• Immer wieder ist der Fußball-Weltverband Fifa Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.
  • Oftmals scheinen diese Vorwürfe jedoch an den entsprechenden Personen abzuperlen – ohne Konsequenzen.
  • Die größten Skandale und ihre Hauptakteure haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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In den vergangenen 30 Jahren glänzte der Fußball-Weltverband Fifa vor allem durch Korruptionsvorwürfe. In den allermeisten Fällen ging es um angebliche Bestechungen, Stimmenkäufe und Nebenverdienste. Dabei spielten die folgenden Protagonisten eine entscheidende Rolle.

João Havelange und Ricardo Teixeira:

Ex-Fifa-Präsident João Havelange und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira werden beschuldigt, in ihrer aktiven Zeit bei der Fifa Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe kassiert zu haben. Aus Dokumenten der Staatsanwaltschaft Zug in der Schweiz, die gegen die beide ehemaligen Fifa-Funktionäre ermittelte, geht hervor, dass Havelange im Rahmen von Geschäften mit dem mittlerweile insolventen Medien- und Marketingunternehmen ISMM/ISL im März 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken erhalten hat.

Der damalige brasilianische Verbandschef Ricardo Teixeira soll zwischen August 1992 und November 1997 mindestens 12,7 Millionen Schweizer Franken erhalten haben.

Konkret wird den beiden vorgeworfen, sich bei Deals zu den Übertragungs- und Verwertungsrechten unrechtmäßig bereichert und Provisionen gegenüber der Fifa nicht offengelegt zu haben. Havelange gab daraufhin seinen Titel als Fifa-Ehrenpräsident ab. Ricardo Teixeira trat aus der Fifa-Exekutive zurück. Die Fifa musste als Institution "wegen mangelhafter Organisation ihres Unternehmens" rund zwei Millionen Euro Strafe zahlen.

Sepp Blatter und Michel Platini:

Schon die Wahl von Sepp Blatter zum Fifa-Präsidenten war umstritten. Er trat bei der Wahl am 8. Juni 1998 gegen den Uefa-Chef Lennart Johansson an und gewann mit 111 zu 80 Stimmen. Der Schwede Johansson wunderte sich anschließend, dass sämtliche Wahlberechtigte, die ihm zuvor Unterstützung zusicherten, plötzlich für den Schweizer Sepp Blatter stimmten.

Laut Enthüllungsjournalist Andrew Jennings von der englischen "Daily Mail" soll Blatter vor seiner Wahl 1998 afrikanische Wahlberechtigte bestochen haben.

Im Jahr 2002 legte der damalige Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen der Fifa einen Bericht vor, der beweisen sollte, dass Sepp Blatter seine Macht missbrauchte und in korrupte Machenschaften verwickelt war. Bei der Fifa blieb Zen-Ruffinen aber ungehört. Das Dossier kostete ihn sogar seinen Job. Seine Unterlagen kamen nie an die Öffentlichkeit. In seinem Aufhebungsvertrag wurde er außerdem zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sepp Blatter schadete die negative Berichterstattung über diesen Vorfall nicht. Er wurde bei der anschließenden Wahl zum Fifa-Präsidenten in Seoul für vier weitere Jahre in seinem Amt bestätigt.

Im Jahr 2010 folgten schließlich die Wahlen der Länder für die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Nach der Verkündung, dass Russland den Zuschlag für 2018 und Katar für 2022 erhielt, wurden Bestechungsvorwürfe gegen die Fifa laut. Viele Funktionäre sollen geschmiert worden sein. Bonita Mersiades, Verantwortliche für die australische WM-Bewerbung, erklärte später in einem Interview bei 11Freunde, dass auch die Australier mindestens indirekt Geld für Stimmen gezahlt hätten. Doch Katar habe die "meiste Kohle gehabt", so Mersiades. Blatter will von Korruption aber nichts gewusst haben.

Vier Tage nach der erneuten Wahl zum Fifa-Präsidenten im Jahr 2015 trat Blatter von seinem Posten zurück. Internationale Medien munkeln, dass ihm der Druck durch die amerikanischen und schweizerischen Behörden zu groß geworden war, besonders nachdem einige Fifa-Offizielle festgenommen wurden. Zusätzlich wurde Blatter von der Fifa-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt und ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Fifa-Boss eröffnet.

Er soll zum einen Fernsehrechte unter Marktwert in die Karibik verkauft haben. Zum anderen wurde Blatter eine Zahlung von 2 Millionen Schweizer Franken an Michel Platini im Jahr 2011 vorgeworfen. Das Geld soll für Beratungsdienste geflossen sein, die Platini zwischen 1998 und 2002 für die Fifa geleistet haben soll. Die Bundesanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts auf “ungetreue Geschäftsbesorgung”. In diesem Zusammenhang mussten sich Platini und Blatter später (2022) wegen Betrugs und Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Sie wurden beide freigesprochen.

