Thorsten Legat nimmt als unser Experte für die EM 2016 kein Blatt vor den Mund und kommentiert in seiner Kolumne die Themen, die die Fußballfans während der Europameisterschaft in Frankreich beschäftigen. Heute spricht der Ex-Fußballprofi über den DFB-Sieg gegen die Ukraine und die Hooligan-Krawalle der vergangenen Tage.

Eine Kolumne
von Thorsten Legat

Liebe Leser,

was war das gestern für ein aufregendes Spiel - mit Bastian Schweinsteiger als gefeiertem Torschützen. Bastian hat wieder einmal bewiesen, dass er wertvoll für das Team ist, auch wenn er noch nicht bei 100 Prozent ist. Er zeigt immer wieder, dass man auf ihn bauen kann. Wenn er fit ist, ist er hervorragend. Das Tor hat er super gemacht, doch man darf seinen kurzen Auftritt auch nicht überbewerten.

Bundesliga-Kultkicker und unser EM-Experte Thorsten Legat hat eine beeindruckende Profikarriere und Lebensgeschichte - und die kann man nachlesen.

Warum Jogi Löw allerdings Mario Götze von Beginn an hat spielen lassen, das verstehe ich nicht. Von ihm war 90 Minuten lang fast gar nichts zu sehen. Er hat viele Zweikämpfe verloren und uns wenig Produktives gebracht. Ich finde, wir bräuchten da vorne einen großen Stürmer - wie Mario Gomez.

Mesut Özil habe ich gegen die Ukraine auch ganz genau beobachtet. Seine Leistungsschwankungen kann ich mir nicht erklären. Dennoch bleibt er gesetzt - denn die Frage ist: Wer soll auf seiner Position sonst spielen? Man muss aber auch bedenken: Özil hat in dieser Saison viele Spiele mit dem FC Arsenal gemacht, was natürlich eine große Belastung ist. Keine Frage, er hat sehr große Qualitäten. Mesut war auch produktiver als Götze, hat ein paar gute Ansätze gezeigt und hat ja auch das 2:0 vorbereitet, aber bei ihm ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Shkodran Mustafi hat mich hingegen überrascht, für mich ist das ein Kämpfer, der eigentlich auf der Sechs spielen sollte. Trotz seines Tores wird er den Platz in der Abwehr räumen müssen: Denn wenn Mats Hummels fit ist, haben wir mit Mats und Jerome Boateng ein echtes Bollwerk. Im Spiel gegen die Ukraine dachte ich mir häufiger mal: Oh Gott, lieber Mats, komm schnell wieder!

So schön das Ergebnis am Sonntagabend aus deutscher Sicht war, umso trauriger sind die Hooligan-Vorfälle der vergangenen Tage. Ich finde es erschütternd, dass da Leute ins Stadion reingekommen sind, die bereits in den Straßen randaliert haben. Das ist eine grobe Fahrlässigkeit der Polizei. Man muss solche Leute, solche Hooligan-Chaoten, lebenslang sperren. Da sind Kinder und andere Personen im Stadion gewesen, die sich nicht wehren können. Das war Krieg, beinahe schon ein Massaker. So etwas hat mit dem Sport nichts zu tun - und das wollen wir nicht wieder sehen.

In diesem Sinne, uns allen weiterhin eine schöne EM!

Herzlichst, euer Thorsten