Sie kann ihren Präsidenten nicht leiden, doch US-Nationalspielerin Megan Rapinoe erfüllt Donald Trumps Auftrag, Amerika groß zu halten, auf dem Fußballfeld. Mit ihren Toren sorgt die 33-Jährige bei der Frauen-WM in Frankreich dafür, dass sich der Rekord-Weltmeister USA auf Endspielkurs befindet - und spaltet gleichzeitig die Nation.

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Die USA sind eine Weltmacht. Das gilt auch und besonders für den Frauenfußball. Bei keiner Weltmeisterschaft landeten die Girls aus Übersee nicht mindestens unter den besten drei Nationalmannschaften. Dank ihrer Titel 1991, 1999 und 2015 sind die US-Mädels Rekord-Weltmeisterinnen.

Bei der laufenden WM in Frankreich ist nichts anderes als die Titelverteidigung ihr Ziel. Im Viertelfinale kommt es am 28. Juni ab 21 Uhr zum Gipfeltreffen mit Gastgeber Frankreich.

Donald Trump liebt den Frauenfußball

Daheim in den USA fiebert auch der Staatschef mit. Donald Trump "liebe es", zitierte das Hauptstadt-Blatt "The Hill" den Präsidenten, "Frauenfußball zu schauen. Die sind richtig talentiert."

Zu den größten "Talenten", um in Trumps Sprache zu bleiben, gehört Megan Rapinoe. Die 33-Jährige ist die Kapitänin des US-Teams. Ihr Elfmeter-Doppelpack sorgte im Achtelfinale der WM für ein knappes 2:1 über Spanien.

Rapinoe fällt Fußball-Unkundigen zunächst durch ihre grell pink gefärbten Haare auf. Wenn sie den Ball hat, spielt die Frisur der früheren Spielerin von Olympique Lyon aber keine Rolle mehr.

Rapinoe lenkt das Offensivspiel, glänzt als Vorbereiterin und Vollstreckerin gleichermaßen: drei Einsätze, drei Tore, drei Vorlagen. Rapinoe gibt alles für ihre Mannschaft und somit für ihr Land.

Rapinoe schloss sich Kaepernicks Hymnen-Protest an

Trotzdem singt Rapinoe die Nationalhymne der USA nicht mit und bleibt, während sie erklingt, nur aufrecht stehen, weil eine Aufforderung des Verbandes sie seit 2017 dazu zwingt.

Rapinoe ist im US-Sport die wohl größte Widersacherin Trumps. Sollte der - wie es Brauch ist unter US-Präsidenten - auf die Idee kommen, Rapinoe und ihre Kolleginnen nach erfolgreich absolvierter WM-Mission im Weißen Haus um sich zu scharen, so wird Rapinoe fehlen. Das hat sie bereits vor dem Turnier unmissverständlich klargestellt.

"Ich werde nicht in das beschissene Weiße Haus gehen", sagte Rapinoe auf Nachfrage im Rahmen von PR-Aufnahmen. Ganz davon abgesehen: Sie gehe gar nicht davon aus, eingeladen zu werden. Denn Trump versuche zu verhindern, dass Teams eingeladen würden, die ihn ablehnten.

Als bekennende Homosexuelle ist Rapinoe vielen Landsleuten ein Dorn im Auge. Mit ihrem unerschrockenen und forschen Selbstbewusstsein und - was Trump betrifft - widerspenstigen Auftreten spaltet sie das Land in zwei Lager. Das verbindet den Fußballstar kurioserweise mit dem Objekt ihres Hasses im Oval Office.

Trump nannte Colin Kaepernick, als Trump-Gegner quasi Rapinoes Entsprechung im US-Football, einen "Hurensohn", weil der 2016 damit begann, die US-Hymne durch demonstratives Knien zu ignorieren. Kaepernick, dunkelhäutig, gehört wie Rapinoe einer Gruppe an, die sich in den USA Trumps unterdrückt fühlt.

Rapinoes Schweigen während der Hymne bezeichnet Trump - etwas milder als im Fall Kaepernick - als "nicht angebracht."

"Als Homosexuelle weiß ich, was es heißt, die Flagge anzuschauen und zu wissen, dass sie meine Freiheiten einschränkt", antwortet Rapinoe auf diese Kritik.

Megan Rapinoe erntet gleichermaßen Zu- und Widerspruch

Ihr Amerika ist nicht das von Donald Trump, weswegen ihr über die sozialen Medien regelmäßig Menschen, die Trumps Ansichten teilen, empfehlen, nicht nur die Nationalelf, sondern am besten gleich das ganze Land zu verlassen. Viele Menschen ermutigen sie aber auch: Sie möge sich von ihren An- und Absichten nicht abbringen lassen.

Will dieses Land aus Frankreich mit WM-Gold heimkehren, braucht es Spielerinnen wie Rapinoe, ob das nun allen gefällt oder nicht.

Sie hat bereits mehr als 150-mal den Fußballdress der USA getragen, ihren Verband aber gemeinsam mit mehreren Kolleginnen auf gleiche Bezahlung - verglichen mit den Männern - verklagt.

Rapinoes Einsatz und ihre Tore, ihr Patriotismus auf dem Spielfeld sorgen für den Glanz, den Trump sich für sein Land in allen Bereichen des Lebens wünscht. Und den er für sich beansprucht, wenn es darum geht, sein Weißes Haus mit sportlichem Sonnenschein zu erhellen.

Rapinoe hat auf diese Party keine Lust, wie übrigens auch ihre Teamkollegin Alex Morgan. Beider Party soll in Frankreich steigen - am besten in Paris am Abend des 7. Juli, mit Abpfiff des Endspiels.

Mit Material der dpa
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