"Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt", heißt es in einem Werbespot der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Damit sich das vor dem WM-Auftakt der deutschen Damen am Samstag gegen China noch ändert, stellen wir Ihnen sechs von ihnen genauer vor: Die eine hat sich gegen Neymar durchgesetzt, die andere könnte bald wieder im Zoo arbeiten.

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Alexandra Popp - Die Anführerin und Tierpflegerin

Alexandra Popp zählt mit ihren 28 Jahren zu den erfahrensten Spielerinnen der Nationalmannschaft. Sie spielt bereits seit über neun Jahren für die DFB-Elf und könnte bei der Weltmeisterschaft die Marke von 100 Länderspielen erreichen.

Zu Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat sie ein besonderes Verhältnis, da sie mit 17 Jahren unter ihr in der Bundesliga beim FCR Duisburg debütierte.

Die Offensivspielerin trägt erstmals bei einem Großturnier die Kapitäninnenbinde. "Natürlich ist es eine ganz neue Dimension, bei einem Turnier die Mannschaft zu führen. Auf dem Platz ändert sich für mich aber nichts", verrät sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Spielerin des VfL Wolfsburg absolvierte im Tierpark Essehof eine Ausbildung zur Tierpflegerin und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie später wieder im Zoo arbeitet. "Im Moment könnte ich mir gut vorstellen, zurück in die Tierpflege oder auch in die Tier-Physiotherapie zu gehen", sagt sie.

Dzsenifer Marozsan - Die Titelsammlerin aus Lyon

Die 27 Jahre alte Dzsenifer Marozsan spielt für den französischen Topverein Olympique Lyon und sammelt dort einen Titel nach dem anderen: Viermal gewann sie bislang etwa die Champions League. Die in Budapest geborene Mittelfeldspielerin gestaltet das Spiel der deutschen Nationalmannschaft und ist zudem sehr torgefährlich.

Ende 2018 erlitt sie mit einer beidseitigen Lungenembolie, offensichtlich ausgelöst durch Einnahme einer Antibabypille, einen gesundheitlichen Rückschlag. Nun ist sie aber wieder fit.

Im Bezug auf die WM sagt sie bei DFB.de: "Ich reise mit einem guten Gefühl nach Frankreich. Weil ich mich in Frankreich sehr wohl fühle. Ich werde es sehr genießen." Die WM ist für sie ein Heimspiel: Halbfinale und Endspiel würden in ihrer Wahlheimat Lyon stattfinden.

Dzsenifer Marozsan.

Almuth Schult - Torhüterin mit einem Hauch Manuel Neuer

Genauso wie Manuel Neuer vor der Weltmeisterschaft 2018 war auch die deutsche Stammtorhüterin Almuth Schult vor dieser WM verletzt. Die Schulter zwang sie in den vergangenen Wochen zur Pause. Die Bundestrainerin möchte dennoch auf die 28-Jährige setzen.

Die Olympiasiegerin von 2016 ist nicht nur eine hervorragende Torhüterin, sondern nimmt auch kein Blatt vor den Mund, kritisierte sogar öffentlich den eigenen Verband. "Wir hoffen, dass der DFB den Frauenfußball weiter nach vorne bringt. Aber die Signale, die ich momentan wahrnehme, deuten leider in eine andere Richtung", sagte sie kürzlich im Interview mit der FAZ.

Im vergangenen Winter erkrankte sie im Trainingslager an Masern. Diese Kinderkrankheit kann für Erwachsene tödlich sein. "Meine Mitspielerinnen haben gesagt, ich sah auf Bildern aus wie der Tod. Und so fühlte ich mich auch. Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr lebend nach Hause komme", verriet sie der "Bild"-Zeitung.

Almuth Schult.

Lena Goeßling - Die Soziale mit dem Werbedeal

Die Mittelfeldspielerin gibt nicht nur auf dem Platz eine gute Figur ab, sie ist auch für die Werbebranche attraktiv. Sie ist laut "Bild" die einzige Spielerin der Nationalmannschaft, die mit einem Shampoo-Hersteller einen eigenen Sponsor hat.

Die 33-Jährige ist zudem sozial engagiert, setzt sich zum Beispiel für den bundesweiten Schulwettbewerb "Mathe macht das Tor" und die "Deutsche KinderSuchthilfe" ein.

Die Weltmeisterschaft könnte ihr Abschied von der DFB-Elf sein. "Ich setze mich schon mit dem Gedanken auseinander, dass es nach dem Turnier mit der Nationalmannschaft vorbei sein könnte", verriet sie im Interview mit dem "Westfalen-Blatt". "Aber ich lasse mir das offen und muss sehen, wie mein Körper die Belastung mitmacht."

Lena Goeßling.

Leonie Maier - Die Abwehrspielerin, die gegen Neymar gewann

Als Abwehrspielerin ist sie zwar für das Verhindern von Toren zuständig, kann aber auch selbst Tore schießen - und zwar richtig schöne. Ihr Länderspieltor gegen Japan wurde im Juni 2013 in der ARD-"Sportschau" zum "Tor des Monats" gewählt. Bei der Wahl setzte sie sich unter anderem gegen Neymar und Andrea Pirlo durch.

Die 26-Jährige stand die vergangenen sechs Jahre beim FC Bayern München unter Vertrag und wechselt nun nach England zum FC Arsenal.

Leonie Maier.

Lena Oberdorf - Das torgefährliche Küken

Mit ihren 17 Jahren ist Lena Oberdorf die jüngste Spielerin im aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft - und eines der größten Talente. Sie unterschrieb noch vor ihrem 16. Geburtstag einen Vertrag beim Bundesligisten SGS Essen.

Oberdorf strahlt trotz ihrer Position im Mittelfeld viel Torgefahr aus. Sowohl in ihrem ersten Pokalspiel als auch in ihrem ersten Bundesligaspiel erzielte sie jeweils zwei Tore.

Ihr erstes Tor für die Nationalmannschaft dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein. Vielleicht klappt es ja bei der WM …

Lena Oberdorf.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Alexandra Popp
  • DFB.de: "Marozsan: Sehr glücklich in Frankreich"
  • Bild.de: "Trainerin liebte Mitspielerin und heiratete einen Mann"
  • Westfalen-Blatt.de: "Lena Goeßling: Nach der WM kann für mich Schluss sein"
  • Faz.net: "Wir Frauen werden oft vergessen"
  • Bild.de: "Unsere Nr. 1 wäre im Winter fast gestorben"
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Frauen-Fußball-WM: Nur die USA gewannen häufiger als die deutsche Nationalmannschaft

Drei Mal bereits holte die deutsche Nationalmannschaft der Frauen bei einer Fußball-WM den Titel, zuletzt 2007. Als 2011 im eigenen Land der Hattrick winkte, kam das bittere Aus aber bereits im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Japan. Acht Jahre später in Frankreich heißen die Gruppengegner China, Spanien und Südafrika.