Wenn ein Stürmer seinem Klub 18 Tore schenkt und somit knapp 43 Prozent der Gesamtausbeute, dann ist nicht viel Fachverstand nötig, um zu prognostizieren, dass Hoffenheim ohne Vedad Ibisevic nur Außenseiterchancen beim Kampf um die Meisterschaft besitzt.

Wenn dann noch Chinedu Obasi (verletzt) und Carlos Eduardo (Sperre droht) in den ersten Spielen fehlen, "kann keiner ernsthaft glauben, dass wir ohne die drei den gleichen Fußball spielen", sagt Ralf Rangnick.

Auf Anhieb Ersatz aufzutreiben, der die Charakter- sowie Altersvorgaben erfüllt, regelmäßig trifft, sich schnell integriert und an das anspruchsvolle taktische sowie laufintensive Konzept anpasst, klingt ebenso wenig wahrscheinlich. Wie lange so etwas dauern kann, zeigt das Beispiel Wellington, der auch nach einem halben Jahr spielerisch nicht annähernd integriert ist.

Wie der kicker erfuhr, hat Hoffenheim einen Vorstoß bei Nicklas Bendtner vom FC Arsenal unternommen - allerdings erfolglos, wie Thomas Bendtner, Vater und gleichzeitig Berater von Nicklas, gegenüber dem kicker erklärte. Der 20-jährige Däne hätte die Ibisevic-Lücke schließen sollen. Der technisch starke Stürmer bestritt bereits 22 A-Länderspiele (acht Tore), 13-mal (vier Tore) war er im Europapokal im Einsatz. Für den FC Arsenal absolvierte er in dieser Spielzeit bislang acht Liga-Partien (drei Tore).

Rangnick bestätigte, mit Arsene Wenger telefoniert zu haben, erhielt aber die Auskunft, dass Arsenal wegen der angespannten Personalsituation keinen Spieler freigibt. So bleibt dem Coach vorerst nur die Hoffnung, dass das Team eine Art Wagenburgmentalität entwickelt, indem sie noch enger zusammenrückt, um den Ausfall zu kompensieren.

Uwe Röser