Nach Angaben der Fifa-Anwälte sollen sich Blatter und seine Weggefährten Jerome Valcke und Markus Kattner von 2010 bis 2015 durch jährliche Gehaltserhöhungen, Bonifikationen und Prämien offenbar um 71 Millionen Euro bereichert haben.

Franz Beckenbauer und Mohamed bin Hammam:

Der Kaiser steht unter dem Verdacht, den früheren Fifa-Funktionär Mohamed bin Hammam im Jahr 2002 mit 6,7 Millionen Euro bestochen zu haben, um für das deutsche WM-Organisationskomitee einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Franken zu erwirken. Bin Hammam war zu dieser Zeit im Fifa-Finanzkomitee für solche Zuschüsse zuständig.

Das “Bestechungsgeld”, wie es Ethik-Chefermittlerin Maria Claudia Rojas nannte, hat sich Beckenbauer von Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus geliehen, der es 2005 vom WM-Organisationskomitee zurückbekam. Später (2018) brach Bin Hammam sein Schweigen und gestand, dass die 6,7 Millionen Euro auf sein Konto geflossen seien. Wofür das Geld allerdings bestimmt war, ließ er offen. Bis heute ist dieser Fall nicht eindeutig aufgeklärt.

Beckenbauer erklärte indes, dass die WM-Organisatoren mit der Zahlung einen Organisationskosten-Zuschlag des Weltverbands absichern wollten. Dieser Aussage widersprach Sepp Blatter 2018 vor der Schweizer Bundesanwaltschaft. Das stimme nicht. Das sei quatsch, sagte Blatter. Dass man zuerst etwas zahlen müsse, damit man im Gegenzug Geld von der Fifa bekommt, sei abstrus.

Im Juni 2014 verhängte die Fifa außerdem eine 90-tägige Sperre gegen Franz Beckenbauer, weil er gegen das Ethikreglement verstoßen haben soll. Beckenbauer soll eine Aussage gegenüber Fifa-Chefermittler Michael Garcia verweigert haben, die Aufschluss über die umstrittenen WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar hätten geben können. Laut Fifa ist Beckenbauer mehrfach persönlich und schriftlich auf Deutsch und Englisch kontaktiert worden, um Informationen zu liefern.

Innerhalb des Zeitraums dieser Sperre durfte Beckenbauer nicht an Aktivitäten teilnehmen, die im Zusammenhang mit Fußball stehen.

Jack Warner:

Der damalige Fifa-Vize-Präsident Jack Warner hat für die Weltmeisterschaft 2006 die Ticketvermarktung in seinem Heimatland Trinidad & Tobago übernommen. Sein eigenes Familien-Unternehmen soll dabei 900.000 Dollar an Provisionen eingestrichen haben. Beim Bekanntwerden des Vorfalls ging die Fifa aber nicht Jack Warner, sondern dessen Sohn an.

2010 wurden erneut Vorwürfe gegen Warner geäußert. Dabei soll es um Stimmenkäufe bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika gehen. Nachdem aber auch 2011 nach der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 Korruptionsvorwürfe gegen Warner laut wurden, trat dieser von all seinen Fifa-Ämtern zurück.

Im Jahr 2015 wurde Warner vor einem Bundesgericht in New York angeklagt. Ihm wurden unter anderem Betrug und Geldwäsche zur Last gelegt. Da es zwischen den USA und Trinidad & Tobago ein bilaterales Abkommen gibt, ist die Auslieferung Warners an die USA reine Formsache. Dagegen hat er in seinem Heimatland immer wieder Berufung eingelegt und sich bis 2022 an unterschiedliche Gerichte sowie die Regierung gewandt. Darüber hinaus wurde er auf Lebzeiten von der Fifa gesperrt.

Im Jahr 2019 wurde Warner schließlich von einem New Yorker Bundesrichter wegen Annahme von Schmiergeldern im Zusammenhang mit TV-Rechten zu einer Strafe von 79 Millionen US-Dollar (ca. 70 Millionen Euro) verurteilt.

Mitte November 2022 entschied der Londoner Privy Council – das höchste Berufungsgericht Englands –, dass Warner an die USA ausgeliefert werden darf. Das Urteil ist rechtskräftig. Seit 1976 ist Trinidad & Tobago eine Republik im Rahmen des Commonwealth of Nations.

