrage zu den Details des Vertrages mit Scholl geantwortet noch die Zahl seiner Auftritte exakt benannt.

Oliver Kahn: "Eklatante Falschmeldung"

Auch der frühere Nationalkeeper Oliver Kahn, der als ZDF-Experte über die EM und die Champions League berichtet, soll nach Informationen des Branchendienstes ein ähnlich hohes Honorar wie Scholl kassieren. Zur Frage der Einsatzzeiten von Kahn und den anderen ZDF-Experten teilte der öffentlich-rechtliche Sender laut "kress pro" lediglich mit: "Sie werden je nach Bedarf eingesetzt."

Oliver Kahn hat sich zu dem Bericht mittlerweile geäußert. Auf Facebook schreibt er von einer "eklatanten Falschmeldung", die jeglicher Grundlage entbehrt. Er behält sich sogar rechtliche Schritte vor.

Islands Fußballkommentator Gudmundur Benediktsson hat es mit seinem ekstatischen Gefühlsausbruch während der Live-Übertragung beim Spiel gegen Österreich zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Bei der unfassbaren 2:1-Sensation gegen England im Achtelfinale ruinierte er seine Stimmbänder nun völlig. Ein absoluter Hörgenuss mit Mitlach-Garanatie.

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sagte: "Die Zusammenarbeit mit Oliver Kahn basiert auf einer Pauschalvereinbarung über zwei Jahre. Die genannten Zahlen entbehren jeglicher Grundlage."

Auch Robert Niemann, für die Vermarktung von Oliver Kahn zuständig, schaltete sich in die Diskussion ein. "Die Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar", sagte er der "Huffington Post". Grundsätzlich gebe es keine Auskünfte über Vertragsinhalte, doch bekannt sei ja, dass Kahn einen mehrjährigen Vertrag mit dem Sender habe. "Und da wird nichts mit irgendwelchen Tageshonoraren abgerechnet", sagte Niemann.

Treiben die Öffentlich-Rechtlichen die Kosten in die Höhe?

Markus Wiegand, Chefredakteur von "kress pro", sprach im Editorial des Magazins hingegen von einem Skandal: "Solange Scholl und Kahn aber durch Gebührengelder honoriert werden, ist es ein Skandal. Die überragende Mehrheit der Zuschauer würde solche Summen niemals billigen, wenn sie davon wüsste."

In dem Artikel wird zudem eine Quelle aus dem Privatfernsehen zitiert. Offenbar buhlte Sport1 um die Expertentätigkeit des Dortmunder Ex-Profis Sebastian Kehl.

Doch dann sei auch das ZDF in den Poker eingestiegen und konnte ihn am Ende auch unter Vertrag nehmen: "Sobald die Öffentlich-Rechtlichen einsteigen, explodieren die Preise", ärgert sich die namentlich nicht genannte Quelle aus dem Privatfernsehen in dem Bericht.

Generell kostet die Berichterstattung über große Sportereignisse die Öffentlich-Rechtlichen mehrere hundert Millionen. So legte das ZDF Anfang des Jahres offen, dass die Sportberichterstattung im Schnitt der Jahre 2011 bis 2014 im Jahr 233 Millionen Euro gekostet hat.

(cai/dpa)