• Reisebeschränkungen ade: Die Uefa findet immer wieder Wege, Corona-Maßnahmen für ihre Fußball-Events auszuhebeln.
  • Egal ob WM oder Champions-League, alles findet regulär statt.
  • Doch von Dankbarkeit keine Spur: Wie lange hält die Fan-Liebe da wohl noch an?
Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Fast alle Medien haben darauf verzichtet, dass ihre Reporter den FC Bayern zur Klub-WM nach Katar begleiten. Man wollte ihnen die Quarantäne-Maßnahmen nicht zumuten, die mit der Reise in das Corona-Risikogebiet verbunden sind. Das Auswärtige Amt ist in seiner Musterverordnung nämlich ziemlich eindeutig: "Bei Einreise nach Deutschland mit Voraufenthalt in einem Risikogebiet (…) zehn Tage häuslich absondern (Quarantäne)."

Die Uefa findet ihre Wege Beschränkungen auszuhebeln

Wenn die Bayern also am Donnerstag das WM-Finale in Katar spielen, ist es - streng genommen - schwerlich vorstellbar, dass man nur vier Tage später das Bundesliga-Spiel zu Hause gegen Arminia Bielefeld bestreitet. Wetten, dass das Heimspiel gegen den Aufsteiger trotzdem wie geplant in der Allianz-Arena stattfindet? Die Interpretation von einem Passus, der die schlimmsten Beschränkungen aufhebt, lässt keinen Zweifel zu: Der FC Bayern beansprucht seine Ausnahme von der Quarantäne-Regel rechtmäßig.

Zugunsten des Profi-Klubs heißt es in § 2 Abs. 3 Nr. 5 in der Verordnung, dass eine Ausnahme von der Quarantänepflicht auch dann besteht, wenn die betroffenen Personen zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind.

Die Uefa hat ja für die Champions League ebenfalls einen Weg gefunden, die Reisebeschränkungen für vorbelastete Länder auszuhebeln. Dann spielen RB Leipzig gegen Liverpool und Gladbach gegen ManCity halt in Budapest.

(Kein) Gleiches Recht für alle: Sonderstatus der Bundesliga-Klubs als ein Privileg

Die Bayern werden ihre Sonderstellung wahrscheinlich mit negativen Test-Ergebnissen begründen. Aber warum gilt das nicht für alle Bürger? Und haben wir nicht gelernt, dass Covid-19 ein paar Tage bis zum Ausbruch braucht? Beim Abflug-Chaos in Berlin hat Ehrenpräsident Uli Hoeneß daran erinnert, dass sein FC Bayern Deutschland repräsentiert und so behandelt werden möchte. Er vergisst das Entscheidendste, was gilt: Gleiches Recht für alle.

Die Bundesliga-Klubs dürfen sich glücklich schätzen, dass der Spielbetrieb und damit der Zufluss von Einnahmen fortgesetzt werden. Auch wir Medien gehören zu dieser privilegierten Gruppe, dass es im Beruf weitergeht. Das Mindeste, das man deshalb erwarten muss, ist etwas Höchstanständiges: dass man den Sonderstatus zu schätzen weiß und nicht maßlos ausschöpft. Oder, schlimmer noch: jede Einschränkung als Verrat an Selbstverwirklichung versteht.

Die anhaltende Fan-Liebe ist keine Selbstverständlichkeit

Es wird der Tag kommen, dass Corona vorbei ist. Wenn er so weitermacht, darf sich der Fußball nicht wundern, dass der Grad der Entfremdung zu den Fans höher als erwartet ist. Von Demut oder Dankbarkeit ist aktuell jedenfalls wenig zu spüren. Dass die Leute den Fußball hinterher so lieben wie vorher, ist keine Selbstverständlichkeit. Liebe muss man sich verdienen. So kurz vorm Valentinstag sei deshalb nochmals gesagt: Der Fußball hat da großen Nachholbedarf.

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