Welche Legende gehört in die Ruhmeshalle des deutschen Fußballs? Schon bei der Gründungself voriges Jahr schlugen die Emotionen hoch: Wolfgang Overath nicht in der Hall of Fame im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund - wie kann das sein? Nun wählte die Sportjournalisten-Jury fünf neue Ikonen. Mindestens zwei Namen sind sehr überraschend.

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Die wichtigste Nachricht vorneweg: Wolfgang Overath hat’s diesmal geschafft. Ohne eine einzige Gegenstimme schaffte der Weltmeister von 1974 und einstige Mittelfeldstratege des 1. FC Köln die Aufnahme in die Hall of Fame im zweiten Anlauf. Ein einstimmiges Jury-Ergebnis hatten voriges Jahr nur Gerd Müller und Fritz Walter bekommen.

Hier die neuen Hall of Famer im Überblick:

  • Tor: Oliver Kahn - zusätzlich zu Sepp Maier
  • Abwehr: Hans-Jürgen "Dixie" Dörner - zusätzlich zu Franz Beckenbauer, Andreas Brehme und Paul Breitner
  • Mittelfeld: Wolfgang Overath - zusätzlich zu Fritz Walter, Lothar Matthäus, Günter Netzer und Matthias Sammer
  • Sturm: Jürgen Klinsmann - zusätzlich zu Helmut Rahn, Uwe Seeler und Gerd Müller
  • Trainer: Helmut Schön - zusätzlich zu Sepp Herberger

Sportjournalisten machen sich die Wahl nicht einfach

Die 21 Sportjournalisten, die sich am Mittwochnachmittag vor dem Argentinien-Länderspiel (2:2) in Dortmund beraten hatten, machten sich die Wahl nicht einfach. Bayern-Legende Oliver Kahn oder doch Toni Turek, der Weltmeister-Torwart von 1954 - allein diese Frage ließ Weltanschauungen aufeinanderprallen.

Turek hatte zwar beim Wunder von Bern die Beförderung zum "Fußball-Gott" (O-Ton Herbert Zimmermann) erfahren, aber mit 20 Länderspielen nicht den Stellenwert von "Titan Kahn" (O-Ton Presse) erreicht. Was zählt mehr: WM-Titel oder Vereinserfolge? Am Ende bekam Kahn den Zuschlag mit 15 Stimmen.

Noch tiefer wurde die Diskussion bei der Abwehr. Die Erfolge von Berti Vogts mit Borussia Mönchengladbach in der 70er-Jahren sind unbestritten wie sein Einfluss als DFB-Trainer auf den deutschen Fußball. Immerhin war er Weltmeister 1974. Hans-Jürgen "Dixie" Dörner, der Beckenbauer des Ostens, kann da nicht mithalten. Oder doch?

Dörner ist bis heute eine Fußball-Legende für alle Deutschen, die mit dem DDR-Fußball groß geworden sind. Hinter dem eisernen Vorhang war es ihm halt nicht vergönnt, eine Profikarriere wie Berti Vogts hinzulegen. So schlug die Diskussion hohe Wellen, inwiefern die Umstände - ohne Ost-Bonus - berücksichtigt werden müssen.

Unentschieden zwischen Vogts und Dörner

Die erste Abstimmung endete unentschieden zwischen Vogts und Dörner. Die Stichwahl konnte nicht enger ausgehen: 11:10 für Dörner. Damit ist der Görlitzer nach Matthias Sammer der zweite Spieler von Dynamo Dresden, der in die Hall of Fame aufgenommen wird. Ein sicherlich überraschendes Ergebnis.

Während bei Wolfgang Overath schnell Klarheit herrschte, dass er in die Ruhmeshalle gehört, zog sich die Stürmerwahl in die Länge. Die Auswahl war groß: Jürgen Klinsmann, Rudi Völler oder sogar Klaus Fischer, der mit Fallrückziehern den Fußball so geprägt hat wie Bernhard Kempa den Handball mit seinem Kempa-Trick.

Trotzdem gewann Klinsmann die Abstimmung mit zehn Stimmen. Die Begründung: Er war Weltmeister 1990, Kapitän der Europameister-Elf von 1996 und vorbildlicher deutscher Botschafter mit seinem Gastspiel bei Tottenham Hotspur. Damit stach er Rudi Völler aus, Tante Käthe, den einstigen Liebling der Deutschen. Auch das: überraschend.

Bei der Trainerwahl dagegen kann es kein richtig oder falsch geben. Eher war die Frage: Soll man den Bundestrainer ehren, der Deutschland den schönsten Fußball der Geschichte spielen ließ, also Helmut Schön, den Mann mit der Mütze, den Europameister von 1972 und Weltmeister von 1974? Oder doch einen der vielen erfolgreichen Vereinstrainer?

Otto Rehhagel, Ottmar Hitzfeld, Udo Lattek, Hennes Weisweiler - jeder einzelne hatte seine Nominierung verdient. Gegen Helmut Schöns Wahl aber kam keiner an. So endete die Jury-Sitzung wie im Vorjahr: Alle waren zufrieden, weil sie große Männer des deutschen Fußballs geehrt hatten, und alle unzufrieden, dass andere Legenden warten müssen.

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Oliver Kahn: Der Torwart-Titan wird 50 Jahre alt

Ohne Oliver Kahns Können, Willen und Besessenheit wäre der Trophäenschrank des FC Bayern München deutlich leerer. Wenige Spieler in der Geschichte der Bundesliga polarisierten so wie die Torhüter-Legende des Rekordmeisters. Nie gab er ein Spiel verloren. Sein Motto: "Weiter, immer weiter!" Am 15. Juni wird der "Titan" 50 Jahre alt.