Thorsten Legat nimmt als unser Experte für die EM 2016 kein Blatt vor den Mund und kommentiert in seiner Kolumne die Themen, die die Fußballfans während der Europameisterschaft in Frankreich beschäftigen. Heute spricht der Ex-Fußballprofi über das Remis gegen Polen und findet kritische Worte für zahlreiche DFB-Stars.

Eine Kolumne
von Thorsten Legat

Liebe Leser,

das 0:0 gegen Polen war natürlich enttäuschend. Dabei haben wir gar nicht so schlecht angefangen. Mario Götze hatte zu Beginn des Spiels eine gute Kopfballchance. Doch dann verflachte die Partie auf beiden Seiten.

Insgesamt war mir viel zu wenig Tempo im Spiel - vor allem über die Außenbahn. Ich war selbst 15 Jahre Bundesligaspieler und mal ganz ehrlich: Wenn du über die Außen kommst, dann musst du Tempo machen, im vollen Lauf mal in den Rücken der Abwehr flanken – nur das gelingt unseren Jungs viel zu selten. Das ist momentan gar nix!

Unser Abwehrblock hat dafür sehr gut gestanden. Manuel Neuer und die Innenverteidigung mit Jerome Boateng und Mats Hummels – das ist weltklasse. Genauso wie Toni Kroos. Zu allen anderen muss ich sagen: Das war absolut schwach. Ich bin sehr enttäuscht von der Leistung der deutschen Mannschaft. Insbesondere von unserer Offensive muss deutlich mehr kommen.

Er galt bei den Fans als Kultspieler mit einem Ruf wie Donnerhall. In der Liste "Die härtesten Hunde aller Zeiten" führte ihn die Zeitschrift "11Freunde" unangefochten auf Rang eins, und auch außerhalb des Fußballplatzes gab er sich nicht gerade zimperlich. Doch wenn Thorsten Legat zurückblickt, erscheint vieles in einem völlig neuen Licht. In seiner Autobiografie berichtet er erstmals auch von traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit.

Wenn ich das Trikot mit dem Adler tragen würde, dann würde ich 90 Minuten lang marschieren und mich für das Team zerreißen. Ich habe das Gefühl, dass die Leidenschaft, dass das Herz fehlt. Es kann nicht sein, dass Neuer, Boateng, Hummels und Kroos momentan diejenigen sind, die am besten spielen. Das geht nicht! Wenn das der Anspruch von Deutschland ist, na dann Prost Mahlzeit!

Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundestrainer Bastian Schweinsteiger einwechselt. Sami Khedira hat in der zweiten Halbzeit überhaupt keine Akzente mehr gesetzt. Bastian hätte ich zumindest 25 Minuten Spielpraxis gegeben. Denn mehr falsch als Khedira in der zweiten Halbzeit kann man gar nicht machen. Schweinsteiger hätte stattdessen noch mal neue Akzente setzen können.

Doch die Mittelfeldzentrale ist nicht unser Problem - das liegt vorne. Momentan haben wir ein Sturmproblem: Dabei ist es egal, ob Thomas Müller im Angriff spielt, oder Gomez oder Götze, der auf ganzer Linie versagt. Was Götze bringt, ist einfach viel zu wenig. Er schadet sich damit und auch sein Image leidet mehr und mehr.

Hoffen wir auf eine Leistungssteigerung am Dienstag gegen Nordirland. Doch auch diese Partie haben wir noch nicht gewonnen. Denn bei der EM hat es schon einige Überraschungen gegeben ...

Herzlichst, euer Thorsten