Bleibt sie oder muss sie gehen? Nationaltrainerin Steffi Jones muss nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM um ihren Job bangen. Es gibt Kritik von vielen Seiten. Eine ihrer Spielerinnen fordert hingegen Geduld.

Nationalspielerin Sara Däbritz hat sich nach dem überraschenden Viertelfinal-Aus der deutschen Fußballerinnen bei der EM klar für einen Verbleib von Bundestrainerin Steffi Jones ausgesprochen.

"Wir arbeiten seit September sehr gut mit ihr zusammen. Es hat super harmoniert. Wir stehen total hinter ihr", sagte Däbritz am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

Vielleicht dauere es noch, bis alles ineinander greife. Man könne aus der EM lernen.

Scharfe Kritik an Steffi Jones

Kritik äußerte indes Bernd Schröder, der erfolgreichste Coach im deutschen Frauenfußball. "Uns fehlt es vorne und hinten an Qualität. Unser Team hat die gesamte EM Alibi-Fußball gespielt. Jedes Spiel eine andere Elf, das gibt keine Sicherheit", sagte der 75-Jährige, der zwölfmal mit Turbine Potsdam Meister wurde, der "Bild"-Zeitung.

Ex-Europameisterin Inka Grings bezeichnete das Spiel gegen Dänemark in einer "Bild"-Kolumne als "erschreckend". Jetzt sei man auf dem Boden der Tatsachen zurück.

"Wir haben von Anfang an nie in dieses Turnier gefunden. Meiner Meinung nach wurde auch zu viel rotiert, das Team konnte sich nicht einspielen", monierte Grings.

DFB-Chef Reinhard Grindel vermeidet Bekenntnis

Bereits am Sonntag hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel ein klares Bekenntnis zu Bundestrainerin Steffi Jones vermieden.

"Wir werden nunmehr in aller Ruhe, unabhängig von der aktuellen Enttäuschung über das Ausscheiden, mit allen Beteiligten analysieren und überlegen, was zu tun ist, damit unsere Frauen-Nationalmannschaft wieder an frühere Erfolge anknüpfen kann", teilte er mit.

Er betonte, "alle beim DFB" seien sehr enttäuscht über das "frühzeitige Ausscheiden und vor allem über die spielerische Leistung" gegen die Däninnen.

Steffi Jones möchte weitermachen - und kritisiert Team

Jones möchte hingegen gerne als Bundestrainerin weitermachen. "Meine eigene Motivation ist da", antwortete die 44-Jährige auf eine entsprechende Frage.

Zugleich kritisierte sie ihre Spielerinnen scharf. "Der Siegeswille war nicht so groß wie der von Dänemark", so Jones.

"Die Enttäuschung ist sehr groß", kommentierte die frühere Nationalspielerin, "wir haben jegliche Souveränität und Aggressivität vermissen lassen." Die Trainerin kündigte an, selbstkritisch in die EM-Analyse zu starten. "Natürlich hinterfrage ich jetzt meine Entscheidungen."

Die deutschen Frauen stehen erstmals seit dreißig Jahren bei einer Fußball-EM nicht im Halbfinale. Jones hatte nach dem Olympiasieg der DFB-Damen 2016 die Nachfolge von Silvia Neid als Bundestrainerin angetreten. (cai/dpa)