Große Ehre für Jerome Boateng: Bundestrainer Joachim Löw hat den Spieler vom FC Bayern München in den erweiterten Kreis der DFB-Kapitäne aufgenommen. Boateng könnte damit zum ersten farbigen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft werden.

Jogi Löw hat Jerome Boateng in den erweiterten Kreis der Kapitäns-Vertreter aufgenommen. Sollte Bastian Schweinsteiger bei Länderspielen ausfallen, könnte der Verteidiger des FC Bayern München zum ersten farbigen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft werden. Eine "Riesenehre" für Boateng, wie er selbst im Interview mit "Sportbild" erklärt. Sollte er sich tatsächlich die Binde überstreifen, würde er damit in die Fußballgeschichtsbücher eingehen. Dessen ist sich Boateng bewusst: "Natürlich wäre es auch ein Zeichen", sagt der Berliner, dessen Vater aus Ghana stammt. "Ich habe erlebt, wie es ist, mit einer anderen Hautfarbe in Deutschland aufzuwachsen, und meine Erfahrungen auch in der Jugend auf dem Fußballplatz damit gemacht", und erklärt: "Es sollte eigentlich egal sein, welche Hautfarbe ein Mensch hat. Ich weiß, wo meine Wurzeln liegen, so wie ich weiß, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin."

Dass Boateng die Kapitänsbinde verdient hätte, hat er während der WM in Brasilien bewiesen. Den Makel des unzuverlässigen Verteidigers hat der 26-Jährige längst abgelegt. Lange galt er als phlegmatisch und nicht besonders schnell auf den Beinen. Inzwischen ist er der vielleicht beste Innenverteidiger Deutschlands: schnell, kopfballstark und ein kluger Passgeber. Auf dem Platz strahlt er Ruhe aus und ist immer da, wenn er gebraucht wird. Auch von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff wird er gelobt: "Er ist unheimlich konzentriert und diszipliniert."

Ein Erdbeben für Europa

Der erste farbige Nationalspieler Deutschlands, Erwin Kostedde, hofft, dass Boateng seinen Traum, die Kapitänsbinde des DFB-Teams zu tragen, verwirklichen wird: "Sollte Boateng eines Tages Kapitän der deutschen Nationalmannschaft werden, dann wäre das eine große Ehre für uns Farbige und für Deutschland", sagt Kostedde der "Sportbild". "Aber es wäre auch wie ein Erdbeben für Europa, weil Deutschland eben Deutschland ist. Unser Land hat halt auch eine Geschichte."

(ska)