München (ae, dpa) - Bereits am Dienstag verkündete der neu gewählte Aufsichtsrat beim Hamburger SV, dass man optimistisch sei, mit Matthias Sammer einen neuen Sportchef gefunden zu haben, und dass man "die Sache in den nächsten Tagen dingfest machen" wolle. Bisher ist allerdings noch nichts passiert. Die bange Frage: Springt Wunschkandidat Sammer doch noch ab?

Noch am Dienstagabend erklärte Aufsichtsratsmitglied Alexander Otto, dass man "total überzeugt" von Sammer und seiner Art "wie er Fußball lebt" sei. Sammer ist der vielgesuchte Wunschkandidat, soll einen Drei-Jahres-Vertrag bekommen, der mit 2,5 Millionen Euro pro Jahr dotiert ist.

Laut "kicker" soll Sammer bereits mit Präsident Bernd Hoffmann konkret über die zukünftige Ausrichtung der Hanseaten gesprochen und sich darauf verständigt haben, dass der momentan noch tätige Sportchef Bastian Reinhardt bleiben soll. In welcher Funktion muss allerdings noch geklärt werden.

Auch über die künftige Nachwuchsarbeit sollen schon erste Gespräche geführt worden sein. Doch Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff meinte auch, dass man nicht wisse, "wann Sammer mit dem DFB spricht". Schließlich ist Sammer noch bis 2013 an den Verband gebunden.

Und beim DFB ging man am Mittwoch noch davon aus, dass Sammer weiterhin Sportdirektor bleibt und seinen Vertrag erfüllt. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach stellte noch einmal klar: "Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 laufende Vertrag aufgelöst werden soll.

Man habe das Votum des HSV-Aufsichtsrates zur Kenntnis genommen, das eine hohe Wertschätzung für die Arbeit des DFB-Sportdirektors zum Ausdruck bringe. "Wir können das Interesse des HSV nachvollziehen, schließlich sind auch wir von den Qualitäten unseres Sportdirektors restlos überzeugt", sagte Niersbach.

Dennoch sei die Situation unverändert. "Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt", betonte Niersbach. Der einzige, der die Situation aufklären könnte, ist Sammer selbst.

Doch der schweigt beharrlich. Beim HSV bleiben die Verantwortlichen zumindest nach außen hin ganz entspannt. Doch warum dauert Sammers "Ja" so lange? Es ist bekannt, dass sein Lebensmittelpunkt in Grünwald bei München liegt. Nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hamburg, seinem möglicherweise neuen Arbeitsplatz.

Bekommt der 43 Jahre alte ehemalige Weltklassespieler etwa doch noch kalte Füße? Das wäre für den Hamburger SV der GAU nach den monatelangen Querelen um die Sportdirektoren-Suche und ein großer Rückschlag für den gerade erst neu gewählten Aufsichtsrat der Hanseaten.

Spätestens am Wochenende soll Klarheit herrschen. "Ich will am Freitag von Matthias eine klare Aussage", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger dem "kicker". Am 21. Januar trifft sich das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur turnusmäßigen Tagung in Frankfurt/Main.

Und nicht nur der Hamburger SV blickt gespannt nach Frankfurt.