Für Außenstehende klingt die Nachricht zunächst belanglos: Rainer Koch, der umstrittene Ex-Vizepräsident beim DFB, gibt seine Aufgabe in der Uefa-Führung auf, tritt nicht mehr für das Präsidentenamt beim Bayerischen Fußballverband an und kehrt in seinen alten Beruf als Richter zurück. Für den DFB selbst ist die Nachricht eine Sensation.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
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Als Strippenzieher hatte Koch Macht und Einfluss auf die Geschicke im Verband, überstand jeden Präsidentenwechsel fast schadlos und trug, bewusst oder nicht, zum lädierten Image des weltweit größten Sportverbands bei. Auch deshalb jagten ihn die Delegierten beim vergangenen DFB-Bundestag aus dem Präsidium.

Dass Koch auf Sitz und Salär in der Uefa-Exekutive vorzeitig verzichtet (die Amtsperiode sollte bis 2025 dauern), macht den Weg für diejenigen frei, die tatsächlich an einem neuen DFB arbeiten. Seit Mitte März hat der Verband nicht nur einen unbescholtenen Präsidenten (Bernd Neuendorf), sondern seit dieser Woche eine Frau an den Schalthebeln.

Heike Ullrich heißt die neue Generalsekretärin und ist mit der Erfahrung aus über 25 Jahren DFB eine Frau, die jeden Paragrafenreiter, falschen Frauenversteher und juristischen Schleichweg kennt. Ihr macht niemand etwas vor. Mit ihr und den vier anderen Frauen ist das DFB-Präsidium so weiblich wie noch nie. Der täglichen Arbeit kann das nur gut tun.

Denn vor dem Hintergrund, dass es Männer waren, die den Verband in die vertrackte Lage gebracht haben, von Reinhard Grindel bis Rainer Koch eben, kann der Neuanfang mit Neuendorf und Ullrich an der DFB-Spitze symbolischer nicht sein: Das Alte geht, das Neue kommt. Mit Blick auf die Heim-EM 2024 darf man durchaus Zuversicht empfinden.

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