25 Jahre ist es her, dass eine Bundesliga-Mannschaft den UEFA-Pokal, die kleine Schwester der Champions League, gewonnen hat (Schalke 04). 25 Jahre! Das ist so unfassbar lange her, dass in der Zwischenzeit der dritte Europacup-Wettbewerb (Europapokal der Pokalsieger) eingestellt, eine neue Beschäftigungstherapie entwickelt (Conference League) und der UEFA-Pokal umgetauft (Europa League) wurde.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
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Geliebt haben die deutschen Klubs die Europa League nie wirklich. Alle waren sie enttäuscht, dass es zur Qualifikation in der lukrativeren Champions League nicht gereicht hat. Manchmal wurden sie nach einer verpatzen Gruppenphase in der Königsklasse dorthin abgeschoben, nicht selten mussten sich Klubs durch eine scheinbar endlose Qualifikation im Sommer quälen, um ein paar Kröten zu verdienen.

Man hatte sogar ein Schimpfwort für den kleinen Europapokal parat, eines, das auf Franz Beckenbauer zurückzuführen ist: "Verlierer-Cup". Und so spielten die Deutschen meistens auch - wie Verlierer. Bis Eintracht Frankfurt den Wettbewerb für sich entdeckte und daraus ein Festival formte. Massen strömten ins Stadion, daheim und auswärts, und feierten sich und die Mannschaft.

Eintracht Frankfurt zieht ins Finale ein

Wer die Party 2019 miterlebt hat, als sich die Mannschaft schon einmal ins Halbfinale der Europa League kämpfte, freut sich jetzt doppelt, dass Eintracht Frankfurt am Donnerstag endlich den Final-Einzug geschafft hat. Es ist eine verdiente Belohnung: Eintracht Frankfurt ist der Stolz der Bundesliga. Es geht gar nicht darum, ob die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner am 18. Mai in Sevilla tatsächlich das Finale gegen die Glasgow Rangers gewinnt.

Die zwei Halbfinalsiege gegen West Ham United, 2:1 und 1:0, sind ja nicht unbedingt spielerischer Klasse entsprungen. Zum Vergleich: Mit 200 Mio. Euro beträgt der Marktwert nur ein Viertel von Bayern München. Sieben Bundesliga-Vereine werden als wertvoller eingeschätzt. Aber wie sollen Zahlen ausdrücken, dass Mannschaft und Trainer jedes Fleckchen Rasen beackern, als gebe es nichts Größeres? Das ist Fußball-Romantik pur.

Darum ist die Eintracht schon jetzt ein Gewinner

Eine lebendige Grußbotschaft der Bundesliga an den Rest in Europa, wie geil die deutsche Fanszene sein kann, wie Mannschaft und Anhang eins werden im Stadion und Kräfte freisetzen, die man eher nicht vermutet hat. Und Fußball spielen kann der Klub auch noch. Die Adresse der Geschäftsstelle in Frankfurt lautet: Im Herzen von Europa 1. Der Name ist Programm.

Denn ein Team, das mit dem Herzen spielt, also voller Leidenschaft, die Leiden schafft, begeistert Fans im ganzen Land. Eintracht Frankfurt hat niemanden auf der langen Reise ins Finale kaltgelassen, spätestens der Sensationssieg in Barcelona zeigte die Wucht, die der Verein in der Europa League entwickelt. Nun fehlt noch ein Sieg zum Triumph. Andere Bundesligisten werden spätestens jetzt wissen, was sie verpasst haben.

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Pit Gottschalk, ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur von SPORT1. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.
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