Ein Tor von Giulia Gwinn beschert der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft nach einer sehr wechselvollen Leistung den erhofften Auftakterfolg bei der WM in Frankreich. Die mitunter überharten Chinesinnen verlangten der DFB-Auswahl jedoch über 90 Minuten alles ab.

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ist mit einem mühsamen Arbeitssieg in die Weltmeisterschaft in Frankreich gestartet. Das Fazit der Siegtorschützin Giulia Gwinn am ARD-Mikrofon lautete: "Wir haben heute viel auf die Socken bekommen und mussten viel einstecken."

Der Sieg tue gut, fügte Gwinn hinzu, "und gibt Selbstvertrauen. Wir wussten, was da auf uns zukommt und hatten Höhen und Tiefen im Spiel. Aber was zählt, ist der Sieg und die drei Punkte."

Das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die anschließend in der ARD von "harter Arbeit und Teamworking" sprach, gewann am Samstag vor 15.238 Zuschauern im Roahzon Park in Rennes ihr Auftaktaktspiel in der Gruppe B mit 1:0 (0:0) gegen China.

Voss-Tecklenburg: "Tritt gegen Marozsán war brutal"

"Wir haben uns durch verschiedene Dinge aus dem Rhythmus bringen lassen", kritisierte Voss-Tecklenburg. "Das war nicht schön, aber wir haben uns durchgebissen", sagte sie und beklagte, dass sich mehrere Spielerinnen verletzt haben. "Es sieht bei einigen nicht gut aus", bedauerte sie. Den Tritt gegen Dzsenifer Marozsán nannte Voss-Tecklenburg "brutal".

Alexandra Popp zeigte sich hingegen einfach nur "überglücklich. Wir sind jetzt im Turnier drin", sagte die Stürmerin. Doch auch sie bemängelte die harte Gangart der Gegnerinnen. "Die Chinesinnen kamen zu spät und haben immer unsere Füße getroffen."

Am kommenden Mittwoch (18.00 Uhr/ZDF und DAZN) trifft die deutsche Mannschaft in Valenciennes im zweiten Spiel der Gruppe B auf Spanien und kann einen großen Schritt Richtung Achtelfinale tun.

Alexandra Popp und Co. spielen bei WM in Frankreich um den Titel.

Deutschland begann die WM mit der erwarteten Startelf. Im Vergleich zum 2:0 gegen Chile bei der WM-Generalprobe in Regensburg nahm Voss-Tecklenburg nur eine Änderung vor.

Lea Schüller musste weichen und wurde durch die erfahrenere Kathrin Hendrich ersetzt. Die Bayern-Spielerin verteidigte rechts in der Vierer-Abwehrkette, dafür rückte Gwinn nach vorn auf den rechten Flügel. Svenja Huth übernahm Schüllers Position auf der linken Offensivseite.

Starker Start der DFB-Auswahl

Die deutsche Mannschaft begann engagiert und zielstrebig. Bei einer scharfen Hereingabe von Spielführerin Alexandra Popp wäre Huth fast zur Stelle gewesen, doch Chinas Torfrau Shimeng Peng war noch mit einer Hand dazwischen (2.). Kurz darauf zischte ein Distanzschuss von Sara Däbritz (4.) hauchdünn am Pfosten vorbei.

Ein haarsträubender Fehlpass im Mittelfeld von Sara Doorsoun hätte Deutschland dann fast in Rückstand gebracht. Blitzschnell konterten die Asiatinnen. Shanshan Wang legte im Strafraum noch einmal quer zu Li Yang. Doch die Angreiferin zögerte zu lange mit dem Abschluss, so dass die zurückgeeilte Doorsoun ihren Fauxpas gerade noch ausbügeln konnte.

Chinesinnen bringen viel Härte ins Spiel

Pech hatte die DFB-Elf bei einer zu langgeratenen Flanke von Carolin Simon, die nur an die Latte klatschte (17.). Dann eine Schrecksekunde für die DFB-Auswahl. Nach einem Kopfball knapp über das chinesische Tor verletzt sich Popp im Zurückfallen am Fuß (21.) und musste minutenlang behandelt werden. Die 28-Jährige konnte dann jedoch weitermachen.

Die Chinesinnen beschränkten sich im Wesentlichen darauf, die Angriffe der spielerisch überlegenen Deutschen mit großer Härte und zum Teil unfairen Mitteln zu unterbinden.

Eine zweite Großchance, wieder eingeleitet durch einen unnötigen Querpass von Doorsoun, vergab Stürmerin Li Yang mit einem Pfostenschuss kurz vor der Pause.

Nach dem Wechsel besann sich die deutsche Elf, die sich etwas den Schneid hatte abkaufen lassen, wieder auf ihre Stärken.

Lena Oberdorf schreibt WM-Geschichte

Zudem feierte Lena Oberdorf ihr Debüt und ist mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen nun die jüngste deutsche WM-Spielerin der Historie. Die Gymnasiastin aus Gevelsberg löste Rekordnationalspielerin Birgit Prinz ab, die bei ihrem WM-Debüt 1995 fast zwei Monate älter war.

Trotz des verstärkten Drucks dauerte es bis zur 66. Minute, ehe Deutschland in Führung ging. Gwinn fasste sich nach einer zunächst abgewehrten Ecken ein Herz und versenkte den Ball durch viele chinesische Abwehrbeine hindurch zur überfälligen Führung.

Danach kontrollierte die DFB-Auswahl das Geschehen, ließ aber weitere Chancen ungenutzt. Umso größer war am Ende die Erleichterung über den den siebten Sieg im achten WM-Auftaktspiel der DFB-Geschichte. (dpa/hau)