Nach einem Leak veröffentlicht die FIFA den Garcia-Bericht zu der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und Katar. Manche Details bestätigen die Selbstbedienungsmentalität der Funktionäre. Einen klaren Beweis für einen WM-Kauf gibt es wohl nicht. Fragen bleiben.

Die FIFA ist in der Dauerdebatte um die skandalumwitterte WM-Vergabe an Russland und Katar in die Offensive gegangen und hat den lange unter Verschluss gehaltenen Garcia-Bericht veröffentlicht.

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In dem 430-Seiten-Dokument des US-Juristen Michael Garcia aus dem Jahr 2014 werden mehr oder weniger gravierende Verstöße praktisch aller damaligen WM-Bewerber gegen die Ethikregeln des Fußball-Weltverbandes beschrieben.

Kein eindeutiger Beweis

Den klaren Beweis für eine gezielte Einflussnahme auf die WM-Abstimmung am 2. Dezember 2010 konnte Garcia aber offenbar in seinen rund zwei Jahre währenden Untersuchungen nicht feststellen. Klar wird aber auch, dass deutlich mehr anrüchiges Material gegen Katar als gegen Russland zusammengetragen wurde.

In seiner Zusammenfassung kommt Garcia zu dem Schluss, dass vor allem FIFA-Wahlmänner sich nicht an die Regeln hielten.

"Darüber hinaus operierten die Bewerber in einem Umfeld, in dem mehrere Exekutivmitglieder nicht zögerten, ein System zu nutzen, das sie in bestimmten Bereichen nicht an die gleichen Regeln band wie die Bewerber", heißt es in dem Report. Einige Exekutivmitglieder hätten "persönlichen Nutzen" gesucht, um ihren Status in den Heimatländern zu verbessern.

Keine gravierenden Vorhaltungen werden dem früheren FIFA-Chef Joseph Blatter gemacht. Allerdings wird notiert, dass er kurz vor der Stimmabgabe einem Bonus von 200 000 Dollar für alle - auch für zwei gesperrte Exko-Mitglieder - zustimmte.

Auch die Rolle des damaligen deutschen FIFA-Exkomitglieds Franz Beckenbauer wird detailliert erörtert. Diese Erkenntnisse sind aber nicht neu.

Ein Interessenkonflikt bestand im Zusammenhang mit seinem Berater und Freund Fedor Radmann und der australischen Kandidatur.

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Russlands Computer sind zerstört

Russland konnten praktisch keinen gravierenden Verstöße nachgewiesen werden. So werden zwar beispielsweise Geschenke und Annehmlichkeiten wie Kreml- und Ballettbesuche aufgeführt, der Bericht stellt aber fest: "Auch wenn die kompletten Kosten für Reisen und Unterbringungen für Exko-Mitglieder und ihre Familien das übersteigt, was man gewöhnlich als nebensächliche Kosten ansehen würde, war die Übernahme der Kosten nicht per se durch die damaligen FIFA-Verhaltenskosten verboten."

Allerdings: Die Computer des russischen Bewerbungskomitees waren zum Zeitpunkt der Untersuchung schon zerstört.

Ein etwas deutlicheres Bild zeichnet sich rund um die Bewerbung Katars. So sollen südamerikanische Vertreter die Reise per Privat- oder Regierungsflugzeug aus und nach Rio de Janeiro verlangt haben.

Auch landeten zwei Millionen US-Dollar auf dem Konto einer zehn Jahre alten Tochter eines Exko-Mitglieds. Der Bericht stellt aber auch fest, dass es "keinen Beweis in den Protokollen" für eine Verbindung der Zahlung zur Katar-Bewerbung gebe.

Die Entscheidung zur unerwarteten Veröffentlichung habe die neue Spitze der FIFA-Ehtikkommission getroffen. Am Montagabend hatte die "Bild"-Zeitung Details aus dem Bericht des US-Juristen Michael Garcia zitiert.

Dieser war bislang wegen rechtlicher Bedenken der Ethikhüter des Fußball-Weltverbandes nicht veröffentlicht worden. Laut FIFA habe Präsident Gianni Infantino eine Veröffentlichung schon lange befürwortet.

Trotz der belastenden Indizien zu möglicher Einflussnahme der Kandidaten auf die Wahlmänner des damaligen FIFA-Ethikkomitees hatte die FIFA die WM-Gastgeber Russland und Katar nicht sanktioniert.

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