Hans-Joachim Eckert und Michael García:

Der deutsche Jurist und ehemalige Richter Hans-Joachim Eckert wurde 2011 in die Fifa-Ethikkommission gewählt, wo er 2012 zum Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer gewählt wurde. Eckerts Zuarbeiter, der amerikanische Jurist und Star-Anwalt Michael García, wurde zur gleichen Zeit als Chefermittler von der Fifa beauftragt, einen Bericht über eventuelle Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu erstellen. Nachdem García seinen 430-seitigen Bericht der Fifa vorgestellt hatte, präsentierte Hans-Joachim Eckert der Öffentlichkeit nur eine 42-seitige Zusammenfassung – angeblich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes.

Daraus ergab sich: kein Beweis für einen WM-Kauf, aber einige Unstimmigkeiten. Daraufhin wurde Eckert weltweit heftig kritisiert – auch von Chefermittler Michael García. García bezeichnete Eckerts Schlussfolgerungen als “fehlerhaft und unvollständig” und legte Einspruch gegen die Veröffentlichung ein.

Die Fifa wies Garcías Einspruch jedoch zurück, was den amerikanischen Anwalt dazu veranlasste, als unabhängiger Chefermittler der Fifa-Ethikkommission zurückzutreten. Er habe das Vertrauen in die rechtssprechende Kammer verloren, so García.

Eckert hingegen arbeitete in den kommenden Monaten eng mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Untersuchungskammer der Fifa, Cornel Borbély, und dem amerikanischen FBI zusammen. Zahlreiche korrupte Funktionäre konnten sie in den Folgemonaten gemeinsam zur Strecke bringen. Darunter auch die Hauptakteure der Causa “Blattini”. Gerade als die Welt noch dachte, Eckert sei ein Blatter-Versteher, war es genau jener Fifa-Ethik-Richter, der Sepp Blatter und Michel Platini im Jahr 2015 für acht Jahre aus sämtlichen nationalen wie internationalen Fußballtätigkeiten verbannte.

Als Eckert und sein Schweizer Kollege Borbély in den folgenden Monaten begannen, auch gegen den Nachfolger von Sepp Blatter, Gianni Infantino, zu ermitteln, wurden sie von der Fifa abgesägt. Bei der Wiederwahl der Chefs der Ethikkommission 2017 sollten Eckert und Borbély eigentlich in ihren Ämtern bestätigt werden. Stattdessen erhielten sie kurz vor der Wiederernennung die Nachricht per SMS, dass ihre Positionen neu besetzt werden.

Auf der folgenden Pressekonferenz kamen beide Akteure ein letztes Mal in Fifa-Diensten zu Wort. "Ich habe Respekt vor anderen Menschen, aber ich erwarte auch, dass man mir Respekt gegenüber bringt", sagte Eckert. Borbély erklärte: “Das ist kein guter Tag für die Fifa.”

Quellen:

  • www.zeit.de
    Ex-Fifa-Chef Havelange erhielt Millionen-Schmiergeld
  • www.srf.ch
    Als Sepp Blatter zum mächtigsten Mann im Weltfussball wurde
    Späte Genugtuung für Zen-Ruffinen
  • www.rp-online.de
    Die Fifa-Skandale unter Sepp Blatter
  • www.faz.net
    Blatter tritt nach - Zen-Ruffinen fliegt raus
    Bin Hammam bestätigt Millionen-Zahlung
  • www.sport1.de
    Zen-Ruffinen: Fifa-Rückkehr möglich
    Havelange-Brief belastet Blatter
  • www.eurosport.de
    WM 2022: Whistleblowerin Bonita Mersiades hält saubere Vergabe für kaum denkbar – Fifa benötigt Neuanfang.
  • www.11freunde.de
    „Katar hatte die meiste Kohle“
  • www.tagesschau.de
    Blatter und Platini freigesprochen
  • www.welt.de
    Fifa-Anwälte: Selbstbereicherungsvorwürfe gegen Blatter, Valcke und Kattner
    Ex-Fifa-Vize Warner muss 70 Millionen Euro Strafe zahlen
    Dieser Deutsche richtet über Blatter und Platini
  • www.deutschlandfunk.de
    Fifa geht von Bestechung durch Beckenbauer aus
    Fifa sperrt Beckenbauer für 90 Tage
    Gericht erlaubt Auslieferung von Fifa-Ex-Vize-Präsident Jack Warner an die USA
  • www.spiegel.de
    Ex-Fifa-Vize Warner stellt sich der Polizei
    Fifa sperrt Ex-Vizepräsident Warner lebenslang
    Chefaufklärer entlassen: Fifa entmachtet ihre Kritiker
    Das Fifa-Urteil im Wortlaut
  • www.sueddeutsche.de
    US-Richter verurteilt Jack Warner zu Millionenzahlung
    Größter Sepp-Blatter-Versteher auf dem Planeten
  • www.kicker.de
    Fifa weist Einspruch gegen Eckert-Auswertung zurück
  • www.cicero.de
    Chefermittler Michael García tritt zurück
JTI zertifiziert

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